Düsseldorf: "Tagesschau"-Chef greift Kritiker an

Düsseldorf : "Tagesschau"-Chef greift Kritiker an

Kai Gniffke wehrt sich gegen die Äußerungen von Claus Kleber und Ulrich Wickert — und giftet zurück.

Der Chefredakteur der "Tagesschau", Kai Gniffke, hat sich in einem Blog zu den Vorwürfen geäußert, dass die von ihm betreute Nachrichten-Sendung angeblich nicht mehr zeitgemäß sei. Dabei griff der 52-Jährige vor allem Ulrich Wickert (70, ehemaliger Moderator der "Tagesthemen" in der ARD) und Claus Kleber (57, Moderator des "heute journal" im ZDF) an, die in einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" gesagt hatten, dass sich das Konzept der Sendung gerade überlebe.

Gniffke bezeichnete seine beiden Kollegen despektierlich als "Herren-Duo" und "reifere Herren". "Über weite Strecken verläuft der bedeutungsschwere Diskurs der beiden Grandseigneure wenig überraschend", giftete Gniffke auf der Informations-Seite der Sendung. "Früher war alles besser, insbesondere die Sprache und die Filme, das Tempo war niedriger und die Moderatoren waren so wunderbar uneitel. So weit so erwartbar."

Auf die Anregung, dass es schade sei, dass die "Tagesschau" nicht moderiert werde, entgegnete Gniffke: "So lange ich Verantwortung in diesem Laden trage, bleibt die ,Tagesschau' eine Sprecher-Sendung, weil ich sicher bin, dass die Menschen die knackige Viertelstunde um 20 Uhr schätzen." In seinem Gegenschlag nutzte Gniffke eine Aussage Klebers, um sie gegen ihn zu verwenden. Kleber sagte, dass es noch Sendungen gebe, "die wirken wie das alte Lagerfeuer. Da will man dabei sein, etwas Rituelles erleben". Dem entgegnete Gniffke: "Stimmt, jeden Abend um 20 Uhr im Ersten."

In dem Interview legte Wickert Wert darauf, nicht als "Sprecher" bezeichnet zu werden. "Wir kommen aus dem Journalismus", sagte er – und zog sich damit Gniffkes Zorn zu. "Die ,Tagesschau'-Redaktion kommt, nein, nicht aus dem Bäckerhandwerk oder dem KFZ-Gewerbe, sondern ebenfalls aus dem Journalismus", sagte er. Und diese exzellenten Journalisten würden Texte schreiben, die dann ein professioneller Sprecher fehlerfrei vortrage. "Schönen Gruß von Leuten wie Jan Hofer und Linda Zervakis", fügte der "Tagesschau"-Chef hinzu. Der 61-jährige Hofer ist Chef-Sprecher, Zervakis (37) folgte dem zu Sat.1 abgewanderten Marc Bator (40) vor einer Woche als Sprecherin der Hauptausgabe um 20 Uhr.

Gniffke hob zudem die Erfolge der "Tagesschau" hervor – mit der Bemerkung, dass er jetzt ein wenig aus der "Abteilung dicke Hose" komme. "Die Tagesschau erreicht 2013 so viele Zuschauer wie die Hauptnachrichtensendung von RTL, ZDF und Sat.1 zusammengerechnet", schrieb er. Die "Tagesthemen" hätten 2012 das beste Ergebnis seit 18 Jahren eingefahren, die Internetseite liege in der Akzeptanz "auf einem hervorragenden Platz", und die Tagesschau-App "macht den Nutzern seit 2010 viel Freude". Einen weiteren Seitenhieb in Richtung ZDF kann sich Gniffke nicht verkneifen. "Da kann man in Klebers Haus natürlich ins Grübeln kommen."

(RP)