1. Panorama
  2. Fernsehen

Hamburg: Schicksale des Ersten Weltkriegs

Hamburg : Schicksale des Ersten Weltkriegs

Mit "14 - Tagebücher des Ersten Weltkriegs" erzählen Arte und ARD Lebensgeschichten.

Im Sommer 1914 ändert sich das Leben der Künstlerin Käthe Kollwitz schlagartig. Es ist Krieg in Europa. Die überzeugte Sozialdemokratin und ihr Mann müssen mit ansehen, wie ihr Sohn Peter freiwillig einzieht. Die Mutter hadert mit dem Willen des Sohnes - doch aller Zweifel und Ängste zum Trotz lässt sie sich hinreißen und unterstützt ihn. Zehn Tage später ist Peter tot. Die Geschichte von Käthe Kollwitz ist eines von 14 Schicksalen, dem sich Arte in einem achtteiligen Dokudrama widmet. Einhundert Jahre nach dem Ausbruch erzählen der Regisseur Jan Peter und Autor Yuri Winterberg mit "14 - Tagebücher des Ersten Weltkriegs" die Katastrophe aus einer neuen Perspektive.

Keine Schuldzuweisung, keine nationale Perspektive, keine Faktenansammlung. "Mich reizt es, Geschichten in neuen Formen zu erzählen", sagt der Regisseur. Dafür musste er sich auch mit seinem eigenen Deutschsein auseinandersetzen. "Mein Urgroßvater war Waffenmacher in Suhl. Er hat die Waffen gemacht, mit denen auf die Urgroßväter meiner Kollegen geschossen worden ist", sagt Peter. In der Auseinandersetzung habe er realisiert, was es bedeute, dass zehn Millionen Menschen starben. "Das sind reale Gräber. Das ist eine Verantwortung gegenüber Millionen von Menschen."

So stehen die Lebensgeschichten und Gefühle von 14 Menschen aus acht Nationen eindrucksvoll im Mittelpunkt des Dokudramas. Statt Generälen und Staatslenkern sind die Helden der Geschichte Soldaten, Ehefrauen, Kinder und Fabrikarbeiterinnen. Da ist die 14-jährige Marina Yurlova, die ihrem Vater, einem Oberst der Kuban-Kosaken, in den Krieg folgt. Der Österreicher Karl Kisser, dem es wie vielen Landwirten widerstrebt, auf dem "Feld der Ehre" zu sterben. Oder der zehnjährige Yves Congar, der den Krieg zunächst mit Zinnsoldaten nachspielt. Hinzu kommen Zitate von Menschen aus 16 weiteren Ländern - alle in den Originalsprachen.

Regisseur Peter lässt die "vierte Wand" durchbrechen: Die Protagonisten sprechen in die Kamera. So ist eine moderne Erzählform entstanden, die einen neuen Zugang zum Ersten Weltkrieg ermöglicht.

"14 - Tagebücher des Ersten Weltkriegs", Arte, 20.15 Uhr

(dpa)