Tv-Kritik: "Tatort"-Dortmund bleibt ein Irrenhaus

Tv-Kritik: "Tatort"-Dortmund bleibt ein Irrenhaus

Als ein Faustschlag den neuen Dortmunder "Tatort"-Kommissar am Sonntagabend nach etwa 20 Minuten mitten ins Gesicht traf, war das die verdienteste Prügel, die ein deutscher TV-Ermittler in diesem Jahr kassiert hat. Faber nervt. Keine Frage: Jörg Hartmann spielt den manisch-depressiven Ruhrpott-Ermittler brillant. Weniger Kunst, mehr Inhalt hätte der Handlung gut getan. Das war allerdings nicht zu erwarten, da der WDR die beiden ersten Dortmund-Folgen von Drehbuchautor Jürgen Werner und Regisseur Thomas Jauch hat gleichzeitig drehen lassen.

Beide haben vor lauter Begeisterung über ihren Hauptdarsteller offenbar vergessen, dass es sich beim "Tatort" um einen Krimi und nicht um ein Figuren-Panoptikum handelt. Aus dem an sich guten Stoff, den sozialen Sprengstoff aus osteuropäischem Arbeiter-Strich, Prostitution und Elends-Ausbeutung in einer Mord-Geschichte eskalieren zu lassen, haben Werner und Jauch leider nichts gemacht. Die Figuren trieben die Handlung nicht voran, sondern behinderten sie regelrecht in lustloser Selbstverliebtheit.

Es fehlte die funktionierende Idee. Der WDR mag seine "Tatorte" als Krönung seiner Unterhaltungsbemühungen ansehen, in Wahrheit sind alle drei problematisch: Die Kölner und Münsteraner Figuren haben ihren Zenit längst überschritten, die Dortmunder Figuren kommen nicht in den Tritt, sie sind bloß schrill und laut. Das ist zu wenig. Ulli Tückmantel

(RP)
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