Germany's next Topmodel enttäuscht: Sternstunden der Fremdscham

Germany's next Topmodel enttäuscht : Sternstunden der Fremdscham

Irgendwie dominierte vor allem ein Gefühl das Finale von "Germany's Next Topmodel": Fremdschämen. Das Finale war der leicht bekleidete Negativ-Höhepunkt einer langweiligen Topmodel-Suche 2013. ProSieben scheint das aber nicht zu stören.

Was war das doch damals für ein Highlight, als Lena Gercke die erste Staffel von "Germany's Next Topmodel" gewann. Keiner - nicht mal Heidi Klum - schien sich zum Start bewusst, wie beliebt das Format werden würde. Alberne Inszenierung blieb damals weitgehend aus. Die Nachwuchsmodels standen im Mittelpunkt. Viel blanke Haut für die Quote war damals noch nicht nötig.

Früher war eben doch besser

­Betrachtet man die Finalsendung dieser Staffel, so ist man doch versucht, der abgedroschenen Floskel "früher ­war alles besser" zuzustimmen. Denn früher waren die Topmodel-Kandidatinnen irgendwie angezogener und die Aufgaben nicht so absurd (Entschuldigung, was bitte soll ein Elemente-Lauf sein?).

Auch das Zugucken war irgendwie angenehmer, als man sich noch nicht für die Performance ungelenker leicht bekleideter Mädchen schämen musste - die zwar ihr Bestes geben, aber denen man ansieht, dass sie sich nicht wirklich wohl in ihrer Haut fühlen.

Man hätte bereits zu Beginn wissen können, in welche Richtung sich die Live-Sendung entwickelt, als Heidi Klum und ihre Juroren in einem Helikopter vom Dach der Halle in Mannheim hinunterschwebten. Was ein Helikopter unter einem Hallendach macht? Gute Frage - und davon gab es viele.

Das Kleid war nicht sexy, sondern albern

Eine weitere Frage, die sich bereits nach wenigen Sendeminuten, als Heidi aus dem "gelandeten" Flugobjekt stieg, stellte: Wie lange mag es wohl dauern, bis wir wissen, was sie unter ihrem — sagen wir mal optimistisch weit geschlitzten — pinken Kleid trägt? Darauf zu warten, war fast spannender als die verschiedenen Finalläufe der Top 4, die vor allem durch wenig Stoff und komische Aufgabenstellungen auffielen, die fast zwangsläufig die Frage aufwarfen, ob es wirklich so ist, das Model-Leben.

Ohne das Format so verurteilen zu wollen, (wie es die beiden Feministinnen machten, die ihren Busen mit der Aufschrift "Heidi Horror Picture Show" präsentierten), muss an dieser Stelle doch mal die Frage erlaubt sein, ob es nicht auch ein wenig mehr hätte sein dürfen - mehr Stoff, mehr Stil.

16-Jährige als sexy Vamp?

Denn schließlich sind die Mädchen nicht nur jung - Gewinnerin Lovelyn, die sich im Hauch von Nichts sexy in Position brachte, ist gerade mal 16 Jahre alt. Beim Siegerinterview nach der Sendung musste sie um 23 Uhr die Bühne verlassen. "Aus Gründen des Jugendschutzes", hieß es. Ach ja, Jugendschutz, da war ja was. Hätte man angesichts der Sendung manchmal vergessen können.

Bleibt die Frage, ob Frau sich heutzutage so vor einem Millionenpublikum präsentieren muss. Diplomatisch gesagt: Geschmackssache. Radikal ausgedrückt haben es ja schon die beiden Feministinnen. ProSieben scheint jedoch an Show und Konzept festzuhalten. Die Bewerbungen für die nächste Staffel laufen bereits.

Um die Antwort auf die Höschen-Frage nicht schuldig zu bleiben: Es war weiß. Gesehen irgendwann zwischen Helikopter, blankem Aktivistinnen-Busen und Topmodel-Siegerehrung.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Lovelyn ist Germany's next Topmodel

(hüls)