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Stefan Raab tritt ab: "Mehr als nur der Verlust eines Moderators"

Medienexperte zu Stefan Raab und seinem Abschied : "Mehr als nur der Verlust eines Moderators"

Völlig überraschend hat Stefan Raab das Ende seiner TV-Karriere angekündigt. Gleich mehrfach hat er das deutsche Fernsehen neu erfunden. Zuletzt aber hatte sich Kritik an seinen Sendungen gehäuft. Was gab den Ausschlag? Thomas Lückerath vom Medienmagazin dwdl.de liefert eine Einschätzung.

Warum macht Raab Schluss?

Eine Frage, die nur Stefan Raab wirklich beantworten kann. Er hatte mit ProSieben jedenfalls einen Sender, der ihm alles ermöglicht hat. Sein "Raabschied" ist also kein Abschied im Bösen.

Sind die Quoten tatsächlich schlechter geworden? Man liest Widersprüchliches.

"TV Total" hatte das erfolgreichste erste Halbjahr seit 2007. Es wäre ohnehin zu kurz gedacht, wenn die Quoten von "TV Total" ein Maßstab wären. Die waren lange Zeit schlechter als zuletzt, aber ProSieben weiß sehr genau, was sie an Raab hatten. "TV Total" war die Keimzelle, aus der so viele Show-Ideen entstanden sind.

Wie groß ist der Verlust für das deutsche Fernsehen?

Der "Raabschied" ist mehr als nur der Verlust eines Moderators für ProSieben. Mit seinen Show-Events und Ideen war Stefan Raab einer der wichtigsten kreativen Motoren des Privatfernsehens der vergangenen 15 Jahre. Er hat Pokern im Fernsehen populär gemacht, den ESC-Vorentscheid sehr erfolgreich wiederbelebt, Polittalk bei ProSieben gemacht, das "Kanzlerduell" bereichert und mit "Schlag den Raab" die Samstagabendunterhaltung modernisiert.

Was ist dran an den Gerüchten über eine Krise zwischen Raab und ProSieben?

Diese Auffassung, sagen wir mal so, hat die "Bild" ganz exklusiv. Von einer Verstimmung zwischen Raab und ProSieben ist mir nichts bekannt. Es gab zuletzt Projekte, die angekündigt und nicht mehr umgesetzt wurden sowie eine verschobene Ausgabe von "Schlag den Raab". Daraus hat die Boulevard-Presse eine Krise konstruiert.

Wer könnte Raab beerben?

So wenig wie es die eine Nachfolgesendung für "Wetten, dass..?" braucht, braucht es den einen Nachfolger für Stefan Raab. Wichtig beziehungsweise wünschenswert wäre nur, dass ProSieben die freiwerdenden Sendeplätze und Ressourcen für neue Talente nutzt - und dies nicht als Sparmaßnahme begreift und noch mehr US-Sitcoms programmiert.

Das Interview mit Thomas Lückerath führte unsere Redaktion per E-Mail.

(pst)