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Sturz von Steffen Henssler - Verletzungen sind Alltag

Sturz von Steffen Henssler : Verletzungen einkalkuliert?

Fernsehen tut manchmal weh. Diese Erfahrung machte unlängst TV-Koch Steffen Henssler, der sich bei dem Versuch, den Zuschauern eine gute Show zu liefern, eine Schnittverletzung zuzog. Doch Verletzungen sind im Fernsehen eher die Regel als die Ausnahme. Immer wildere und verrücktere Showmodelle fordern Tribut.

Steffen Henssler ist die personifizierte Unterhaltung. Der Koch, zu dem wegen seiner ständigen TV-Präsenz wohl die Berufsbezeichnung Entertainer besser passen würde, stöckelte am Sonntag während seiner TV-Show "Grill den Henssler" fröhlich plappernd auf roten High-Heels durch die Show-Küche im Kölner Stadtteil Ossendorf. Es ging um ein Duell mit Schmuck-Designerin Alessandra Meyer-Wölden.

Rinderfilet mit Pilz-Trüffelsauce und Tagliatelle sollten beide zubereiten. Um die Chancen auszugleichen, hatte der Profikoch angekündigt, das Duell auf hohen Hacken bestreiten zu wollen — ein verhängnisvoller Fehler. Im Arbeitsstress verlor Henssler die Kontrolle über seinen Körper und stürzte. Dabei schnitt er sich die Hand an einer Scherbe auf. Die Show wurde trotzdem fortgesetzt. Henssler gewann klar, musste nach dem Sendung aber im Krankenhaus behandelt werden.

Die Verletzung des Moderators ist aber bei Weitem keine unrühmliche Ausnahme. Kleinere Unfälle gehören zum Alltag in großen TV-Produktionen. Wo gehobelt wird, da fallen Späne, werden einige sagen. Wenn sich solche Verletzungen aber häufen, stellt sich die Frage nach den Gründen. Liegt es vielleicht daran, dass das Fernsehen heutzutage immer schneller, verrückter und wilder sein will?

Man muss nicht weit zurückgehen, um Beispiele für Verletzungen in großen TV-Shows zu finden. Erst im April 2015 kam es im Zuge der ZDF-Show "Die 1000" zu mehreren Unfällen. Die Kandidaten mussten einen Hindernisparcours absolvieren. Ein 61-jähriger Teilnehmer war dem offenbar nicht gewachsen und kollabierte.

"Was kann das ZDF dafür?" und "So etwas passiert eben", kommentierten damals Nutzer in sozialen Netzwerken. Nachvollziehbar, hätte die "Bild" damals nicht von einem "Hauen und Stechen im Startbereich" und mehreren Verletzten durch den Parcoursaufbau berichtet. Ein ZDF-Sprecher bestätigte später, dass es mehrere Verletzte gegeben habe.

Ebenso prominent ist der Fall des Schauspielers Stephen Dürr, der sich 2012 bei den Vorbereitungen zum "TV Total Turmspringen" schwer am Hals verletzte, und mit Lähmungserscheinungen ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Um ihn zu stabilisieren, mussten die Ärzte den Schauspieler sogar kurzfristig ins künstliche Koma versetzen.

Überhaupt gehört in Raab-Shows das Risiko längst zum Konzept. Auch bei seiner "Stock Car Crash Challenge", der "Autoball WM" und der "Wok WM" kommt es immer wieder zu mehr oder weniger schweren Verletzungen. So wurde die Sängerin "LaFee" 2008 vor der "Wok WM" mit Verdacht auf ein Schädel-Hirn-Trauma ins Krankenhaus eingeliefert. Drei Jahre zuvor war dem US-Popstar Izzy Gallegos beim "Turmspringen" die Netzhaut gerissen, und auch Raab selbst trug immer wieder kleinere Verletzungen davon.

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Die wohl tragischste Geschichte ist die von Samuel Koch. Der junge Mann, der heute als Schauspieler am Staatstheater in Darmstadt tätig ist, war am 4. Dezember 2010 als Kandidat bei "Wetten, dass...??" zu Gast. Er wettete, dass er mit Sprungstiefeln nacheinander über fünf Autos unterschiedlicher Größe springen würde. Koch verletzte sich bei dem Sturz schwer, er ist querschnittsgelähmt.

Die Liste der Verletzungen bei TV-Shows ließe sich noch fortführen. Auch beim RTL-Dschungelcamp mussten immer wieder Kandidaten verletzt aufgeben. Besonders haarig wurde es im Jahr 2008 als DJ Tomek und Moderator Björn-Hergen Schimpf sich in eine Wirbelverrenkung und eine Rippenprellung zuzogen.

Alle diese Beispiele machen deutlich: Die TV-Landschaft hat sich verändert — ob zum besseren, das sei dahingestellt. Mit dem Familienfernsehen früherer Tage haben heutige Produktionen jedenfalls nicht mehr viel gemein. Man kann von Sendungen wie "Glücksrad", "Familienduell" und "Der Preis ist heiß" halten, was man möchte — doch eines ist klar: Das Verletzungsrisiko war für alle Beteiligten damals deutlich geringer.

Steffen Henssler dürfte diese Erkenntnis herzlich egal sein. Er wird am Sonntag wieder für "Grill den Henssler" vor der Kamera stehen — trotz dicken Verbandes. Sein Motto wurde schon in der vergangenen Show deutlich, als er blutend weiterkochte: "The Show must go on."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Steffen Henssler verletzt sich bei "Grill den Henssler"