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"Tatort: Der böse König" mit Lena Odenthal: So war der Fall - Nachlese

Nachlese zum „Tatort: Der böse König“ : Der Mörder ist immer der mit dem Mittelscheitel

Die Verdächtigen-Suche hätte sich Lena Odenthal in ihrem 74. (!) Fall getrost sparen können – aber schaurig-schön war’s schon, diesem Narzissten bei seinen maliziösen Manipulationen zuzusehen.

Worum ging‘s? Sandro Esposito ist tot, der Mann, der kürzlich erst den Betrieb erst den Betrieb eines „Späti“ übernommen hatte. Sie wissen schon, halb Kiosk, halb Discounter. Die Art Laden, die alle rund um die Uhr mit Grundnahrungsmitteln wie Bier, Wein, Schnaps und Chips versorgt. Der Betreiber jedenfalls ist tot, erschlagen mit einem Baseballschläger. Wer macht sowas, auf so blutige Art? Weshalb hat er dem Opfer auch Münzen im Wert von 73 Cent in den Rachen gestopft? Und warum ist er so sicher, dass man ihn nicht sehr bald schnappt, obwohl er gegen zehn Uhr abends zuschlug, mit massig potenziellen Zeugen?

Worum ging‘s wirklich? Darum, auch denen, die die Weltpolitik der vergangenen Jahre komplett ausgeblendet haben, klarzumachen, wozu eine ausgeprägte narzisstische Störung führen kann. Auftritt Anton Maler, der sich selbst „Antoine“ nennt, seine Vernehmung ganz gezielt „verpasst“, um zur Erklärung mit der aufopfernden Pflege seiner Ex-Freundin zu prahlen, die an einer „mysteriösen“ Krankheit leidet. Dazu präsentiert er den Ermittlerinnen einen Blumenstrauß, versucht mit Johanna Stern (Lisa Bitter) zu flirten und gibt mit seinen Programmier-Fähigkeiten am: „Hochleistungssport fürs Gehirn!“ Zuvor war er übrigens Rettungssanitäter, hat Jura und Psychologie studiert. Ein echter Tausendsassa, der in seiner Langzeitstudentenbude ackert wie der junge Steve Jobs, aber auch gern mal ganz hip ein Selfie vor dem Polizeipräsidium knipst. Oder, um den ersten Eindruck von Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) zu zitieren: „Was is’n das für’n Clown?“

 Anton Maler (Christopher Schärf).
Anton Maler (Christopher Schärf). Foto: SWR/Benoit Linder

Was war gut? Wie schön schlimm der Österreicher Christopher Schärf diesen Über-Loser mit Gottkomplex spielt. Diese Schleimigkeit. Diesen Wechsel zwischen aufgesetzter, kriecherischer Demut und passiv-aggressivem Beleidigtsein. Gemischt selbstverständlich mit einer Extraportion Frauenhass, die sich einerseits beim Stalking von Fallanalytikerin Stern Bahn bricht sowie vor allem beim fürchterlichen Umgang mit seiner Ex-Freundin (famos hilflos: Lana Cooper), die er wenig subtil schleichend vergiftet, um sich als Retter aufzuspielen. Neben alldem sowie den am Ende zwei Morden hat das auch kleine Folgen wie die tiefe Verletzung von Sekretärin Edith Keller (Annalena Schmidt), der Stern auf Malers Lüge hin vorwirft, ihre Handynummer herausgegeben zu haben.

Was war schade? Die Pflichtschuldigkeit, mit der die Macher versuchten, uns andere Verdächtige vorzusetzen: Den ehemaligen Späti-Besitzer (Özgür Karadeniz), dessen Freund oder Geliebten (Bernhard Conrad) sowie Junkie Jannik Berg (Pit Bukowski). Nee, nee, Freunde: Diese Nummer war von Anfang an klar: Der Mörder war der Psychopath mit dem - O-Ton Stern - „Grandiositätsverlangen“, der denkt, sein Mittelscheitel würde ihn zu Michael Ballack, Keanu Reeves oder Johnny Depp machen. Diesen „Tatort: Der böse König“ offensiv als Täterstudie aufzuziehen, wäre wohl die bessere Wahl gewesen, und Ekel Anton wäre subtiler noch fesselnder gewesen (spätestens seine rassistischen Züge etwa hätte man nun wirklich nicht auch noch gebraucht). Aber sei’s drum.