Nach fünf Staffeln Comedy-Serie „jerks“ wird eingestellt – ein letztes Mal Fremdschämen mit Ulmen und Yardim

Berlin · Comedy zum Fremdschämen: In „jerks“ manövrieren sich Christian Ulmen und Fahri Yardim immer wieder in peinliche Momente. Nach fünf Staffeln ist jetzt Schluss. Warum eigentlich?

 Fahri Yardim (l) und Christian Ulmen in einer Szene aus „jerks“.

Fahri Yardim (l) und Christian Ulmen in einer Szene aus „jerks“.

Foto: dpa/Jens Koch

Man soll aufhören, wenn es am peinlichsten ist: Die Impro-Comedy „jerks“ mit Christian Ulmen (47) und Fahri Yardim (42) geht am Donnerstag beim Streamingdienst Joyn Plus+ in die finale Staffel. In den letzten zehn Folgen treten die beiden Männerfreunde nochmal ins ein oder andere Fettnäpfchen.

„Wir haben irgendwann gemerkt, dass „jerks“ auserzählt ist. Ich hatte Angst davor, dass wir nach acht Staffeln sagen: „Wir haben nun alle Körperöffnungen durch und sämtliche Formen des Scheiterns erzählt. Alles, was jetzt noch kommt, folgt dem immer gleichen Muster.“ Das wäre doch schade“, sagte Ulmen der Deutschen Presse-Agentur über die Entscheidung, die Serie zu beenden.

Die von Ulmen konzipierte Comedy, die auf einem dänischen Format basiert, kommt ohne festes Drehbuch aus. Die meisten Dialoge sind improvisiert. Das erfordert viel Mut und Schlagfertigkeit, die Reihe lebt vom Zusammenspiel seiner beiden Hauptfiguren. Die machen sich regelmäßig über Minderheiten lustig und stehen am Ende meist selbst als Deppen (auf Englisch: jerks) da.

Der Humor wandelt dabei auf einem schmalen Grat. Die Intention sei dabei wichtig, findet Ulmen. „Lache ich über einen Menschen mit Behinderung oder über etwas, wofür er nichts kann? Oder lache ich über Fahri Yardim, der mit dem Thema Behinderung so absurd unbeholfen umgeht? Ist Letzteres der Fall, sind wir safe - um mal ein Wort aus der joyn-Zielgruppe zu benutzen.“

In den neuen Episoden beginnt Ulmen (unwissentlich) eine Affäre mit einer AfD-Politikerin. Yardim glaubt, queer zu sein. Und in Rückblicken erfahren Fans, wie sich die beiden Freunde in der Schule kennenlernten. In Gastauftritten zu sehen sind neben der Grüne-Jugend-Vorsitzenden Sarah-Lee Heinrich die Entertainer Olli Schulz, Riccardo Simonetti und Micky Beisenherz.

Der Podcaster und „Dschungelcamp“-Autor Beisenherz wurde in einer vergangenen Staffel als eitler Gockel parodiert, was „jerks“-Macher Ulmen auch Kritik einbrachte. Nun spielt Beisenherz selbst mit - und wird in der Serie als Lebensretter gefeiert.

„Ich fand es einen schönen Zirkelschluss in der letzten Staffel, das nochmal aufzugreifen und dann den echten Micky mitspielen zu lassen“, erklärte Ulmen. „Es war auch eine edle Geste, bei uns mitzumachen, nachdem wir einer ihm ähnelnden Figur eine runtergehauen hatten.“

Und was kommt nach „jerks“? Ulmen bleibt dem Genre treu. Er produziert die erfolgreiche Impro-Comedy „Die Discounter“, die auf Prime Video läuft. Auch ein neues Projekt mit Yardim sei in Planung. Der muss sich erst einmal an das Serien-Aus gewöhnen.

„Mich hat es kurz ein bisschen schockiert. Die Serie war für mich ja eine Gewissheit, quasi meine „Lindenstraße“. Aber ich habe dann schnell gemerkt, wie richtig es ist.“

(boot/dpa)
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