So war der "Polizeiruf 110" über Rechtspopulisten in Rostock

So war der „Polizeiruf“: Die Rechten sind überall

Im Rostocker „Polizeiruf“ wird eine rechtspopulistische Politikerin ermordet. Ein altbekanntes Muster für Sonntagabendkrimis. Trotzdem ist der Film sehenswert. Die Nachlese.

Worum ging es? Sylvia Schulte, Oberbürgermeisterkandidatin der rechtspopulistischen Partei PFS in Rostock, wird auf einem Acker bei lebendigem Leibe verbrannt. Die Kommissare Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Alexander Bukow (Charly Hübner) ermitteln zunächst im privaten Umfeld. Verdächtig ist auch ein syrischer Flüchtling, der in Schultes Wahlkampfteam arbeitet. Er hatte eine Affäre mit seiner Chefin. Doch auch völkische Siedler spielen eine dubiose Rolle.

Worum ging es wirklich? Wie so oft in Sonntagabendkrimis der ARD um das derzeitige Lieblingsthema des öffentlichen Diskurses: um Rechte und Flüchtlinge. Es blöken einige Widerlinge, dass man das deutsche Volk verteidigen und die Feinde vernichten müsse. Der Film liefert Szenen und Dialoge aus der Tiefe der deutschen Realität 2018, das muss man ihm hoch anrechnen. Den Kommissaren steht außerdem ein Disziplinarverfahren bevor. Und Bukow die Scheidung, weshalb er Zoff mit seinen Söhnen hat.

Ist das gut? Nun, schlecht ist es jedenfalls nicht. Dieser „Polizeiruf“ ist nicht besonders pfiffig, vieles hat man nun so oder ähnlich schon Dutzende Male gesehen. Dass der Krimi dennoch sehenswert ist, liegt an den guten Figuren des guten Rostocker Teams. Sie machen es sich nicht zu leicht, was die Auseinandersetzung mit den Rechten angeht. Sie sind nicht einfach die Guten und die handelnden Politiker einfach die Schlechten. Das sorgt zumindest für Reibungen und Spannungen. Bald sollte aber mal wieder ein anderes Thema her.

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Das nervt An manchen Stellen trägt das Drehbuch zu dick auf. Dass der Mitarbeiter von Schulte etwa Paragrafen der Strafprozessordnung in seinem Verhör auswendig zitieren kann, erscheint etwas abwegig. Freilich nicht, weil es sich um einen Syrer handelt, sondern einfach weil die Strafprozessordnung im Jurastudium (in dem er sich befindet) im Grunde keine Rolle spielt.

Der erfreut Die Figur des Alexander Bukow ist einfach gut konzipiert. Charly Hübner spielt die Rolle des liebenswerten, aber gleichsam widerlichen Kommissars und Familienvaters, der mit dem Leben hadert außerordentlich gut.

(her)