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Tatort: „Borowski und die Angst der weißen Männer“ – so wird der Krimi am Sonntag

Neuer „Tatort“ aus Kiel : Fiese Männer zum Weltfrauen-Tag

Kommissar Borowski und Kollegin Mila Sahin machen in ihrem neuen Fall Jagd auf Frauenhasser. Am Vorabend des Weltfrauen-Tags kommen die Männer in diesem Krimi nicht so gut weg.

Am Rande einer Kieler Industriebrache wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Das Opfer wurde mit Tritten übel zugerichtet, doch die Todesursache ist unklar. In der Nähe des Fundorts befindet sich eine Disco, deren Besucher Drogen nicht abgeneigt sind. Klaus Borowski (Axel Milberg) und seine Kollegin Mila Sahin (Almila Bagriacik) finden am Tatort die Zahl 14, das nicht mehr ganz so geheime Erkennungszeichen einer rechtsradikalen Bewegung aus den USA, deren Mitglieder die „Macht des weißen Mannes“ mit allen Mitteln verteidigen wollen. Mitglieder der Bewegung propagieren die Verschwörungstheorie, dass die westliche Frau deshalb berufstätig und emanzipiert sein soll, damit sie weniger Kinder bekommt. Dies wiederum soll es Menschen anderer Hautfarbe erleichtern, im sogenannten Abendland die Vorherrschaft zu übernehmen.

Einen Verdächtigen haben Borowski und Sahin auch schnell am Wickel: den jungen Parkhauswächter Mario Lohse, der bei den Frauen wenig Glück hat, sich nachts in rechtsradikalen Chatgruppen herumtreibt und kurz vor dem Mord in der Disco vergeblich versucht hatte, dem späteren Opfer Avancen zu machen. Im Zuge der Ermittlungen schleust sich Borowski undercover in die Selbsthilfegruppe eines dubiosen „Pickup-Artists“ (toll gespielt von Arnd Klawitter) ein, der mit seinen am Leben gescheiterten Seminarteilnehmern klandestine Absichten zu verfolgen scheint. Die Gruppe steht im Verdacht, etwas mit den seit Wochen laufenden Drohungen gegen eine Kieler Lokalpolitikerin und Feministin, zu tun zu haben.

„Borowski und die Angst der weißen Männer“ von Regisseurin Nicole Wegmann thematisiert am Vorabend des Weltfrauen-Tags die wachsende Gefahr durch sogenannte Incel-Täter („involuntary celibacy“, zu Deutsch „unfreiwilliges Zölibat“). Gemeint sind meist junge, bei Frauen chronisch erfolglose Männer, deren sexuelles Unvermögen sich in Hass gegen Frauen verwandelt. In Chatgruppen radikalisieren sich die Männer gegenseitig immer weiter, es werden Gewaltphantasien und rechtsradikale Verschwörungstheorien ausgetauscht. Der Attentäter von Hanau, der im Februar 2020 neun Menschen mit Migrationshintergrund erschossen hat, wird von Experten der Incel-Szene zugerechnet.

Die Autoren Peter Probst und Daniel Nocke versuchen, das Incel-Milieu und die Mechanismen der Radikalisierung genau zu beschreiben. Dass einige Szenen etwas dick aufgetragen und klischeebeladen geraten sind, lässt sich da nicht immer vermeiden. Doch stellenweise hat der Zuschauer leider das Gefühl, er habe es nicht mit einem Krimi, sondern mit der Verfilmung des Wikipedia-Eintrags „Incel“ zu tun. Dass Borowski der einzige halbwegs sympathische Mann ist, den der Zuschauer in 90 Minuten sieht, muss man aufgrund der Thematik wohl auch verzeihen. Andererseits arbeitet der Film sehenswert die kleinen, alltäglichen Momente heraus, in denen Frauen mit feindlichen, aggressiven und herablassenden Anwürfen von präpotenten Männern zu kämpfen haben. Dass die neue Ermittlerin Mila Sahin den früher etwas gemächlichen Fällen aus Kiel neuen Drive verleiht, wurde schon in den vergangenen Fällen deutlich. Alles in allem lohnt sich also tatsächlich das Einschalten.

„Borowski und die Angst der weißen Männer“: Das Erste, So. 20.15 Uhr