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Schweighöfer in Army of Thieves bei Netflix

Film-Kritik Army of Thieves : Schweighöfer erneut als Safeknacker Ludwig Dieter

Matthias Schweighöfer hat in Zack Snyders Zombie-Film „Army of the Dead“ Zuschauer weltweit als skurril-naiver Tresorknacker begeistert. Der Fan-Liebling darf in „Army of Thieves“ ab dem 29. Oktober bei Netflix erneut in die Rolle schlüpfen: Das Ergebnis ist unterhaltsam, aber kein Meisterwerk. Eine fast spoilerfreie Kritik:

Schon nach wenigen Minuten ist es passiert: Mit dem jugendhaften Charme, der Naivität und der zur Schau getragenen Unschuld nimmt Matthias Schweighöfer in „Army of Thieves“ (Armee der Diebe) den Zuschauer sofort für sich ein. So, wie er es schon im Film „Army of the Dead“ getan hat - und ein skurril-witziges Gegengewicht zur actionreichen, düsteren Handlung bildete. Und wir bleiben auch in dem neuen Film in dem Zombie-Universum, das Zack Snyder für Netflix geschaffen hat. Wir gehen aber mehrere Schritte zurück: „Army of Thieves“ spielt vor den Ereignissen des ersten Films und Zombies tauchen nur am Rande in den Nachrichten oder Albträumen auf. Wirklich gruselig oder blutig wird der Film nie.

Dafür sehen wir, dass „The Dieter“ Jahre vor den Ereignissen in „Army of the Dead“ nur ein einfacher Bankangestellter in einer kleinen Filiale war – der tatsächlich Sebastian Schlencht-Wöhnert heißt und mit seinem langweiligen Leben hadert. Bis er bei einer Bande von international gesuchten Bankräubern landet – und sein verkanntes Talent als Safeknacker ausleben kann.

Der Film macht kein Geheimnis daraus, dass er von der „Ocean’s“-Kinoreihe inspiriert ist – in der eine Bande Casinos ausraubt. Man spart indes nicht mit witzigen Kommentaren zu den üblichen Klischees solcher Werke. Und gerade das ist eine der großen Stärken des Films: die Selbstironie, mit der die Story inszeniert wird – und mit der vor allem auch Matthias Schweighöfer seine Rolle spielt. Tatsächlich wird „Army of Thieves“ vor allem von ihm getragen, seiner Fähigkeit unvermutet und natürlich Witz in Szenen zu bringen – ohne dass es aufgesetzt oder erzwungen wirkt. Er verleiht seinem Charakter jene charmante Vielschichtigkeit zwischen Verletzlichkeit und Arroganz, zwischen Naivität und Ernsthaftigkeit, mit der er schon in „Army of the Dead“ Zuschauer für sich gewinnen konnte und zum Fan-Liebling aufstieg. Matthias Schweighöfer liebt offensichtlich diese Figur.

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Doch der Schauspieler führt auch die Regie. Und da kann er nicht ganz überzeugen. Im Film gibt es neben ihm nur noch eine Figur, die mehr Gewicht hat als ein dünnes Blatt Papier: Gwendoline, die Sebastian aus einer tristen Existenz befreit und ihn zu ihrer Bande führt. Die Schauspielerin Nathalie Emmanuel (Messandei aus Game of Thrones) füllt diese Rolle zwischen Femme fatale und ehrenhafter Dieb mit Leben aus. Und ihr wird vom Regisseur Schweighöfer jede Freiheit gegeben, das auch zu tun. Zumal die Chemie zwischen ihm und Emmanuel stimmt. Man nimmt ihnen ab, dass da zwei sehr unterschiedliche Menschen sind, die sofort etwas verbindet.

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Die anderen Charaktere indes fallen leider deutlich ab. Sie wirken mehr oder weniger eindimensional und sind Klischee bis Stichwortgeber. Das hat auch der Regisseur Schweighöfer erkannt: Ein Teil der Figuren spielt darum irgendwann keine Rolle mehr, bis man sie wieder braucht. Zum anderen hat er versucht, ihnen mit ein paar Tricks Tiefgang zu verleihen: Sie werden per Standbild mit eingeblendeten Namen vorgestellt. Dann gibt es eine kurze Rückblende, in der ein Schlüsselmoment aus ihrem Leben gezeigt wird. Aber das reicht eben nicht, um aus einer Skizze eine Charakterstudie zu machen. Niemals hat man das Gefühl, dass diese Bande auch Menschen besteht, die sich seit Jahren kennen. Dafür sind einige Figuren zu blass und zu flach. Der Fahrer Rolph beispielsweise hat eigentlich keine Aufgabe. Weder in der Bande noch in dem Film.

„Army of Thieves“ ist kein Meisterwerk, aber eben auch nicht schlecht. Tatsächlich ist er sogar überaus unterhaltsam. Vor allem weil Schweighöfer die Ironie liebt. Manchmal sind es nur kleine Details wie das Motiv für den Namen des Banden-Mitglieds Brad Cage. Und Jonathan Cohen spielt als Delacroix den typischen verbissenen, fast schon besessenen Ermittler, der hinter der Bande auch aus persönlichen Gründen her ist. Bis man seine ganze Geschichte erfährt, die das konterkariert. Dazu zitiert Schweighöfer gerne andere Filme: Unter anderem taucht eine Präsidenten-Maske wie in „Gefährliche Brandung“ auf. Und eine Bemerkung versteht man nur, wenn man weiß, dass in „Nur noch 60 Sekunden“ Nicolas Cage einen Autodieb spielt.

Es macht Spaß, Schweighöfer und Emmanuel auf ihren Weg durch Europa zu folgen – um innerhalb von vier Tagen drei legendäre Tresore mit hochkomplexen Schlössern zu knacken, Die hatte der Schlossermeister Hans Wagner entworfen und Rheingold, Walküre und Siegfried genannt hat. Nach dem „Ring der Nibelungen“. Und natürlich gibt noch einen vierten Safe namens Götterdämmerung. Und damit schließt sich der Kreis zum Vorgänger „Army of the Dead“, in der „The Dieter“ vor eben diesem Tresor steht. Allerdings rückt der neue Film das alles nun in ein etwas anderes Licht. Wir kennen die Geschichte, die ihn nach Las Vegas geführt hat oder warum er seinen wahren Namen aufgegeben und sich Ludwig Dieter nennt. Das gibt seinen Momenten im ersten Film tatsächlich ein größeres Gewicht.

Army of Thieves ab 29. Oktober bei Netflix