Superhelden bei Disney+ Marvel-Serie: Wer zieht in „Loki“ die Fäden?

Am Mittwoch veröffentlicht der Streamingdienst „Disney+“ die vorerst letzte Folge der Marvel-Serie „Loki“. Die Zuschauer erwartet eine große Enthüllung zu der einen Figur, die im Hintergrund die Fäden zieht. Wir spekulieren, wer das sein könnte. Achtung: Es folgen kleinere Spoiler.

 Eine alternative Version von Loki (Tom Hiddleston) wurde von einer militanten, extremistischen Organisation festgenommen. Doch wer steckt wirklich dahinter?

Eine alternative Version von Loki (Tom Hiddleston) wurde von einer militanten, extremistischen Organisation festgenommen. Doch wer steckt wirklich dahinter?

Foto: Marvel Studios/Chuck Zlotnick

Am Ende der 5. Folge von „Loki“ haben es der namensgebende Antiheld und seine Begleiterin Sylvie geschafft. Sie stehen davor, das Refugium der Person zu betreten, die hinter der „Times Variance Authority“ oder kurz TVA steht. Die möchte eine primäre Zeitlinie etablieren und verfolgt jede Abweichung davon, um sie zunichtezumachen. Die exzentrische, skurrile Serie spielt seit fünf Folgen mit den Erwartungen der Fans. Sie hat aber bislang keine Antwort auf die Frage geliefert, wer bei der TVA die Fäden zieht. Dafür hat sie diverse Hinweise gegeben, die aus unserer Sicht aber oft nur ablenken und auf eine falsche Fährte führen sollen. Wer ist nun der Mann oder die Frau im Schatten? Gehen wir die diversen Kandidaten durch.

Viktor von Doom

Seit im März 2019 die Übernahme von 21st Century Fox durch Disney+ besiegelt worden ist, warten die Fans. Auf die Marvel-Charaktere, deren Filmrechte bislang bei „Fox“ lagen. Sie sollen endlich einziehen in das Marvel-Film- und mittlerweile auch TV-Universum. Neben den „X-Men“ zählen dazu die „Fantastischen 4“. Und die sind eng verbunden mit dem finsteren Dr. Doom, der tatsächlich Viktor von Doom heißt. Die bei den Comic-Fans sehr populäre Figur hat zumindest die Fähigkeit und das Wissen, Zeitmaschinen zu konstruieren. Das schlägt zwar eine Brücke zur Geschichte der TV-Serie „Loki“, aber sonderlich überzeugend ist das nicht.

Ein weiteres Indiz für die Existenz von Dr. Doom ist die mysteriöse Burg, die am Ende der 5. Folge gezeigt wurde. Tatsächlich haust er in einem ähnlichen Gebäude. Und doch denken wir: Diese Verbindung scheint ebenso konstruiert wie der Idee, dass hinter der TVA der markante Bösewicht mit der Eisenmaske und dem Umhang steht. Im Marvel-Filmuniversum wurden noch nicht einmal die „Fantastischen 4“ etabliert – erst recht nicht deren größter Gegenspieler Viktor von Doom. Und so sehr sich Comic-Fans darüber freuen würden: Durch die Filme und die Serien hat Disney längst Leute für das Marvel-Universum begeistert, die die Comics nicht kennen. Einige könnten mit der Figur des Dr. Doom darum zunächst nichts anfangen.

In der Serie würde man so einen Charakter in der letzten Folge präsentieren, über deren Hintergrund und Motivation man nichts weiß. Man müsste sie aufbauen und erklären – um sie dann wieder niederzureißen. Wenn es mehr als nur eine Loki-Folge geben würde, wäre das nicht auszuschließen. So aber würde man dem Finale und auch der Figur jedes Gewicht nehmen, die Geschichte ausbremsen und zu einem unbefriedigenden Ende führen – weil plötzlich jemand Neues aus dem Nichts auftaucht. Und abgesehen von den vermuteten Hinweisen gab es bislang keine Anzeichen für die Existenz eines so bedeutenden Marvel-Charakters wie Dr. Doom. Wir sind darum davon überzeugt, dass er keine Rolle in Loki spielen wird. Zumal noch etwas dagegenspricht: Der Streaming-Dienst „Disney+“ ist nicht in allen Ländern verfügbar. Wenn man eine Figur einführen möchte, die auch in Zukunft und in diversen Filmen wichtig sein wird, würde man über die Serie „Loki“ viele Fans ausschließen. Das wird man nicht riskieren wollen.

Kang der Eroberer

Der Zeitreisende Kang ist eine der schillerndsten, mächtigsten und kompliziertesten „Schurken“ im Marvel-Universum, der über Zeitgrenzen hinweg ein Imperium aufbaut. Und anders als bei Dr. Doom weiß man bereits, dass er spätestens 2023 in „Ant-Man 3“ auftreten wird. Gespielt von Jonathan Majors.

Doch könnte er nicht schon vorher in Loki in Erscheinung treten? Dafür gibt es tatsächlich eine Reihe von Hinweisen: Die Richterin Ravonna Renslayer aus der Serie ist in den Comics eng mit Geschichte von Kang verbunden. In der 5. Folge taucht zudem ein alternativer Avengers-Turm aus den Filmen auf – allerdings versehen mit dem Schriftzug „Qeng“. Dahinter steckt ein Unternehmen, das wiederum Kang gehört. Und auch das Rauchmonster Alioth aus der 5. Folge ist ein Indiz für den Eroberer. In den Comics aber sind beide Konkurrenten, die jeweils ein Reich über die Grenzen der Zeit hinweg errichten. In der TV-Serie scheint Alioth dagegen ein Wächter zu sein, der den Zugang zu einer mysteriösen Burg versperrt. Das wiederum könnte „Castle Limbo“ sein. In den Comics gehört die zu Kang. Oder zumindest zu einer Variante von ihm.

Das klingt alles ein wenig kompliziert, und das ist der Grund, warum wir es für wenig wahrscheinlich halten. Wie bei Dr. Doom würde die Figur in der letzten Episode aus dem Nichts kommen, sie müsste schnell aufgebaut und erklärt werden – nur um sie dann in irgendeiner Form zu besiegen. Der Charakter, der offenbar in den Filmen noch eine große Rolle spielen wird, wäre verschwendet und würde hinter seinen Möglichkeiten bleiben. Und so sehr Marvel-Fans das begrüßen würden, für die breite Masse wäre auch diese Figur ein Fremder. Mehr als die bekannten Hinweise auf die Existenz von Kang wird es darum aus unserer Sicht nicht geben. Eventuell wird er in einer Post-Credit-Scene einen kurzen, prägnanten Auftritt haben. Aber er ist nicht die treibende Kraft in der Serie.

Die Alternativen

Alle drei Marvel-Serien bei „Disney+“ waren sehr auf einen Charakter fokussiert und dessen Entwicklung. Wanda wurde in WandaVision zur Scarlet Witch, Falcon zum neuen Captain America. Und was ist mit Loki? Wir haben im Verlauf der fünf Episoden gesehen, wie die ursprünglich böse, egozentrische Loki-Variante sich gewandelt hat. Sie scheint nicht mehr gefangen zu sein im Kreislauf ihrer Figur, die am Ende immer verliert. Egal, aus welcher Zeitlinie sie stammt.

Welches Ende würde besser dazu passen, als zum Schluss einer Loki-Version zu begegnen, die das ebenfalls nicht hinnehmen möchte? Eine boshafte, zynische, soziopathische Variante. Sie hat die TVA gegründet, um eine Zeitlinie zu schaffen, in der sie ihre Ziele erreicht. Und genau gegen diese finstere Variante seiner selbst muss „unser“ Loki bestehen, um seine eigene Dunkelheit zu besiegen und so am Ende tatsächlich zu gewinnen. Damit würde sich der Kreis schließen: Wir starteten mit einem bösen Loki, der dann über sich selbst und die Grenzen seines Charakters hinauswächst – und gut wird. Zumindest ein wenig.

Das würde zum Thema der bisherigen Marvel-Serien passen. Aber es wäre auch ein klein wenig enttäuschend. Wir sind mittlerweile einigen Loki-Varianten begegnet. Wenn am Ende „nur“ eine weitere Version steht, würde man auf der Stelle treten. Wenn es nicht sogar ein Rückschritt wäre. Das hängt indes sehr davon ab, wie es inszeniert werden würde.

Was wäre die Lösung?

Aus unserer Sicht gibt es eine bessere Lösung, die auch das Marvel-Film-Universum voranbringen könnte – ohne zu viel vorwegzunehmen. Loki und Sylvie treffen auf eine Variante der Scarlet Witch. Die Figur, ihre Macht und Möglichkeiten wurden in der Serie „WandaVision“ etabliert. Ebenso wie ihr Wunsch, wieder mit ihrer Familie aus ihrer „Traumwelt“ vereint zu sein. Vielleicht hat sie die „Times Variance Authority“ geschaffen, um eine bestimmte Zeitlinie zu kreieren – in der sie mit ihren Kindern und dem Androiden Vision zusammenlebt.

Das würde sie zu einer tragischen Figur machen, die nichts Böses will und dennoch Böses geschaffen hat. Und sollten Loki und Sylvie sie am Ende aufhalten, könnte das zu Chaos führen. Wenn diverse Zeitlinien zusammenbrechen, neu entstehen oder verschmelzen, hätten wir ein „Multiversum des Wahnsinns“. So lautet zumindest der Titel des nächsten Doctor-Strange-Films, der im März 2022 in die Kinos kommen soll. Und Scarlet Witch wird darin eine tragende Rolle spielen.

Darum ist unsere Prognose: Wanda als Scarlet Witch zieht die Fäden in Loki. Und ein paar kleine Indizien dafür gab es auch bereits in der Serie. Als unser Antiheld versucht, in der Zentrale der TVA Magie anzuwenden, scheiterte er damit. Später haben wir Runen in der Kammer der Zeithüter gesehen. In WandaVision wurde uns gezeigt, dass mit Runen Magie unterbunden werden kann. Die Mitarbeiter der TVA können sich nicht an ihr vorheriges Leben erinnern. Vielmehr glauben sie, dass sie schon immer dort gearbeitet haben. Das erinnert an eine ähnliche, nur etwas boshaftere und konsequentere Illusion, wie sie Wanda in ihrer Serie erzeugt hat.

Mit Scarlet Witch als treibender Kraft würden die Serien zudem wie die Filme miteinander verbunden werden und ihre eigenen, zusammenhängenden Geschichten im Marvel-Universum erzählen. Und zumindest für Loki steht bereits eine zweite Staffel im Raum – auch wenn noch nichts bestätigt wurde.

Update: Am Ende der 6. und finalen Folge wurde eine zweite Staffel bestätigt. Und Marvel hat sich entschieden, in der letzten Folge die Figur Kang einzuführen. Zumindest eine Variante von ihm. Zwar wird nie der Name genannt, aber es ist eindeutig, wer gemeint ist.

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