Tatort "Die Pfalz von oben": 30 Jahre Lena Odenthal

70. „Tatort“ mit Lena Odenthal : Aufgewärmt schmeckt doch nur Gulasch

„Die Pfalz von oben“ ist der 70. „Tatort“ aus Ludwigshafen mit Kommissarin Odenthal. Zum Jubiläum geht’s zurück an eine alte Wirkungsstätte – inklusive Liebelei mit einem Verflossenen. Besonders spannend ist das alles nicht.

Als Ulrike Folkerts erstmals als Lena Odenthal im Südwesten der Republik ermittelte, stand die Mauer noch. „Die Neue“ hieß ihr „Tatort“-Debüt, ausgestrahlt am 29. Oktober 1989. 30­ Jahre später ist sie die dienstälteste Kommissarin in der „Tatort“-Geschichte, „Die Pfalz von oben“ ihr 70. Fall. Odenthal gilt als die starke Frau der Reihe, als Ermittlerin, die sich in einem männerdominierten Beruf nichts sagen lässt. Dieses Image hat sie sich bewahrt, dazu kann man gratulieren. Blöd ist nur, dass die Jubiläums-Folge ziemlich unspannend daherkommt.

In Zarten in der Westpfalz, nahe der französischen Grenze, liegt die Polizei-Dienststelle mit der niedrigsten Kriminalitätsrate im Land. Stefan Tries (Ben Becker) leitet das gemütliche Revier mit insgesamt fünf Beamten, gleich zu Beginn schaut die gesamte Belegschaft ein Fußballspiel. Nur der junge Polizist Benny Hilpert (Max Schimmelpfennig) mag sich damit nicht zufrieden geben. Mit Tries fährt er in der verregneten Nacht auf Streife. Eine Lkw-Kontrolle eskaliert, und am Ende liegt Tries samt Streifenwagen im Straßengraben und Hilpert erschossen auf dem nassen Asphalt.

„So ’ne Lage hatten wir hier noch nie“, sagt Tries am nächsten Morgen, als er mit der eilig herbestellten Lena Odenthal am Tatort steht. Die richtet sich mit ihrer Ermittlungsgruppe im Souterrain des örtlichen Italieners ein – Kegelbahn und Holzvertäfelung inklusive. Der serviert fleißig Quattro Stagioni, und eine Etage drüber schläft die Kommissarin im Pensionszimmer mit Blümchenvorhang und quietschender Matratze. So weit, so Klischee.

Doch sie sind nicht die einzigen auswärtigen Ermittler vor Ort – auch die „Interne“ ist da, in Person des (natürlich) aalglatten Charly Metzger (David Bredin). Odenthal selbst hatte das mit einer weitergeleiteten Mail angestoßen, in der sich über Unregelmäßigkeiten in der Dienststelle beschwert wurde: „Nur wo wenig kontrolliert wird, da glänzt die Polizeistatistik.“ Schnell steht fest: Die Mail kam von einem Polizisten. Und bei der Polizei in der Provinz ist offenbar nur die Fassade sauber. Zu schick sind die Neubau-Häuser der Beamten, zu eng ist ihre Beziehung zum Dorf.

Doch anstatt sauber zu ermitteln, brechen in Odenthal alte Gefühle wieder auf. Denn mit Stefan Tries gibt es eine Vorgeschichte, 1991 hatten die beiden in „Tod im Häcksler“ schon einmal in einer so verschworenen wie hinterwäldlerischen Dorfgemeinschaft in der Pfalz ermittelt – und nicht nur das. Ein Fall, der im Übrigen große Wellen schlug: Die Pfälzer sahen sich in ihrer Ehre angegriffen, und am Ende musste Ulrike Folkerts zum Waldspaziergang mit dem damaligen rheinland-pfälzischen Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) antreten.

1991 ermittelte Odenthal (Ulrike Folkerts) schon einmal mit Tries – Affäre inklusive. Foto: SWR/Johannes Hollmann

Doch beim Krimi ist es offenbar wie in der Liebe: Aufgewärmt schmeckt doch nur Gulasch. Obwohl die Auflösung überraschend ist und die Dynamik zwischen Becker und Folkerts auf seltsame Weise funktioniert, kommt so gut wie keine Spannung auf. Zu klischeebeladen ist die Geschichte, zu wenig interessiert man sich für ihre Figuren. Schade drum.

„Tatort: Die Pfalz von oben“, Das Erste, So., 20.15 Uhr

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