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"Tatort" am Sonntag, 17.10.: Die unsichtbare Bedrohung

So ist der neue „Tatort“ aus Dresden : Die unsichtbare Bedrohung

Im „Tatort“ aus Dresden geht es am Sonntag um den Tod einer jungen Frau, die kurz zuvor Anzeige wegen Stalkens gestellt hatte. Doch wer war der Stalker – und hatte er etwas damit zu tun? Ihr siebter gemeinsamer Fall kommt den Ermittlerinnen näher, als ihnen lieb ist.

Eine junge Frau schreit vor Schmerzen und vor Angst, läuft in Panik auf die Straße – und bricht zusammen. Herzstillstand, mit 29: Der Tod von Anna Schneider (Milena Tscharntke) gibt den Dresdnern Ermittlern um Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) Rätsel auf. Erst vor drei Tagen hatte sie Anzeige wegen Stalkings gestellt, jedoch ohne einen konkreten Verdacht gegen eine Person zu äußern. Die Obduktion ergibt keinerlei Hinweise auf einen Mord. Dennoch wollen die beiden Frauen ermitteln, ihr Chef (Martin Brambach) ist skeptisch. Doch Gorniak ist sich sicher, dass etwas nicht stimmt, „gute Intention“ sagt sie dazu nur. Und hat Erfolg: 48 Stunden dürfen sie dranbleiben.

Der Zuschauer weiß da schon mehr als der Chef: Es ist nicht nur ein bloßes Gefühl, das Gorniak antreibt. Denn Anna Schneider litt vor ihrem Tod an unerklärlichen stechenden Schmerzen, vor allem an Beinen und Armen – und mit ganz ähnlichen Schmerzen plagt sich auch Gorniak seit einiger Zeit herum. Und auch in ihrem Leben gibt es einen bedrohlichen Unbekannten, der ihr feinsäuberlich in Streichholzschachteln verpackt USB-Sticks mit einem unscharfen Partyvideo darauf vor die Tür legt. „Erinnere dich“, schreibt er dazu, doch Gorniak kann es nicht. Immer wieder meldet sich der Unbekannte, mit immer mehr Videos und bedrohlichen Anrufen – doch die Erinnerung kommt nicht zurück.

Und so werden die Schmerzen immer schlimmer, der Amtsarzt findet keine medizinische Ursache und verschreibt Ibuprofen. Gorniak weiht zunächst nur Kollegin Winkler ein, die ihr versprechen muss, dem Chef nichts zu sagen. Zu groß ist die Sorge davor, von dem Fall abgezogen zu werden. Und Gorniak reagiert ihren Frust in einem ganz in Weiß gehaltenen „Wutraum“ eines Fitnesscenters ab.

Die Ermittlungen führen die beiden bald zum Ex-Freund der Toten, Nils Klotsche (Christian Friedel). Er trauert der Beziehung immer noch hinterher, der Tod Schneiders scheint ihn tief zu erschüttern. Zudem arbeitet er in einem Labor für Nanotechnologie, in dem an Krebsmedikamenten, aber auch an hochpotenten Schmerzmitteln geforscht wird. Eine mögliche Spur? Klotsches Kollegin Martha Marczynski (Anna Maria Mühe) und Chef (Matthias Lier) können sich das kaum vorstellen.

Und dann ist da noch ein ehemaliger Kunde Schneiders, Lucas Dreesen (Beat Marti), mit dem sie eine Affäre hatte und der vor allem mit unangenehmen SMS-Nachrichten auffällt. „Ich bring dich um“ ist in seiner Welt offenbar eine normale Reaktion darauf, dass Schneider die Liebelei beendet hatte. Doch ist er auch ein Stalker – und ein Mörder?

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Vor allem im zweiten Teil des siebten gemeinsamen Falls des Ermittlerinnen-Duos nimmt die Geschichte an Fahrt auf. Am Ende wartet eine nicht ganz überraschende, aber doch interessante Auflösung auf die Zuschauer. An die hochspannenden und -gelobten Episoden „Das Nest“ (2019) und „Parasomnia“ (2020) kommt „Unsichtbar“ (Drehbuch: Michael Comtesse) jedoch nicht heran. Dafür fehlt der ganz große Spannungsbogen, auch wenn man besonders mit Kommissarin Gorniak mitfühlt. Auch wegen der kühlen Bilder (Willy Dettmeyer) und der Inszenierung von Grimme-Preisträger Sebastian Marka ist der Krimi aber sehenswert.

Vor allem nimmt der Film sich der für viele Menschen, vor allem Frauen, sehr realen Bedrohung des Stalkings an. Seit knapp zwei Wochen gelten hierzulande schärfere Gesetze, die Opfer besser schützen und die Strafverfolgung erleichtern sollen. Immer wieder ist zu sehen, wie Gorniak und Schneider beobachtet und verfolgt werden, von jemandem, den sie nicht sehen können. „Stalking ist für Betroffene oft schrecklicher Psychoterror – mit traumatischen Folgen", sagt Bundesjustizministern Christine Lambrecht (SPD) dazu. Angesichts von Menschen wie dem fiktiven Lucas Dreesen, denen schon eine beendete Affäre Anlass genug für Droh-Nachrichten ist, eine wichtige Entscheidung.