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Stan Lee ist tot: Hollywood trauert um Comiclegende

Verstorbene Comic-Legende : Hollywood trauert um Stan Lee

Comic-Legende Stan Lee ist tot

Mit Bestürzung haben Hollywoodgrößen, darunter Robert Downey Jr. und Hugh Jackman, auf den Tod des legendären Comic-Autoren Stan Lee reagiert. Viele von ihnen machten mit seinen Comics auf der Leinwand Karriere.

Der Schöpfer von Spiderman und vielen anderen Superhelden aus dem Hause Marvel Comics starb am Montag im Alter von 95 Jahren im Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles, wie der Anwalt seiner Tochter J.C. Lee der Nachrichtenagentur AP sagte. Schauspieler, die ihren Ruhm durch die Darstellung bekannter Marvel-Charaktere teils erheblich vergrößern konnten, zollten Lee Respekt - darunter etwa Robert Downey Jr., Hugh Jackman, Mark Ruffalo und Winston Duke.

Lee gelang es in den 1960er Jahren, die Comicindustrie neu zu beleben, indem er Superhelden mit menschlichen Schwächen entwarf. Neben Spiderman war er auch federführend an der Schöpfung von Helden wie dem Hulk, den Fantastischen Vier und den X-Men beteiligt. Filme über Lees Comic-Figuren spülten in den vergangenen Jahren Milliarden in die Kassen der Filmstudios. Zuletzt wurde der von ihm geschaffene „Black Panther“ in Hollywood zum Blockbuster.

Der dadurch einem breiten Publikum bekannt gewordene Winston Duke erklärte, Lee habe Charaktere geschaffen, die die Zeit überstehen. „Du hast uns gezeigt, dass unsere Zukunft keine Grenzen hat, solange wir unsere Vorstellungskraft nicht vergessen.“

„Iron Man“-Star Robert Downey Jr. schrieb, er verdanke Stan Lee alles. Ebenso äußerte sich Ryan Reynolds („Deadpool“). Hugh Jackman, der Wolverine von den X-Men verkörperte, erklärte, die Welt habe ein kreatives Genie verloren. „Ich bin stolz, ein kleiner Teil seines Erbes sein zu dürfen und geholfen zu haben, einem seiner Charaktere Leben einzuhauchen.“ Mark Ruffalo, auch als grünes Monster Hulk bekannt, schrieb, die Welt sei durch Lees moderne Mythen und dessen Liebe für die „chaotische Angelegenheit, Mensch zu sein“ zu einem besseren Ort geworden.

2006 verglich Lee seine Comics in einem AP-Interview mit Märchen. Der Chefautor bei Marvel und spätere Verleger sagte, irgendwann werde man vielleicht zu alt für Riesen, Oger und Hexen, aber der Mensch wachse nie über seine Liebe für Dinge heraus, „die größer sind als das Leben, magisch und sehr fantasievoll“.

Mit seinem kreativen Talent überraschte er mit immer neuen Ideen für seine Superhelden. „Es war, als ob da etwas in der Luft lag. Ich konnte nichts falsch machen“, sagte er über jene Zeit in den 1960er Jahren, als seiner Feder Spiderman Iron Man, Hulk und viele andere Figuren entsprangen.

Als seine Kreationen dann 40 Jahre später ins Kino kamen, war der Erfolg gewaltig. „X-Men“ spielte im Jahr 2000 allein in Nordamerika 130 Millionen Dollar ein, bei „Spiderman“ waren es 2002 schon 400 Millionen. Die Erfolgsserie setzte sich fort, mit der „Avengers“-Serie und Einzelfilmen für fast jeden von Lees Superhelden. Das daraus entstandene Imperium ist nun eines der erfolgreichsten der Kinogeschichte. Allein der zuletzt erschienene „Avengers: Infinity War“ spielte weltweit mehr als zwei Milliarden Dollar ein.

Lee wurde am 28. Dezember 1922 als Stanley Martin Lieber in New York geboren. Nach der High School bekam er einen Job bei Timely Comics und als dort plötzlich der Autor und der Art Director kündigten, war der 17-Jährige Lee plötzlich für die kreativen Inhalte bei Timely Comics verantwortlich, das später zu Atlas Comics und schließlich zu Marvel wurde.

Seine Arbeit war vor allem dadurch erschwert, dass in den USA bis in die 1950er Jahre der Senat über neu veröffentlichte Comics beraten musste. Zu blutrünstige Inhalte oder Charaktere, die sich gegen die geltende Ordnung stellten, wurden gar nicht erst zugelassen. Viele Comicverlage betrieben deshalb Selbstzensur.

Irgendwann habe es ihm gereicht und er habe bestärkt durch seine Frau seine Vision von einem Comic umgesetzt, sagte Lee 1979 dem „Guardian“. Das Resultat war die erste Ausgabe von „Die Fantastischen Vier“ im Jahr 1960. Der Text kam von ihm und die Zeichnungen vom ebenso legendären Marvel-Zeichner Jack Kirby.

Ebenso wie Spiderman zwei Jahre später waren seine Helden einfache Leute, die plötzlich mit Superkräften ausgestattet waren, ohne das eigentlich zu wollen. Sie wurden sogar zu Symbolen für gesellschaftlichen Wandel. Während Spiderman das Amerika der 60er Jahre repräsentierte, wurden Black Panther und She-Hulk zu Vertretern von Minderheiten und Frauen.

Lee hinterlässt seine Tochter J.C. Seine Frau Joan, mit der er 70 Jahre lang verheiratet war, starb im vergangenen Jahr. Anschließend verschlechterte sich Lees Gesundheitszustand. Wer für ihn offiziell sprechen durfte, wurde vor Gericht erstritten, es gab zudem Ermittlungen wegen mutmaßlicher Misshandlung.

(mro/dpa)