So wird der letzte "Tatort" mit Devid Striesow aus Saarbrücken 2019

Letzter „Tatort“ mit Devid Striesow : Peter Lustig tritt ab

Devid Striesows letzter „Tatort“ führt ihn ins Schwesternwohnheim. Die Episode beendet ein Missverständnis. Der Sender hat es nie verstanden, das Talent des Schauspielers für sich zu nutzen.

Vielleicht konnte das nicht mehr gut gehen. Vielleicht war die Rolle so sehr in gelben Gummistiefeln stecken geblieben, dass nichts mehr half. Devid Striesow hat seit 2013 acht mal „Tatort“-Kommissar Jens Stellbrink in Saarbrücken gespielt. Stellbrink wohnte in einem Glaskasten auf dem Dach, war esoterisch inspiriert, trug gern Wickelhose oder eben gelbe Gummistiefel. Gegen nichts davon ist ernsthaft etwas einzuwenden, aber in der Gesamtsumme war er eher Peter Lustig als Polizist.

Striesow ist aus dem „Tatort“­-Team ausgestiegen. Er hat das offiziell mit den Produktionsbedingungen und neuen Projekten begründet. Er steht jetzt etwa im ZDF-Samstagskrimi „Schwartz & Schwartz“ vor der Kamera und im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg in „Wer hat Angst vor Virgina Woolf“ auf der Bühne. Striesow wollte den Saarländischen Rundfunk nicht immer vertrösten, weil er keine Zeit hat. Die letzte Episode wurde tatsächlich an Neujahr 2018 ausgestrahlt. Es musste mehr als ein Jahr vergehen, bis das Missverständnis zwischen Striesow und dem SR nun mit der Folge „Der Pakt“ endgültig beendet wird.

Sein letzter Fall liefert bedauerlicherweise auch den letzten Beleg, warum das eine gute Entscheidung war. Das Drehbuch legt gleich zu Beginn jede Menge Fährten, die kurz anerzählt werden. Der Zuschauer sieht es in allen Richtungen puffen, und weiß schließlich nicht mehr so genau, wo er ist. Alle sind verdächtig, also wird es schon einer gewesen sein. Aber der Reihe nach.

Im Schwesternwohnheim steigt die Semesterabschlussparty, man kann der Schwesternschülerin Vanessa dabei zusehen, wie sie Bier, Schnaps und Wein aus dem Kofferraum ins Haus trägt, und wie sie sich mit dem iranischen Arzt Dr. Sharifi zurückzieht. Ihre Freundin Anika (Lucie Hollmann) meidet die Feier, sie hilft lieber ehrenamtlich bei der Initiative „Mediziner für Asyl“, die Flüchtlinge medizinisch versorgt. Als Anika nachts ihr Zimmer betritt, findet sie ihre Freundin Vanessa tot in ihrem Bett auf. Sie wurde mit einem Bademantel-Gürtel erdrosselt.

Unter Verdacht stehen: Dr. Sharifi, weil er zur Tatzeit am Tatort war; die Ausbildungsschwester Maria Kraft, weil Vanessa sie wegen rassistischer Bemerkungen angezeigt hat; der Hausmeister des Schwesternwohnheims, weil er einfach dubios erscheint; und dann wäre da noch Kamal (El Mehdi Meskar). Er ist mit seinem kleinen Bruder aus Ägypten geflohen; als koptische Christen wurden sie dort verflogt. Kamal und Anika kennen sich, weil Kamal häufiger für die ehrenamtlichen Mediziner Fahrdienste ausgeführt hat. Am Tag des Mordes an Vanessa beobachtet Anika, wie Kamal mit einem Herren in einem Van sitzt, als die Polizei einige Flüchtlinge zur Abschiebung abholt. Sie findet heraus, dass Kamal der Ausländerbehörde Hinweise gegeben hat.

Kamal gerät dadurch unter dringenden Tatverdacht, weil Anika und Vanessa sich sehr ähnlich sehen, wenn sie mit dem Bauch auf dem Bett liegen. Kommissar Stellbrinks Vermutung: Kamal wollte verhindern, dass Anika seinen Verrat weitererzählt und sie daher töten. Weil Vanessa in Anikas Bett lag und ähnlich aussieht, hat er Vanessa getötet.

Nun, es erfordert eine gewisse Aufmerksamkeit des Zuschauers, dem bunten Sammelsurium an möglichen Tätern folgen zu können. Dass es am Ende freilich ganz anders kommt, ist beinahe nicht der Erwähnung wert.

Dieser „Tatort“ will eine Menge gesellschaftlicher Phänomene bearbeiten: für 90 Minuten Krimi ist das alles etwas zu viel. Es ist fast schmerzhaft zu sehen, wie wenig der SR mit dem Schauspieltalent des Devid Striesow anzufangen wusste. Nachdem dessen Rolle zunächst als Clown verunglimpft wurde, ist sein Auftreten zwar ernster und nachdenklicher geworden, aber Kommissar Stellbrink ist auch in der achten und letzten Folge eine Karikatur: Immer wenn er sich ein Mahl bereitet hat, klingelt sein Handy und muss los. „Manche Sachen werden eben nicht wieder gut“, sagt Kamal am Ende des Films. Es gilt auch für den „Tatort“ mit Devid Striesow.

„Tatort: Der Pakt“, Das Erste, So., 20.15 Uhr

(her)
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