"Tatort: Dunkelfeld": Meret Becker ermittelt

"Tatort: Dunkelfeld" : Berliner Schlamassel

Mit "Dunkelfeld" endet die "Tatort"-Mini-Serie über das Vorleben des Berliner Kommissars Karow - zum Glück. Der die Geschicht ist zwar spannend, doch für die Zuschauer war es schwer, den Überblick zu behalten.

Kommissarin Nina Rubin (Meret Becker) feiert mit Dutzenden Gästen die Bar Mitzwa ihres Sohnes Caleb, als ihr Partner Robert Karow (Mark Waschke) in einen riesigen Schlamassel gerät. Auf dem Weg zur Vernehmung eines Kronzeugens wird dieser neben dem Kommissar im Auto erschossen. Dabei hatte Karow auf eine Aussage gehofft, die ihm entscheidende Erkenntnisse über einen mächtigen Drogenboss verschafft hätte.

Und es kommt noch schlimmer: Der Kommissar wird bezichtigt, den Hinterhalt selbst organisiert zu haben. Doch ehe er sich den Fragen der Kollegen stellen muss, wird er als Geisel genommen. Und Nina Rubin kann ihre Familienfeier vergessen.

Im vierten Fall "Dunkelfeld" des neuen Berliner "Tatort"-Teams gibt es die große Auflösung von Karows Geheimnis. Denn in den bisherigen Fällen ging es neben einem aktuellen Kriminalfall immer auch um das Vorleben des Polizisten, dessen Partner Maihack bei einem Einsatz als verdeckter Ermittler im Drogenmilieu erschossen worden war. Der Kommissar stand selbst zeitweise unter Verdacht, mehrmals wurde versucht, ihm Beweismittel unterzuschieben. Er selbst ist getrieben und will sich von dem Mordverdacht reinwaschen. Im Hintergrund scheinen jedoch mächtige Kräfte zu wirken, die ihn zum Sündenbock erkoren haben.

Der "Tatort" des Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) wollte durch die Mini-Serie im Krimi, die sich über diese vier Folgen zieht und nun endet, ins Gespräch bringen. Das ist gelungen. Das lag neben der seriellen Struktur allerdings sicher auch an expliziten Sex-Szenen, die die Macher den beiden Protagonisten gönnten.

Das Berliner Team hat mit dem fortlaufenden Handlungsstrang Neuland betreten, das mag aus Sicht der Macher durchaus attraktiv gewesen sein. Für das Publikum ist das Stilmittel aber herausfordernd, weil sich die vier Fälle seit März 2015 über einen langen Zeitraum ziehen. Zwischen dem Auftakt und Folge zwei lagen acht Monate, dann folgte bis zur Folge 3 eine siebenmonatige Pause, bis zum Abschluss dauerte es wieder ein halbes Jahr. Da muss man schon ein sehr großer "Tatort"-Fan sein, um den Überblick zu behalten und auf Stand zu bleiben. Alle drei Krimis wurden nun auch wiederholt, damit der Zuschauer anknüpfen kann. Aber im Ernst: Wer schaut viereinhalb Stunden Fernsehen, um den Krimi am Sonntagabend verstehen zu können?

Das Prinzip der Mini-Serie macht es dem Zuschauer wirklich schwer, dabei hat der Berliner "Tatort" mit Karow und Rubin ein spannendes Ermittler-Paar. Karow ist geheimnisumwittert, impulsiv, unkonventionell. Rubin bodenständig, familienverbunden und sehr authentisch. Die Szene, in der sie mit dem ominösen Bau-Unternehmer Ahmed Kermal (Tim Seyfi) in dessen Rolls Royce sitzt und er sie und ihre Familie indirekt bedroht, und ihre Reaktion darauf voller Verletzlichkeit und Verunsicherung sind mit das Beste an diesem Krimi.

"Tatort: Dunkelfeld", ARD, So., 20.15 Uhr

Hier geht es zur Bilderstrecke: Szenen aus dem "Tatort: Dunkelfeld"

(mso)
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