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Obi-Wan Kenobi bei Disney+​: Gute Momente, reichlich Kinderkram!​

Obi-Wan Kenobi bei Disney+ : Gute Momente, reichlich Kinderkram

Die Serie „Obi-Wan“ startete beim Streamingdienst Disney+ mit hohen Erwartungen. Doch die erfüllten sich nur in wenigen Momenten. Dafür möchte man eher Kinder für Star Wars begeistern.

Darth Vader hat ein Maskenproblem. Nachdem schon seine ehemalige Schülerin Ahsoka Tano in der Animimationsserie „Rebels“ (2016) seine Maske im Kampf gegen ihn zerstört hatte, macht nun wenig kreativ Obi-Wan dasselbe. Allerdings mit einer lächerlichen Choreografie: Der alte Jedi fliegt oder springt auf seinen ehemaligen Freund und Padawan Anakin zu, aus dem Darth Vader wurde. Und das ist schade. Denn bis dahin war das Duell zwischen den beiden recht gut inszeniert. Aber darin offenbart sich ein grundlegendes Problem: Es gab zwei kreative Teams. Das eine wollte eine erwachsene, düstere Geschichte erzählen. Das andere bestand aus Lucasfilm-Verantwortlichen, die eine ganz andere Vorstellung hatten und aus Obi-Wan etwas für Kinder machen wollten, um neue Fans an das Star-Wars-Universum zu führen – und um Merchandise-Produkte anzubieten. Leider hat sich die zweite Gruppe über weite Strecken durchgesetzt. Das ist auch nicht überraschend. Lucasfilm-Chefin Kathleen Kennedy hatte bereits in März in einem Interview mit dem Magazin „Entertainment Weekly“ zugegeben, dass die ursprünglichen Drehbücher zu düster gewesen seien und man sie umgeschrieben habe. Das Ergebnis ist leider recht belanglos und enttäuschend.

Dabei beginnt die Serie gar nicht schlecht, wenn auch etwas zäh und langatmig: Wir sehen den gealterten Jedi-Meister Obi-Wan Kenobi auf dem Wüstenplaneten Tatooine. Dort hat er ein Auge auf den späteren Helden Luke Skywalker und hält sich ansonsten bedeckt. Tatsächlich leidet er wie viele echte Veteranen unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Auch weil er seinen Freund Anakin sterbend zurückgelassen hat, wie er glaubt. Dabei scheint über die mystische Macht ein Band zwischen ihnen zu bestehen, was er indes nicht einordnen kann. Für ihn sind es Albträume, die ihn nur noch tiefer in den Abgrund der Depression ziehen. Er ist nicht mehr der schlagfertige, ironische Jedi von einst, sondern nach dem Triumph des Imperiums innerlich zerrissen, desillusioniert und ein Schatten seiner selbst.

Das ist an sich ein guter Startpunkt, um eine erwachsene Geschichte zu erzählen. Doch das wird dann schnell zerstört. Zum einen über die Inquisitoren, die düsteren Handlanger des Überbösewichts Darth Vader. Und da sticht vor allem recht schnell Reva heraus. Mit dem Charme eines Cartoon-Fieslings ist sie so dermaßen übertrieben grausam und selbstherrlich, dass es nur Kinder überzeugen kann. Schlimmer noch: Sie geht sogar den anderen Inquisitoren auf die Nerven. Warum soll uns jemand interessieren, den selbst die Schurken ablehnen? Und dennoch konkurriert sie in der Serie mit Obi-Wan um die Rolle der Hauptfigur. Es hätte darum auch „Reva – A Star Wars Story“ heißen können. Und das hätte sogar funktioniert.

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Tatsächlich versucht man einen Charakterbogen zu spannen, der aus ihr einen der Guten macht. Das ist indes so überzeugend wie ein Wookiee, der Enthaarungscremes anbietet: Über Jahre hat sie brutale, grausame Gräueltaten verübt. Wir sehen sogar selbst, wie sie jemanden ohne triftigen Grund die Hand abschneidet. Damit auch alle verstehen, wie böse sie ist. Sie möchte sogar ein Mädchen foltern. Und am Ende ist sie dann gar nicht so böse!? Sie hat das alles nur getan, um Darth Vader nahezukommen und ihn zu vernichten. Aber selbst als sie am Ende Luke Skywalker verschont, macht das alle ihre grausamen Taten nicht ungeschehen.

In der Serie aber schon. Das ist so naiv erzählt, dass man ahnt, wen man ansprechen möchte: Kinder. Und um es noch kindgerechter zu machen, führt man die junge Leia ein. Die Zehnjährige ist gerissen, neunmalklug, eine geborene Anführerin, wortgewandt und kann im Prinzip alles. So wie Rey in Episode VII bis IX muss sie sich nichts erarbeiten, erkämpfen oder Hindernisse überwinden: Sie ist perfekt von Beginn an. Und damit geht sie einen auf die Nerven, wenn man älter als 14 ist. Sie ist eine Heldin für ein kindliches Publikum, die eine neue Generation für das Star-Wars-Universum gewinnen soll.

Daran wäre auch nichts Schlechtes. Das Problem ist nur, dass die Serie „Obi-Wan“ heißt – und nicht „Die Abenteuer der jungen Leia“. Dann wäre klar gewesen, dass es sich um eine Kinderserie handelt. Mit ab und an durchaus ernsten Elementen sowie mit Gastauftritten von Krieg-der-Sterne-Legenden. Aber die Serie trägt nun einmal den Titel „Obi-Wan“. Und das weckt Erwartungen, die über weite Strecken nicht erfüllt werden. Vielmehr wird der Held oft von der jungen Leia durch die Episoden gezogen oder von Reva als treibende Kraft. Der alte Jedi-Meister ist dagegen meist nur Mitläufer, dem etwas passiert. Und wenn das geschieht, ist das oft schlecht bis dämlich inszeniert.

Gegenüber Sturmtruppen des Imperiums benutzt er falsche Decknamen. Das ist aber nicht schlimm, weil die noch dümmer sind als er. Eine komplette Einheit lässt sich von ihm einfach abschießen. Als er dann gestellt wird, darf er die ganze Zeit seine Waffe in Händen halten. In der vierten Episode präsentieren sich die imperialen Soldaten sofort so, dass er sie mit dem Laserschwert bekämpfen kann. Da reicht es dann auch, wenn ein verbündeter Agent ihnen einen Klaps auf den Helm gibt, damit sie umfallen. Meint ihr das ernst, Lucasfilm!?

Als dann eine ganze Kompanie eine Höhle erstürmen sollen, rennen die in breiter Front einfach hinein. Ist aber nicht schlimm. Die Rebellen machen das auch nicht anders. Und es scheint so, als ob keiner von ihnen einen Gegner treffen kann, der weiter als 50 Zentimeter entfernt ist. Das ist dermaßen absurd schlecht inszeniert. Man glaubt schon fast, dass tatsächlich Sechsjährige die Regie übernommen haben.

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Gegen Ende merkt man dann die Intention: Die Sorge um die junge Leia, die aber ohnehin alles kann, weckt etwas in dem alten Obi-Wan. Er wird wieder zu dem Jedi-Meister von einst. Nur darum ist er in der Lage, Darth Vader zu besiegen. Der Weg dorthin ist aber so schlecht und kindisch in Szene gesetzt, dass man achselzuckend vor dem Fernseher sitzt. Und was ist mit Luke? Dem Helden der ersten Trilogie? Der ist nur da, Leia ist hier die Hauptfigur.

Dennoch: Es ist nicht alles schlecht. Gerade die zweite Episode besticht mit einer dichten Star-Wars-Atmosphäre. Und die besten Momente in der Seria hat tatsächlich Darth Vader beziehungsweise der Darsteller Hayden Christensen, der erneut eine grandiose Vorstellung abliefert. Übertrieben hatten Kritiker und einige Fans ihn wegen seiner Leistung in Episode II und III verspottet, mittlerweile wird er verehrt. Und als Sinnbild des ultimativen Bösen geht er eine Straße entlang, während er links und rechts des Weges mithilfe der mysteriösen Macht Menschen meuchelt.

In der fünften Episode zeigt er, wie stark er ist: im Kampf gegen Reva. Dazu sehen wir eine Rückblende, in der er als junger Padawan und Schüler gegen seinen Meister Obi-Wan antritt. Ein Trainingskampf, der aber tatsächlich geschickt in die aktuelle Handlung eingebunden ist. Leider wird das wieder in Lächerliche gezogen. Er übersieht ein zweites Raumschiff in einem Hangar, das wir als Zuschauer aber auch nie sehen – bis es gebraucht wird. Obwohl er eine Verbindung zu Obi-Wan Kenobi hat, spürt er ihn dabei dann doch nicht. Und er tötet Reva nicht, sondern lässt sie verletzt liegen. Er hätte wissen sollen, dass sie unter derselben Krankheit wie viele andere Star-Wars-Charaktere leidet, seit Disney im Jahr 2012 Lucasfilm übernommen hat: Sie stirbt einfach nicht, sondern taucht eine Folge später wieder auf. Selbst der Tod spielt im Disney-Lucasfilm „Krieg der Sterne“ keine Rolle mehr oder ist eine echte Bedrohung.

Was bleibt nun von Obi-Wan? Vor allem eine große Enttäuschung. Zumindest, wenn man älter als 14 Jahre ist. Man kann nur spekulieren, was die Serie ursprünglich gewesen ist oder hätte sein können. So bleiben einige großartige Momente mit Darth Vader und sehr viel Kindliches bis Dämliches. Dazu kommt Werbung für Merchandise wie Leias Mickey-Mouse-Droide Lola und das 2019 erschienene Computerspiel „Fallen Order“.

Leider ist es nicht das erste Mal, dass Disney und Lucasfilm eine Chance verspielen. Die Serie „Das Buch von Boba Fett“ begann auch mit dem Charme eine modernen, kantigen Italo-Westerns bis jemand nach drei Episoden die Reißleine gezogen hat und alles in sich zusammenbrach. So dermaßen, dass man in zwei Folgen sogar auf den Titelcharakter verzichtete. Aus dem charismatischen Kopfgeldjäger Boba Fett wurde ein langweiliger, weichgespülter Stadtsheriff. Die Animationsserie „Bad Batch“ blieb ebenfalls weit hinter den Erwartungen zurück. Also kann Lucasfilm bislang nur den „Mandalorianer“ als unbestrittenen Erfolg verbuchen. Aber wenn wir ehrlich sind, begeistert der vor allem wegen der Figur „Baby-Yoda“ beziehungsweise Grogu.

Disney versteht Star Wars nicht und möchte das auch gar nicht. Man sieht darin nur eine gewaltige Marketing- und Werbe-Plattform. Darunter leiden kreative Ansätze und innovative Ideen. Lieber setzt man auf bekannte Namen, die man weit unter Wert verkauft. Den Fans bleiben darum nur die alten Filme, einige großartige Geschichten in Büchern, Comics oder Computerspielen – und ihre Fantasie und Begeisterung für das große Star-Wars-Universum, die der Mickey-Mouse-Konzern immer wieder aufs Neue ausbeuten möchte. Zumindest so lange die Fans das noch mitmachen.