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"Tatort" aus Münster: So gut war "Limbus" mit Boerne und Thiel

Nachlese zum „Tatort“ aus Münster : Boerne, wie er stirbt und lebt

Im 37. Fall von Thiel und Boerne geht um nichts Geringeres als das Leben des Professors höchstpersönlich. „Limbus“ ist ein gelungenes Experiment, das auf angenehme Art massentauglich bleibt.

Worum geht’s? Boerne ist so gut wie tot, verunglückt bei einem als Autounfall getarnten Anschlag eines Hochstaplers (Hans Löw). Der angebliche Dr. Jacoby sollte Boerne eigentlich nur temporär vertreten, während dieser in Klausur ein Buch über den Tod schreibt. Stattdessen landet Boerne im Koma und damit in der Vorhölle, dem titelgebenden „Limbus“. Von dort gibt er alles, um den Bösewicht zu entlarven und dessen Gift zu identifizieren, bevor aus dem versuchten ein vollendeter Mord wird.

Worum geht’s tatsächlich? Um die ganz großen Fragen: Wie sieht es eigentlich aus auf den letzten Metern zum Tod? Wie sehen unsere Hinterbliebenen eigentlich uns? Und stehen diese unsere Liebsten - hier: Thiel (Axel Prahl) und Haller (Christine Urspruch) - wirklich so sehr unter Schock, dass sie nicht bemerken, wenn wir von jemandem ermordet werden, der scharf ist auf unseren Job und unsere Wohnung samt Weinsammlung?

Was gibt’s zu meckern? Nicht viel. Dass der Fiesling nicht nur Identitäten stiehlt, sondern deren Inhaber gleich auch gewohnheitsmäßig abmurkst, ist etwas drüber. Und dermaßen spontan wie Boerne kann auch der exzentrischste Chef nur im Film abtauchen, aber dieses Setup ist eben notwendig, damit sich niemand über seinen Stellvertreter informieren kann. Und um comic relief durch Thiel senior kamen auch die Macher dieses feinen Films leider nicht herum. Aber all das sind Peanuts.

Was ist besonders stark? Erstens die Grundidee: Anstatt dass die Lebenden den Komatösen ins Leben zurückholen, ist es hier genau andersherum: Boerne selbst muss als Geist die Kleingeister darauf stoßen, wie sie ihn retten können. Eine Lektion in Demut lernt er dabei dennoch. Sehr elegant!

Die Umsetzung ist auf demselben Niveau. Chapeau an das Quartett Magnus Vattrodt (Buch), Max Zähle (Regie), Frank Küpper (Kamera) und Michaela Schumann (Szenenbild). Hier stimmen das Große Ganze - Look, Stimmung und Spannung - wie auch die Details. Wie Geister-Boerne etwa Einfluss auf das Geschehen in der echten Welt nehmen kann und wie nicht, ist famos austariert. Einen Computer bedienen zum Beispiel kann er, doch anstelle seiner Mail an „Alberich“ erhält diese Spam en masse.

Dass der eigentliche Plot kaum zu überraschen vermag, zumal das Happy Ending natürlich alternativlos ist, vergisst man beim Zuschauen leicht. Das liegt auch an Hans Löw, der brillant den manipulativen Hochstapler gibt. Ein Blick auf seine Filmografie verrät: Dieser Mann ist geradezu ein Garant für gute Produktionen.