"Tatort - Die ewige Welle" Leitmayr macht falsch, was er falsch machen kann

Der 81. „Tatort“ aus München : Leitmayrs wilde Jugend

Der Münchner „Tatort“-Kommissar trifft auf einen Jugendfreund: Mikesch wurde lebensgefährlich verletzt und türmt aus der Klinik. Dann macht Franz Leitmayr falsch, was er falsch machen kann. Und Batic greift nicht ein – leider.

Dass etwas in diesem Fall nicht stimmt, wird relativ früh klar: Hallodri Mikesch (Andreas Lust) wird auf dem Rückweg vom Surfen im Münchner Eisbach von einem Junkie mit einem Messer lebensgefährlich verletzt. Als er im Krankenhaus aus seinem Dämmerzustand aufwacht, erkennt er in Kommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) nicht nur spontan seinen Jugendfreund wieder – keine zwei Minuten später, nachdem der Polizist mit Partner Ivo Batic (Miroslav Nemec) das Krankenzimmer verlassen hat, klettert der Schwerstverletzte aus dem Fenster, springt von einem Dach und läuft davon. Laut den Ärzten ist sein Leben in Gefahr, der alte Freund hängt sich deshalb an seine Fersen. Das ist Mikesch aber nicht recht, weil er einen großen Drogendeal durchziehen will. Der Blutfleck auf seinem Hemd wird von Szene zu Szene mal größer, mal kleiner. Er rennt und springt auf und ab. Ab und zu verzieht er mal schmerzerfüllt das Gesicht. Ansonsten bewegt er sich so geschmeidig wie eine Katze und wirft sich sogar in zwei Szenen auf den Bauch.

Leitmayrs Sorge um seinen alten Freund ist laut Drehbuch zu Beginn der Motor der Geschichte, umso ärgerlicher ist, dass es anscheinend niemandem aufgefallen ist, dass Mikesch dafür viel zu fidel wirkt. Bei seinem Drogengeschäft will er Schmerzpflaster verticken, die sein jugendlicher und schwerhöriger Freund Robert für ihn aus einer Firma hat mitgehen lassen. Das Geld braucht er für das Medizinstudium seiner Tochter.

Doch dann sterben zwei Junkies an einer Überdosis, weil die Wirkstoffkonzentration in den Schmerzpflastern zu hoch ist – es ist eine Fehlproduktion. Nun müssen Leitmayr und Batic ernsthaft gegen Mikesch ermitteln. Dabei schwelgt doch Leitmayr in Erinnerungen an die gemeinsame Vergangenheit. Rückblenden mit Lichtfilter zeigen, wie frei und wild der junge Kommissar 1984 im portugiesischen Surferparadies Nazaré mit der schönen Frida und seinem Freund Mikesch unterwegs war. Zwei Männer, eine Frau? Klingt kompliziert und war es auch. Natürlich lässt der gute Leitmayr seinen Freund ruhig weitermachen, weil er ihm doch helfen will. Und nur der Zuschauer ahnt, dass das alles in einer Katastrophe enden wird. Der Deal ist für Mikesch einfach ein paar Nummern zu groß.

Dieser „Tatort“ ist kein Erlebnis, denn er weiß nicht, was er sein will. Persönliches Rührstück? Porträt eines Gescheiterten? Ein bisschen Breaking Bad? Gangster-Comedy? Zumindest Letzteres will der Fall „Die ewige Welle“ ganz sicher sein, anders ist es nicht zu erklären, dass ein russischer Drogendealer Mikeschs Kompagnon, dem liebenswerten und verstrahlten Hasch-Dealer Heinrich (Michael Tregor), erst die Finger bricht und ihm dann zum Trost auf die Hand pustet.

Leitmayr möchte man schütteln, weil er sich so verhält, wie er sich verhält. Das wäre eigentlich Batics Aufgabe, aber der hat Rücken und muss sich die Bandscheiben durchwalken lassen. Damals, in Portugal, ist Leitmayr einfach abgehauen, weil er diese Dreiecksbeziehung nicht ertrug. Aus dem Surferboy, der Polizisten den Joint unter die Nase hielt und nackt am Strand schlief, ist ein Spießer geworden, der seinem alten Kumpel aus falsch verstandener Loyalität auf den Leim geht.

Und Leitmayr wärmt die 35 Jahre zurückliegende Geschichte mit der damaligen Geliebten Frida (Ellen ten Damme) wieder auf. Sie nennt ihn wie früher Francisco und muss so Sätze sagen wie „Deine Haare sind ganz weiß geworden“. Er entgegnet, das müsse über Nacht passiert sein. Dann kommen noch schwülstige Liebesgedichte von 1984 ins Spiel, über die nicht nur Batic lacht. Zudem gibt es einen  Mittdreißiger namens Joao, dessen Vater der Kommissar sein könnte – und dazu dudelt dann Pink Floyd „Wish you Were Here“.

Wie man eine sympathische Gangster-Schmonzette richtig macht, haben die Wiener Kollegen im vergangenen Jahr mit dem Fall „Her mit der Marie“ gezeigt. Die Figur Heinrich aus dem Münchner Fall hätte vielleicht das Potenzial gehabt, einen Film zu tragen. Aber so ist es von allem etwas, und das ergibt selten etwas Gutes.

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