Tatort an Neujahr: Klamauk mit Christian Ulmen und Nora Tschirner - Weimat-"Tatort" schafft sich ab

Westernklamauk mit Ulmen und Tschirner : Der Weimar-„Tatort“ schafft sich ab

Uninspiriert wäre noch übertrieben: Christian Ulmen und Nora Tschirner witzeln sich im “Tatort“ am Neujahrsabend mit halbgaren Gags durch einen Western-Park. Team Weimar geht offensichtlich durch eine Identitätskrise.

Dustin Loose, der Regisseur dieses Films, hätte Recht mit seiner Schwärmerei von „unerhörten Plot-Twists, schillernden Figuren und einem scharfkantigen Sprachwitz“ – wenn, ja wenn er sich exklusiv auf die ersten Auftritte von Lessing und Dorn bezöge. Die ersten fünf Folgen mit Christian Ulmen und Nora Tschirner als Weimarer Ermittler-Paar waren nicht nur radikal anders, sondern dabei tatsächlich oft gut bis großartig, dem lässigen Umgang mit dem prächtigen inhaltlichen wie sprachlichen Wahnsinn sei Dank.

Danach aber ist etwas gekippt.

Was genau, wäre zugegebenermaßen reine Spekulation. Fakt allerdings ist: Für die Folgen eins bis fünf ließ man sich vier Jahre Zeit – in den gut zwölf Monaten seitdem aber liefen gleich drei weitere vom Fließband über den Sender. Diese Hast blieb nicht folgenlos. Bislang hat der Autor dieses Texts das Autoren-Duo Claus-Henric „Murmel“ Clausen und Andreas Pflüger stets tapfer gegen seine vielen Kritiker verteidigt – doch von der Frische ihres Weimarer Frühwerks ist leider nur wenig bis nichts übrig geblieben.

Verloren gegangen sind im Einzelnen: Das Genre, also die Balance aus Krimi, Krimi-Parodie und Parodie auch jener Parodie. Das Setting, nämlich jenes einst gekonnt konstruierte, entrückt-surreale Paralleluniversum. Der Sound, sprich die teils orgiastische Zelebrierung des Wahnsinns. Und die famosen Figuren vom liebestollen Schupo Lupo über den verstrahlten Kripo-Boss (“Ich glaub‘, mein Hering hupt!“) bis hin zum Personal der einzelnen Fälle – schönen Gruß an die rabiate Omi mit der Armbrust sowie an den einbeinigen Ringo, genannt „Flamingo“.

Team Weimar geht durch eine Identitätskrise. Offenbar will es mehr sein als es ist, spannender, härter – und wird damit bloß belangloser. Die etablierten Gags werden nicht mehr abgefeuert, sondern in immer neuen Variationen abgenudelt wie in der Vorabend-Comedy-Hölle. Das Ende ist nah. Theoretisch. Praktisch ist ein neunter Fall bereits abgedreht.

Im aktuellen, achten Film, „Der höllische Heinz“, kommt es nicht so schlimm wie im Februar, als Dorn zwischen Wortwitzchen und einer verstörend brutalen Schlägerei knapp einer Vergewaltigung entkommt (!), während Lessing ihretwillen um ein Haar zum Mörder wird, und beide am Ende actionheldenhaft ironiefrei der Sprengung eines Steinbruchs entkommen. Aber das ist ein schwacher Trost.

Für den aktuellen Fall interessieren sich augenscheinlich selbst die Hauptdarsteller kaum, deshalb auch von uns nur zwei Sätze dazu: Stellen Sie sich einen Münster-„Tatort“ in einem Wildwest-Park vor, und zwar einen schlechten. Mit Figuren, die keine drollig durchgeknallten Typen, sondern bloß wandelnde Stereotype sind, mit obligatorischem Undercover-Einsatz und Schwiegermutter-Witzen.

So verkatert kann man auch an Neujahr kaum sein.

„Tatort: Der höllische Heinz“, Das Erste, Di., 20.15 Uhr