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Köln: Super RTL sendet seit 20 Jahren

Köln : Super RTL sendet seit 20 Jahren

Das Jugendprogramm von RTL behauptet sich mit Trickserien wie "Dragons" gegen die öffentlich-rechtliche Konkurrenz.

Durch einen Blick aus dem Fenster soll der Kanal zu seinem Namen gekommen sein - besagt zumindest die hausinterne Überlieferung. Einer der Senderverantwortlichen habe durchs Fenster eine Tankstelle gesehen. Und weil "Diesel RTL" oder "Normal RTL" ausschieden, wurde es eben "Super RTL". Soweit die Legende. Der supertolle Einfall war das wohl nicht. Auf dem Bildschirm wird schon seit mehr als zehn Jahren ein anderer Name herausgestellt: "Toggo". Das Vorschulprogramm läuft unter der Bezeichnung "Toggolino". Denn mit dem Kürzel "RTL" verbinden viele Eltern Unterhaltungsprogramm für Erwachsene, kein Kinderprogramm. Letzteres ist allerdings so erfolgreich, dass der Sender heute sein 20-jähriges Bestehen feiert.

Für Carsten Göttel (50), Programmdirektor des Kinder- und Jugendkanals Super RTL, lässt sich die deutsche Elternschaft dreiteilen. "Da gibt's ein Drittel der Erwachsenen, die eher grün wählen, und in der Toscana Urlaub machen - die lassen ihre Kinder nur KiKa gucken. Feierabend. Sobald Werbung kommt, ist für die Schluss. An die kommen wir nicht ran." Dann gibt's das zweite Drittel: "Deren Kinder dürfen so viel gucken, wie sie wollen, erreichen Durchschnittswerte von bis zu sechs Stunden am Tag. Die haben wir sowieso." Und dann gibt es das Drittel, das Göttel "die Diffusen" nennt: "Die sagen: Es ist für mich schon okay, dass meine Kinder Werbung gucken, aber dann muss auch das Programm dementsprechend hochwertig sein. Und für die müssen wir Zeichen setzen."

Super RTL war der erste Sender, der Kinderprogramme dann zeigte, wenn die meisten Kinder fernsehen: am Vorabend. "Bis dahin existierte am Vorabend gar kein tägliches Angebot", sagt Göttel. 16 Jahre lang blieb Super RTL Marktführer vor dem KiKa der Öffentlich-Rechtlichen. Dann initiierte Disney Anfang 2014 einen eigenen Kanal und zog seine Programme aus Super RTL ab. Seitdem ist der Kuchen so aufgeteilt, dass Super RTL und KiKa etwa gleichauf liegen bei 20 Prozent Marktanteil. Nickelodeon und Disney kommen auf ungefähr zehn Prozent.

Geschäftsführer Claude Schmit bezeichnet den Weggang von Disney im Rückblick als "Independence Day". Um das Loch zu füllen, definierte er mit Göttel drei Kernziele. Erstens: Nostalgische Werte kreieren. "Wenn die Eltern mal reingucken und das von früher kennen, dann haben sie ein gutes Gefühl", sagt Göttel. "Da ist Deutschland sehr konservativ. Das Bekannte wie ,Maja', ,Heidi' oder ,Wickie' hat einen unglaublichen Vertrauensvorschuss. Wenn die Generation der 40- bis 50-Jährigen Wickie sehen, dann treten denen die Tränen in die Augen." Bei Super RTL wird dieser Effekt bedient mit Figuren wie Bugs Bunny und Tom und Jerry.

Zweites Ziel: Zeitgeistige, 3-D-animierte Serien wie "Dragons", hervorgegangen aus dem Kinofilm "Drachenzähmen leicht gemacht". Geschichten, die bereits aus dem Kino bekannt sind, werden im Serienformat weitererzählt und bereiten so gleichzeitig auf den nächsten Kinofilm vor. Göttel: "Wir glauben, dass wir uns, was Zeitgeist angeht, ganz klar vom KiKa abheben. Älter, cooler und nicht so betulich."

Als drittes will sich Super RTL verstärkt beim Thema Wissen profilieren. Wissensprogramme und Nachrichtensendungen sind die große Stärke des KiKa - der für sich in Anspruch nimmt, in den vergangenen Jahren älter und cooler geworden zu sein. Verena Weigand, Vorstandsvorsitzende von "Flimmo", einem Portal für Medienerziehung, findet, beide Sender machen ein gutes Programm: "Natürlich gibt es bei Super RTL viele Unterhaltungssendungen und nicht ganz so viele Wissenssendungen. Das ist aber aus unserer Sicht kein Qualitätsurteil und spricht nicht gegen den Sender."

(dpa)