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So wird der Dresden-Tatort "Rettung so nah" mit Gorniak und Winkler

„Tatort“ über Sanitäter : Wer hilft den Helfern?

Im „Tatort“ aus Dresden geraten Sanitäter ins Visier eines Unbekannten. Als Krimi ist „Rettung so nah“ passabel, als Milieustudie stark.

Die junge Sanitäterin steht völlig unter Schock. „Wir werden ständig beschimpft, bespuckt, bedroht“, zählt sie auf; „es gibt Rangeleien mit Betrunkenen, Drogenabhängigen… aber so was?“ Auch Polizeichef Peter Schnabel ist verstört und angeekelt: „Wer denkt sich denn sowas aus?“

Gute Frage. Wer setzt einen Sanitäter per Elektroschocker außer Gefecht, fesselt ihn ans Lenkrad seines Rettungswagens und lässt ihn dort mit einer Tüte über dem Kopf ersticken?

Gewaltausbrüche sind per Definition falsch, kontraproduktiv und für Dritte nicht nachvollziehbar. Doppelt und dreifach gilt das für Angriffe auf Menschen, die für einen kläglichen Lohn Tag und Nacht als Ersthelfer rausfahren, um mit ein paar Handvoll Ausrüstung und unter extremem Zeitdruck Wunden zu verbinden, Trost zuzusprechen, Schmerzmittel zu verabreichen. Die real existierenden Übergriffe auf diese Lebensretter sind verstörend genug, und im Sonntagskrimi aus Dresden nun ist einer fatal: Greta (exzellent: Luise Aschenbrenner) konnte nichts mehr für ihren Kollegen tun. Tarik Wasir (Zejhun Demirov) ist tot.

Kripo-Chef Schnabel (stark: Martin Brambach) fühlt sich auch persönlich angegriffen. Er sieht seine Kollegen in einem Boot mit Feuerwehrleuten und Rettungsdiensten. Als Zielscheibe von Verwandten und Freunden, die nicht einsehen wollen, dass alles, was sie tun, die bestmögliche Versorgung der Opfer nur behindern kann. Schnabel ist bedient: „Wir sind doch inzwischen Blitzableiter für jedweden Frust. Jeder Trottel kann uns sagen, was wir tun dürfen und was nicht!“

Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Leo Winkler (Cornelia Gröschel) versuchen, einen Schritt zurück zu treten: Wurde Wasir ermordet, weil er Sanitäter war? Oder weil er Syrer war? Die Theorie „Zufallsopfer“ jedenfalls scheidet aus, als auch seine Kollegen aus derselben Wache ins Visier des Unbekannten geraten. Die übrigen Sanitäter wollen streiken. Alternativ verlangen sie nach Pistolen, Pfefferspray oder wenigstens stichsicheren Westen. Sie sind desillusioniert, müde, aufgerieben. Viele bräuchten dringend einen Job mit weniger Blaulicht, Blut und Tränen. Was Ruhiges. Aber wenn sie andere Jobs machten, wer würde ihren machen?

Gorniak und Winkler irren umher zwischen hilflosen, ängstlichen, zornigen Menschen, deren Probleme ihnen oft nur allzu bekannt sind. Ein Film mit Wucht und einigen harten Szenen vor allem für Eltern. Plot und Spannungsbogen sind solide, die Qualität des Spiels schwankt nur in den Nebenrollen, das Setting ist der Star. Wer sich die zu dick aufgetragene Musik und die Verkitschung mehrerer Schlüsselszenen wegdenkt, bekommt einen passablen Krimi. Und ein Denkmal für die Menschen, die rund um die Uhr Blaulicht und Sirene anschmeißen, Gas geben und helfen. So gut es eben geht.

Man kann nur hoffen, dass dieser Film im Gedächtnis bleibt, wenn Malteser oder Johanniter, Rotes Kreuz oder die Freiwillige Feuerwehr vor Ort das nächste Mal um Spenden bitten.

„Tatort: Rettung so nah“, Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr