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"Tatort" aus Ludwigshafen: Ein Fall, der Lena Odenthal wehtut

„Tatort“ aus Ludwigshafen : Ein Fall, der Lena Odenthal zum Weinen bringt

Der „Tatort“ aus Ludwigshafen war zwar nicht besonders spannend, aber eindringlich. Das Schicksal der drei Jugendlichen aus der Hochhaussiedlung bewegt nicht nur die Kommissarin.

Worum ging’s? Hans Schilling, Wirt einer Country-Kneipe in einem in jeder Hinsicht heruntergekommenen Ludwigshafener Brennpunktviertel, liegt erschossen hinter dem Tresen. Er war bekannt dafür, sich einzumischen, wenn in seinem Viertel etwas nicht in Ordnung war. Aufgefunden wird der Tote von Samir (Mohamed Issa), der um die Ecke wohnt. Samir und seine Freunde Leon (Michelangelo Fortuzzi) und Vanessa (Lena Urzendowsky) geraten schnell ins Visier der Ermittlerinnen Odenthal (Ulrike Folkerts) und Stern (Lisa Bitter).

Dabei tun sich wahre Abgründe auf: Leon und Vanessa, ein Paar und beide erst 15 Jahre alt, prostituieren sich – ihre Freier machen sich damit straffällig. Sie kommen aus zerrütten Familien, das Elend ist allgegenwärtig. So gerät der eigentliche Mordfall schnell in den Hintergrund, vielmehr geht es in eindringlichen Bildern um das Schicksal der Jugendlichen. Am Ende stellt sich Leon als Täter heraus. Der Wirt hatte sich in die Angelegenheiten der beiden eingemischt und ihre Freier fotografiert. Festnehmen können ihn die Kommissarinnen aber nicht mehr: Leon stürzt sich vom Hochhausdach – und Lena Odenthal, die nur wenige Minuten zu spät kommt, bricht in Tränen aus.

Was war gut? Ein klassischer Krimi war „Leonessa“ nicht, eher ein Sozialdrama. Dafür aber ein gelungenes und auch einer der besseren Odenthal-Fälle der letzten Zeit. Die Geschichte ist zwar nicht immer ganz realistisch, geht aber unter die Haut. Das liegt vor allem an den drei Jungstars des Films. Ihre Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit ist bis hin zum traurigen Finale überzeugend dargestellt.

Wie geht’s weiter? Der Fall berührt Lena Odenthal über die Maßen, selten hat man die Kommissarin so emotional gesehen. Erst schreit sie im Streit über den richtigen Umgang mit den Freiern der Jugendlichen ihre Kollegin Stern an und wirft sogar einen Apfel nach ihr, dann weint sie bittere Tränen um den toten Leon. Schon in ihrem letzten, 70. Jubiläumsfall hatte sie sich von ihrer zarteren Seite gezeigt und mit einer eigentlich längst verflossenen Affäre geturtelt. Die Abkehr von der Unnahbarkeit könnte ein guter Ansatz sein, den in den letzten Jahren doch etwas eingeschlafenen Odenthal-Kosmos wiederzubeleben.