Einfallstor für Hacker: Sicherheitslücke Smart Home

Einfallstor für Hacker: Sicherheitslücke Smart Home

Hersteller werben mit der kompletten Vernetzung des Haushalts, vom Fernseher bis zum Trockner.

Jalousien fahren wie von Geisterhand hoch, die Kaffeemaschine heizt schon mal vor. Der Kühlschrank mailt die Einkaufsliste aufs Smartphone, wenn der Wocheneinkauf fällig wird, und die Tür schließt automatisch auf, wenn das Handy in Reichweite ist. Der Fernseher merkt sich unser Gesicht und weiß, was wir sehen wollen. Die Vernetzung des intelligenten Zuhauses (Smart Home) klingt nach Komfort und Sicherheit, doch nicht nur Datenschützer sind besorgt. Denn sensible Daten können nicht nur ins Internet gelangen, auch Schadsoftware kann auf dem gleichen Weg eingeschleust werden. So geschehen bei NRW-Agrarministerin Christina Schulze Föcking (CDU). Dort lief am Donnerstag auf dem privaten Fernseher plötzlich eine Aufnahme aus einer Fragestunde im Landtag, in der es um die Schweinehaltung in ihrem Familienbetrieb gegangen war. Die Polizei geht von einem Hackerangriff aus.

Vernetzte Geräte seien generell anfälliger, sagt ein Sprecher des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). "Auf dem PC gibt es Firewalls und Virenscanner. Selbst wenn ich so etwas auf meinem Gerät einrichten wollte, der Hersteller lässt mich nicht." Mehr Netz bedeute auch mehr Angriffsfläche, die Frage bei vernetzten Geräten sei, "ob Sicherheit von Anfang an mitgedacht wurde". Oft sei das nicht der Fall. Die Schadsoftware gelange über die Mediathek und, wie beim PC auch, den Webbrowser auf den Fernseher. Schützen könne man sich nur über erhöhte Aufmerksamkeit: keine unbekannten Webseiten besuchen und beim Händler die Sicherheit der Geräte hinterfragen. Stiftung Warentest rät dazu, am Fernseher die Funktion "HbbTV" bzw. "Datendienste" auszuschalten und die Mediatheken der Fernsehsender über den Webbrowser aufzurufen. Apps sollten nur über den App-Store des Herstellers oder über Googles Playstore installiert werden. Sensible Vorgänge wie Online-Banking sollten gar nicht über den Fernseher getätigt werden.

(cha)