Düsseldorf: "Tatort" auf der Jagd nach Rekord-Quote

Düsseldorf : "Tatort" auf der Jagd nach Rekord-Quote

Ein Experte erklärt, warum sich die Krimis mit Bestmarken übertreffen — aber nie an die Top-Ergebnisse rankommen.

12,57 Millionen Zuschauer schalteten im März den ersten "Tatort" mit Til Schweiger ein – es war ein 20-Jahres-Rekord. Zwei Wochen später zog der Krimi aus Münster nach – und toppte den Wert mit 12,81 Millionen. Im April erreichte das Kölner "Tatort"-Duo Max Ballauf/Freddy Schenk mit 10,27 Millionen Zuschauern eine persönliche Bestmarke, eine Woche später war auch die Quote bei Wotan Wilke Möhrings Debüt in Hamburg zweistellig (zehn Millionen).

Es sind gute Zeiten für die ARD, doch sie sind mit einem gewissen Aufwand verbunden. "Die Sender werben derzeit sehr stark für ihre Folgen", sagt der Macher der Internet-Fanseite Tatort-Fundus, François Werner. In den vergangenen Jahren haben sie die Schlagzahl für die Episoden erhöht, "der Tatort ist in den Medien omnipräsent".

Das schüre die Lust der Zuschauer auf die Episoden, ebenso wie die neuen Ermittler-Teams die Neugier wecken. "In den vergangenen Monaten war das mit Til Schweiger und Wotan Wilke Möhring in Hamburg so, darum waren die Quoten stark", erklärt Werner. Der Fall aus Köln sei auf dieser Welle mitgeschwommen, habe aber – ebenso wie die Episoden aus Münster – traditionell ohnehin viele Zuschauer. "Da die Fälle meist gut ausgehen, vermittelt die Serie vielen Menschen einen schönen Ausklang des Wochenendes, um mit einem guten Gefühl in die Woche zu starten."

Unter die Zuschauer gesellen sich mehr Jüngere. "Die Sender wählen die neuen Ermittler so aus, dass sie ein junges Publikum ansprechen", erklärt Werner. "So will man verhindern, als Senioren-Sender abgestempelt zu werden." In Netzwerken wie Facebook und Twitter diskutieren sie während der Sendung. Das Format "Tatort+" ermöglichte es ihnen, selbst den Mörder zu ermitteln. "Mit so etwas ködert man junge Leute", sagt der 39-Jährige.

Allerdings wird wohl nie ein "Tatort" der Neuzeit an die Top-Werte der vergangenen Jahrzehnte heranreichen. Bei 73 der bisher 886 ausgestrahlten Folgen schalteten mehr als 15 Millionen Zuschauer ein. Der Münster-"Tatort" mit 12,81 Millionen liegt auf Platz 99. "Als die Serie 1970 startete, gab es eben nur drei Programme, da hatte man im Gegensatz zu heute keine große Wahl", sagt Werner. "Heute ist mit zwölf bis 13 Millionen das Nonplusultra erreicht. Da wird in den kommenden Jahren nicht mehr viel gehen."

Der 39-Jährige befürchtet sogar das Gegenteil der Jagd nach immer neuen Rekord-Quoten – nämlich eine Übersättigung. "Die kann es geben, so wie es Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre schon einmal der Fall war", sagt er. Der harte Kern der Fans sei schon seit einiger Zeit nicht mehr sonderlich angetan von den Fällen, in denen es mehr um die Darsteller als um eine ausgefeilte Geschichte gehe. "Die Qualität ist nicht mehr so hoch wie früher", sagt Werner. Doch die Quote stimmt. Noch.

(RP)
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