1. Panorama
  2. Fernsehen

"Tatort" aus München am 19.12.: Eine Welt voller Geheimnisse

So ist der neue „Tatort“ aus München : Kammerspiel hinter Klostermauern

Die Münchner Ermittler haben es in ihrem 88. gemeinsamen Fall mit schweigsamen Nonnen und mysteriösen Vertretern des Vatikan zu tun. Daraus entwickelt sich zwar kein komplexer Krimi, aber ein durchaus sehenswertes Kammerspiel.

Sechs Nonnen singen „Halleluja“, und währenddessen stirbt ein Mann im Zug. Diese Bild- und Klangmontage gibt den Ton vor für den neuen „Tatort“ aus München, der nicht unbedingt von seiner Spannung lebt, wohl aber von seiner Inszenierung. Und von der fremden Welt hinter Klostermauern, in der er spielt.

Doch der Reihe nach: Am Hauptbahnhof in München fährt ein Zug ein, darin sitzt ein Toter. Zum Glück des Rechtsmediziners trug er eine Uhr, die seine Vitaldaten aufgezeichnet hat und damit auch auf die Minute genau den Moment des Todes: „Exitus, 20.48 Uhr“, sagt der Pathologe sichtlich begeistert. Schnell stellt er zudem fest: Der Mann starb nicht an einem Herzinfarkt, sondern an einem Atemstillstand. Ursache: unklar. Im Gepäck hatte er neben 10.000 Euro in bar eine Postkarte eines beschaulichen Klosters nahe der österreichischen Grenze.

Also machen sich Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) in ihrem – man mag es kaum glauben – 88. gemeinsamen Fall auf ins idyllische Alpenvorland. Dort treffen die Kommissare auf sechs eher schweigsame Nonnen, die, angeführt von Priorin Barbara (immer gern gesehen: Corinna Harfouch), das riesige Kloster bewirtschaften. In einem eigenen kleinen Laden und online verkaufen sie Heilsalben und Seife, Schwester Angela macht die Bücher und investiert hobbymäßig in Aktien. Unterstützt werden sie dabei von Hausmeister Neubauer (Aurel Manthei) und Sandro (Samuel Benito), einem Jungen aus dem nahegelegenen Dorf. Dazu kommen noch zwei mysteriöse Gesandte aus dem Vatikan, die ein ganz eigenes Anliegen haben – und das Kammerspiel hinter Klostermauern ist perfekt.

Denn bald kommt der Anruf aus der Rechtsmedizin in München, dass der tote Wirtschaftsprüfer Lechner vergiftet wurde, mit Nervengift, genauer mit geflecktem Schierling, der ihm 15 bis 18 Stunden vor seinem Tod verabreicht worden sein muss. Und da hielt sich Lechner, der für die Diözese arbeitete und auch die Zahlen des Klosters überprüfte, just in diesem Kloster auf, „zur inneren Einkehr“ wie die Nonnen sagen. Doch daran wollen die Kommissare nicht recht glauben und beschließen kurzerhand, für ein, zwei Nächte zu bleiben.

Und so bewegt sich die Handlung während der gesamten 90 Minuten zwischen Refektorium und Kräutergarten. Denn ein Motiv könnten hier viele haben: Haben die Nonnen schlecht gewirtschaftet und standen kurz davor, dass es auffliegt? Was hat der wortkarge Hausmeister damit zu tun, der Lechner zum Bahnhof gebracht hatte? Und was hat es mit der mysteriösen Schwester Johanna auf sich, die ein Buch über Kräuter geschrieben hat, aber ebenfalls „zur inneren Einkehr“ gerade außer Haus ist?

  • Auf die Theorie folgte die Praxis.
    Gesangsworkshop in Kamp-Lintfort : Singen wie die Mönche im Kloster Kamp
  • Mordkommission ermittelt : Vater und vierjähriger Sohn tot im Wald in München gefunden
  • Spieler des EHC Red Bull München
    "Unschöne Geschichte" : Impfdurchbrüche bei Red Bull München bereiten Sorgen

Ein besonders komplexer und packender Krimiplot ist das nicht, gelungen sind aber neben der starken Besetzung und der Mehrheit der Dialoge auch die gruselfilmartigen Szenen aus dem Kloster. Drinnen dominieren Kargheit und düstere Farben, draußen strahlen Garten und blauer Himmel um die Wette. Einen leichten Sommerfilm wollte Regisseurin Maris Pfeiffer machen – das ist nicht ganz gelungen, wohl aber ein ungewöhnlicher und deshalb sehenswerter „Tatort“ aus München.

„Tatort: Wunder gibt es immer wieder“, Das Erste, So., 20.15 Uhr