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Stranger Things: Staffel 4 bei Netflix - neue Folgen noch gruseliger und düsterer​

Neue Staffel seit Freitag da : „Stranger Things“ wird noch gruseliger und düsterer

Die Erfolgsproduktion von Netflix geht in die vierte Staffel. „Stranger Things“ kommt in zwei Lieferungen mit Episoden von bis zu zweieinhalb Stunden Länge. Hat sich das Warten auf die neuen Folgen gelohnt?

Netflix schrumpft, „Stranger Things“ wuchert ins Maßlose. So kann man den Start der neuen Serien-Staffel bei dem Streamingdienst auf den Punkt bringen. Ende April meldete das Unternehmen zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren einen Rückgang seiner Kundenzahl. 200.000 Abonnenten weniger als am Ende des vergangenen Jahres verbuchte der Geschäftsbericht, das ließ die Aktie um 26 Prozent einbrechen.

Umso froher dürften die Manager nun sein, dass eine der erfolgreichsten Produktionen des Hauses fortgesetzt wird. Die vierte Staffel von „Stranger Things“ könnte das Publikum vergrößern, das ist die Hoffnung, in jedem Fall wird sie die „minutes spent watching“-Statistik beeinflussen: Die kürzeste Episode dauert nämlich 65 Minuten, das Staffelfinale wird sich über zweieinhalb Stunden erstrecken.

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Die mit sieben Emmys ausgezeichnete Serie begann 2016, die dritte Staffel soll 2019 bereits in den ersten 28 Tagen von 67 Millionen Nutzern gesehen und 582 Millionen Stunden gestreamt worden sein. Der Charme von „Stranger Things“ lag darin, dass die Serie mit nostalgischen Referenzen an die großen Sommerfilme der 1980er-Jahre arbeitete, popkulturelle Codes in die Handlung streute und atmosphärisch und optisch wirkte, als wäre man in das DVD-Bonusmaterial von Klassikern wie „E.T.“ oder „Stand By Me“ geraten. Die lange vermisste Winona Ryder feierte als Mutter am Rande des Nervenzusammenbruchs ein fulminantes Comeback, und die Freude über die Wiederbegegnung mit dem Bekannten wurde umso mehr gesteigert, als man begriff, dass es hier nicht bloß ums Nachmachen, sondern ums Neuschöpfen ging. „Stranger Things“ spielte in der Kleinstadt Hawkins in Indiana, und dort tat sich der Abgrund in die Parallelwelt „Upside Down“ auf, aus der Monster wie der Demogorgon und Mind Flayer anzugreifen versuchten.

Die vierte Staffel führt das Prinzip nun fort, nimmt sich aber so viel vor, dass man sich leicht überfordert fühlen kann. Schüler kleben „Tanz der Teufel“-Plakate an die Wände ihrer Zimmer, sie tragen Reebok- und Vans-Schuhe, und „Freddy Krueger“-Darsteller Robert Englund hat einen Auftritt. Die Handlungsfäden laufen weit auseinander, sie schnurren durch Kalifornien, Utah, Alaska und bis nach Russland, und das Arsenal an Figuren ist so monumental wie bei „Ben Hur“. Manche Erzählstränge bleiben indes eher blass, man muss jedoch viel Zeit mit ihnen verbringen, und wenn es endlich wieder zurückgeht zu den interessanten Szenenfolgen, weiß man manchmal gar nicht mehr, was da zuletzt eigentlich genau passiert war.

Ohne zu viel verraten zu wollen, sei angedeutet, dass es ein Wiedersehen mit Hopper gibt. Dass ein Serienkiller eine wichtige Funktion übernimmt. Dass Eleven auf ihre Superkräfte weiter verzichten muss. Dass Joyce ein Paket mit einer gruseligen Puppe und einer unerwarteten Botschaft bekommt. Und dass es so blutig zugeht wie selten zuvor.

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Die Serie ist in ihre Traumabewältigungsphase eingetreten, Spinnen krabbeln aus Standuhren, die in Bäumen ticken; Gliedmaßen werden verdreht und Stimmen verzerrt. Die Handlung spielt sechs Monate nach dem Ende der dritten Staffel. Und allein die ersten acht Minuten der Auftaktfolge sind schon extrem, mehr „Hellraiser“ als „Stand By Me“. Netflix liefert am 27. Mai die ersten sieben Folgen. Am 1. Juli folgen weitere zwei Episoden mit 85 beziehungsweise 150 Minuten.

Hinter der enorm populären Netflix-Marke „Stranger Things“ stehen die 38 Jahre alten Zwillingsbrüder Matt und Ross Duffer, und sie hatten die Dreharbeiten wegen Corona unterbrechen müssen. Sie haben die neue Staffel als „die größte“ und „schwierigste überhaupt“ bezeichnet, und obwohl sie „schwierig“ vor allem in Bezug auf die Produktion gemünzt haben dürften, gilt es auch für die Handlung. Vielleicht muss das so sein, ihre Schöpfung steigert sich ja allmählich zur letzten Blüte, die fünfte Staffel soll die letzte werden, kündigten sie an.

Was „Stranger Things“ so toll gemacht hat, war, dass Figuren, die zunächst wie Archetypen anmuteten, sich zu Charakteren entwickelten und zumindest für die Dauer einer Episode wie echte Menschen ans Herz wachsen konnten. Es waren die kleinen und leisen Szenen, die einen immer wieder zurückkehren ließen. Und das ist zum Glück so geblieben. In der ersten Folge der neuen Staffel geht Max durch die Flure ihrer Schule, die Musik aus den Kopfhörern ihres Walkmans verlangsamt alles; ein bisschen wie unter Wasser fühlt es sich an, und das allein genügt schon.