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Schwarzwald-Tatort: Ich hab im Traum geweinet: Volle Pulle alles!

Der „Tatort“ im Schnellcheck : Rheinland kann man machen, Schwarzwald muss man wollen

Bier aus dem Plastikbecher, dicke Bäuche, breite Hintern und kein gnädiger Halbschatten. Der neue „Schwarzwald-Tatort“ schonte den Zuschauer selten. „Ich hab im Traum geweinet“ war ein echtes Highlight.

Worum ging es: In einer Schwarzwälder Kurklinik wird die Leiche eines Mannes gefunden. Doch fade Morde waren in diesem Film vom in Düsseldorf geborenen Regisseur Jan Bonny eher nebensächlich. Es ging um Frauen und Männer, die Liebe, die Suche nach dem Glück, Verzweiflung, Rotz und Blut.

Wie war es: Der Fall „Ich hab im Traum geweinet“ setzte sprichwörtlich auf die nackte Wahrheit. Es wurde geschrien, geprügelt und beigeschlafen. In langen Szenen. Die Bäuche waren dick, die Hintern breit, die Achseln unrasiert. Hier wurde nichts verklärt, nichts verkünstelt, nichts weichgezeichnet, nichts im gnädigen Halbschatten versteckt. All dies entwickelte eine stilistische Wucht, die man am Sonntagabend zu dieser Uhrzeit eigentlich nicht erwartet. Über weite Strecken glaubte man, ein Theaterstück zu sehen. Als Kulisse diente neben dem Schwarzwald die Schwäbisch-alemannische Fastnacht. Dieser besondere Karneval mit seinen gruseligen Hexen, Narren und Teufeln kam nicht so sonderlich gut weg. Schon in der Anfangsszene wurde die spätere Verdächtige von üblen Gesellen belästigt. Und auch die Feier der beiden Kommissare Tobler (Eva Löbau) und Berg (Hans-Jochen Wagner) hatte viel Trostloses. Bier und Schnaps aus dem Plastikbecher. Chris de Burgh im CD-Player. Bonjour Tristesse auf Alemannisch. Werbung für den Karneval im Schwarzwald ist das alles nicht. An Karneval bleiben wir doch lieber im Rheinland.

Was fiel sonst noch auf: Die jungen Schauspieler Darja Mahotkin (spielte die Krankenschwester Romy) und Andrei Viorel Tacu (als Romys Freund) traten im deutschen Fernsehen bislang wenig in Erscheinung, meisterten ihren Part aber glänzend. Tacu ist übrigens Ende März im Düsseldorfer Schauspielhaus im Stück „Hexenjagd“ von Arthur Miller, inszeniert von Evgeny Titov, zu sehen.

Lohnte sich das Einschalten: Ja. Einige Szenen waren vielleicht schwer auszuhalten. Regisseur Bonny hat sich wieder einmal geweigert, einen normalen Krimi zu drehen. Dieser Schwarzwald-Krimi war: absurd, übertrieben, gruselig, traurig, lustig und klug. Und vor allem eines nie: langweilig.

(csi)