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"Tatort" aus Saarbrücken: Das Böse lauert im Wald

„Tatort“ aus Saarbrücken : Das Böse lauert im Wald

In „Der Herr des Waldes“, ihrem zweiten Fall, jagen die Saarbrücker Ermittler den Mörder einer jungen Frau – und auch ihre ganz persönlichen Dämonen. Prädikat: sehenswert.

Ein heimliches Date im Wald am Stadtrand von Saarbrücken – was aus erwachsener Sicht nach einer ziemlich, ziemlich schwierigen Idee klingt, hört sich für die 18 Jahre alte Jessi genau richtig an. Sie radelt im Sommerkleidchen in den Wald, sie freut sich auf das, was gleich kommen soll – dann aber bohren sich ein Karbonpfeil in ihren Oberschenkel und ein Messer ins Herz. Ein Jogger findet die Leiche des jungen Mädchens am nächsten Tag, in ihrem Mund ein Zweig, an ihrem Körper Bissspuren. Die Saarbrücker „Tatort“-Kommissare Leo Hölzer (Vladimir Burlakov), Adam Schürk (Daniel Sträßer), Esther Baumann (Brigitte Urhausen)  und Pia Heinrich (Ines Marie Westernströer) nehmen die Ermittlung auf. Der Fall, der am Ostermontag im Ersten gezeigt wird, ist erst der zweite dieses noch neuen „Tatort“-Teams.

„Der Herr des Waldes“ erzählt nicht nur von der Suche nach dem Mörder oder der Mörderin von Jessi, sondern parallel auch die Geschichte der qua Historie verbundenen Ermittler Schürk und Hölzer. Für alle, die den ersten Fall der beiden nicht mehr präsent haben: In Episode eins, „Das fleißige Lieschen“, hat der Zuschauer erfahren, dass Schürk und Hölzer schon als Jugendliche Freunde waren. Schürk wurde von seinem Vater immer wieder schwer misshandelt, und Hölzer half ihm in einer Akutsituation, indem er den Vater niederstreckte. Seither, immerhin seit 15 Jahren, liegt Roland Schürk im Koma. Jetzt wacht er auf – und die Kommissare haben nicht nur mit ihrem aktuellen Mordfall zu kämpfen, sondern auch mit ihren diversen Ängsten und Aggressionen. Was, wenn der Vater sich erinnert? Würde das Hölzers Polizeikarriere zerstören? Wie soll Adam Schürk aushalten, den Gewalttäter nicht nur wieder in seinem Leben zu wissen, sondern auch im Haus seiner Mutter?

Die vier Kommissare ermitteln – natürlich – in unterschiedliche Richtungen: Sie befragen Jessis Mitschüler und Lehrer, treffen auf rührselige Ex-Freunde, Verschmähte, auf militante Veganer, auf einen sonderbaren Wald-Menschen, sie suchen – nach Lektüre von Jessis Tagebuch – nach der dort beschriebenen heimlichen Liebe; sie prüfen, ob es sich womöglich um einen Ritualmord gehandelt haben könnte, und gehen einer Spur in Frankreich nach. Und dann behauptet auch noch Roland Schürk, er wisse, wer der Täter ist.

Den Bösen in dieser „Tatort“-Episode nimmt man den Sadismus, den Wahnsinn ab, die Besetzung ist hervorragend. Und auch die Kommissare gewinnen an Kontur: Fand man in „Das fleißige Lieschen“ die extreme Düsternis, die Adam Schürk umgibt und die sich schon in seinem Gesicht zeigt, schon faszinierend, wirkt sie jetzt, mit mehr Wissen seiner Familiengeschichte, noch schlüssiger. Und auch die Figur Leo Hölzer wird mit dieser zweiten Folge greifbarer. Menschlicher. Auch die beiden Ermittlerinnen, die bei ihrem ersten Fall ehrlicherweise vollständig wie Staffage wirkten, werden jetzt etwas mehr eingeführt – der Fokus liegt, wenigstens bis jetzt, aber eindeutig auf den beiden Männern.

Es ist spannend und auch unterhaltsam, Schürk, Hölzer, Baumann und Heinrich nach und nach besser kennenzulernen – und dieser zweite Fall macht Lust auf mehr Saarbrücken.

Das Erste, 4. April, 20.15 Uhr