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El Cid: Spanische Serie auf "Amazon Prime" für Fans von Game of Thrones

Neue Amazon-Serie „El Cid“ : Komplexes Mittelalter-Epos für Fans von Game of Thrones

Ab dem 18. Dezember zeigt Amazon die erste Staffel der Serie „El Cid“. Die Geschichte um den spanischen Nationalhelden Rodrigo Diaz im 11. Jahrhundert wird dicht und spannend erzählt. Manchmal will man aber auch zwischen Intrigen und Kämpfen zu viel.

Es könnte alles so einfach sein. Doch das ist es in Spanien des 11. Jahrhunderts nicht. Der Süden ist in der Hand der muslimischen Mauren. Im Norden ringen die christlichen Gebiete Aragón, Navarra, Kastilien, Galicien und Léon um die Macht. Sie werden jedoch um 1065 zusammengehalten durch die Herrschaft König Ferdinands des Großen. Das ist die komplizierte politische Lage, in der Rodrigo Diaz de Vivar sein Erbe antreten und zum Ritter werden will. Auch um Rache zu nehmen für den Tod seines Vaters.

Das klingt zunächst wie eine simple Abenteuergeschichte um einen jungen Helden. Und so wirkt die Serie anfangs auch. Zumal Hauptdarsteller Jaime Lorente (Haus des Geldes) seine Rolle mit dem Charme eines unbeschwerten Sonnyboys und Herzensbrechers spielt. Doch nach den ersten 15 Minuten wird klar, dass sich die Serie höhere Ziele gesetzt hat: Es geht um Intrigen, in denen auch der Vatikan mitmischt. Und das komplizierte Machtkonstrukt gerät durch König Ferdinands Ehefrau, seine Brüder und seine Kinder ins Wanken, die alle eigene Ziele verfolgen. Das schwierige Verhältnis zu den Mauren macht es nicht einfacher. Deren Reich im Süden ist selbst in mehrere Königreiche zerfallen, von denen einige wiederum mit Ferdinand verbündet sind. Und in diesen Ränkespielen verstrickt sich unser Held Rodrigo immer mehr.

Das alles ist zwar spannend erzählt. Aber es fordert gerade in der ersten Folge etwas Aufmerksamkeit, um den Überblick zu behalten: Wer ist wer? Wer steht in welcher Beziehung zu wem? Und wer will was? Das kann anfangs ein wenig verwirrend sein. Dafür gelingt es „El Cid“ bis hin zu den Nebenfiguren, interessante Charaktere zu zeichnen. Zudem steckt in der Serie sehr viel Geld, um das Spanien des 11. Jahrhunderts halbwegs glaubwürdig zum Leben zu erwecken und überzeugend in Szene zu setzen.

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So spürt man den Wechsel von der christlichen Welt in die maurischen Regionen förmlich, wenn man mit Rodrigo reist. Es ist eine fremde Welt für ihn, in der nach einer gewonnenen Schlacht zum ersten Mal als „El Cid“ angesprochen wird – wie es sich für einen Heerführer gebührt. Er versteht es indes nicht. Ebenso wenig wie den – authentischen - Glauben an „Baraka“: eine außergewöhnliche mystische Kraft, die manche Menschen haben sollen. In Spanien prallen eben Kulturen aufeinander. Was auch hörbar ist, wenn alle beten und jeder lauter als Vertreter der anderen Religionen sein möchte. Und in diese komplexe Welt und Story haben die Serienmacher kleine Nebengeschichten eingebettet, beispielsweise als es um die Witwen und Waisen von Veteranen geht. Nichts davon trägt zur eigentlichen Erzählung bei, aber es lässt die Welt und Charaktere noch echter wirken.

Es ist faszinierend, Rodrigo auf seinem Weg zu folgen. Und der ist nicht nur mit Intrigen gepflastert, sondern mit einigen blutigen, brutalen Kämpfen und Schlachten. Auch da hat man keine Kosten gescheut, um alles so wuchtig, so intensiv und so mitreißend wie möglich in Szene zu setzen. Zumal nichts davon Selbstzweck ist. Alles hat Folgen, verändert Beziehungen, verschiebt Loyalitäten. Auch der Held Rodrigo verändert sich im Lauf der Serie. Ein Hauch von Düsternis und brutaler Kälte umgibt am Ende den anfangs naiven, ruhmsüchtigen jungen Mann.

Seine Geschichte ist spannend, fesselnd und umwerfend in Szene gesetzt. In den fünf Folgen der ersten Staffel gibt es keine Längen. Doch diese dichte Erzählung ist auch die Schwäche von „El Cid“. Ab und an drängeln sich die Geschichten in den fünf Folgen oder gibt es einen Dreh zu viel. Manches wird dafür nur angerissen: die Rolle des Vatikans, Rodrigos Vater, Baraka – das alles bleibt etwas undurchsichtig. „El Cid“ bietet zwar grandiose Mittelalter-Unterhaltung, aber ein, zwei Folgen mehr hätten der Serie gutgetan. Einfach, um zur Ruhe zu kommen und manche Geschichten besser zu entwickeln. So wirkt die Serie bei allen Stärken leider auch etwas gehetzt und will manchmal zu viel. Das Positive: Es gibt mehr als genug Ansätze für eine zweite Staffel.

Hinweis: Die Serie erscheint ab dem 18. Dezember laut Amazon auch in einer deutschen Synchronfassung.