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Stimme von Dana Scully: Trauer um "Akte X"-Sprecherin Franziska Pigulla

Synchronsprecherin gestorben : Franziska Pigulla - die Frau, die Dana Scully war

Sie war die wohl markanteste Frauenstimme im deutschen Fernsehen: Franziska Pigulla synchronisierte Dana Scully in „Akte X“, im Kino lieh sie Sharon Stone ihre Stimme. Jetzt ist die Neusserin mit nur 54 Jahren gestorben.

Kaum jemand kannte ihren Namen, doch nahezu jeder ihre Stimme: rauchig, tief, geheimnisvoll. Franziska Pigulla synchronisierte Superstars wie Sharon Stone oder Demi Moore („Ein unmoralisches Angebot“), sie las Hörbücher ein, vorneweg 2016 Stephen Kings „Das Mädchen“, für das sie den Hörbuch-Award in Platin erhalten sollte.

Unsterblich machte sich Pigulla allerdings mit der 90er-Jahre-Kultserie „Akte X“, in der sie Hollywood-Star Gillian Anderson als FBI-Agentin Dana Scully ihre deutsche Stimme lieh. Mehr noch: eine rheinische Stimme.

Pigulla kam im Mai 1964 in Neuss zur Welt. Zehn Jahre verbrachte sie im Rheinland, wuchs im Neusser Stadtteil Furth auf, besuchte die Burgunderschule. Später zog sie mit ihren Eltern nach Berlin, die sich als Schauspieler am Rheinischen Landestheater kennengelernt hatten. Die rheinische Prägung nahm Pigulla mit in die Hauptstadt. „Rübenkraut mag ich wahnsinnig gern. Da bin ich immer ganz glücklich, wenn ich das in Berlin irgendwo finde“, sagte sie 2016 in einem Interview mit unserer Redaktion. „Ich glaube, ich habe den typisch rheinischen Humor und diese Einstellung ,Leben und leben lassen'."

Nach dem Abitur ließ sich Pigulla in Berlin und London zur Schauspielerin ausbilden, nahm 1990 ihre erste Filmrolle an und wurde Mitte der 90er Moderatorin beim Nachrichtensender N-TV.

 David Duchovny und Gillian Anderson in „Akte X“.
David Duchovny und Gillian Anderson in „Akte X“. Foto: RTL

Immer wieder kam die Frau mit der vielleicht markantesten Fernsehstimme Deutschlands an den Niederrhein zurück. „Da habe ich jedes Mal das Gefühl, nach Hause zu kommen. Das kann man nicht erklären, das ist einfach ein Herzensgefühl“, sagte Pigulla vor zwei Jahren.

Eigentlich wollte sie im Rampenlicht bleiben, das Theater sei ihr künstlerisches Ziel gewesen. „Aber da wurde immer ein anderer Typ gesucht.“ Also versuche sie es als Synchronsprecherin - und wurde so zur Berühmtheit. Von 1994 bis 2002 synchronisierte sie Gillian Anderson und sorgte dafür, dass die Mystery-Serie „Akte X“ auch in Deutschland zu einem Erfolg wurde. 202 Episoden in neun Staffeln harmonierten Anderson und Pigulla, ohne jemals direkt zusammenzuarbeiten.

Mit dieser Rolle machte Pigulla ihre Stimme selbst zur Marke, fortan wurde sie gebucht, wann immer eine geheimnisvoll-souveräne Frauenstimme gefragt war - von der ProSieben-Serie „Galileo“ bis zu „Autopsie - Mysteriöse Todesfälle“.

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Und auch Gillian Anderson selbst ist wohl Fan ihrer deutschen Synchronstimme. In einem BBC-Interview habe die US-Schauspielerin vom Timbre ihrer deutschen Sprecherin geschwärmt, berichtete Pigulla. Jemand habe ihr den Mitschnitt geschickt. „ Diese Aufnahme liegt bei mir zu Hause im Tresor.“

Wenig verwunderlich, dass die Produktionsfirma im Herbst 2015 nach fast 14 Jahren Pause erneut auf Pigulla zukam, als „Akte X“ eine Neuauflage erhielt. Weitere 16 Fälle und zwei Staffeln entstanden, dann war Schluss mit ihrer bekanntesten Rolle. Die neuen Folgen hätten ihre zwar gefallen, sagte sie später, aber: „Was mir gefehlt hat, war die Geschichte der Protagonisten in der Zwischenzeit. Es sind ja einige Jahre ins Land gegangen. Darüber erfährt man nichts. Das war verschenkt.“

In einigen Hörspielen war Pigulla danach noch zu hören, Berlin hielt sie als Wohnort die Treue – doch auch die Verbundenheit zu ihrer Heimat blieb. „Wenn ich als Berlinerin bezeichnet werde, protestiere ich immer. Ich bin Rheinländerin – Punkt“, sagte sie. Im September 2018 kündigte Pigulla ihren Rückzug an. Eine nicht näher genannte Krankheit zwang sie zu diesem Schritt.

Am Samstag ist Franziska Pigulla im Alter von nur 54 Jahren in Berlin verstorben.