Rückschau: So war der "Tatort" aus Luzern

So war der „Tatort“ aus der Schweiz : Der Mörder ist immer der Vater

In ihrem vorletzten Fall interessieren sich Flückiger und Ritschard weder für ein Entführungsopfer noch für die Aufklärung eines Mordes. Ärgerlich.

Worum ging’s? Eine junge Boxerin will nicht nur ihre Karriere beenden, sondern auch auspacken über das im Schweizer Frauenboxing offenbar schwer grassierende Doping – und wird deshalb von der Anabolika-Mafia gekidnappt.

Worum ging’s wirklich? Um Familienmitglieder von Verbrechensopfern, die in einer Ausnahmesituation die Nerven verlieren. Und um solche, die gleichzeitig auch Polizisten sind.

Wie war der Film? „Ganz gut für einen „Tatort“ aus Luzern läge nahe, wäre aber letztlich ein als Kompliment getarnte Beleidigung.

Was war ärgerlich? Dass die Ermittler alles Offensichtliche erst in der Schlussviertelstunde taten, damit es auch ja „überraschende“ Wendungen gab. Viel zu spät wurde der windige Gefängniswärter abgeklopft, obwohl allgemein bekannt war, dass der Pate „King“ Küng aus dem Gefängnis heraus agiert. Zweitens und vor allem aber lag es bei allem Respekt nicht eben fern, dass statt des „geständigen“ Onkels der Entführten tatsächlich dessen Bruder den (unangenehm überzeichneten) Manager-Yuppie erschoss. Wenn kein Gärtner greifbar ist, dann ist der Mörder immer der Vater. Nun mag man einwerfen, dass die Rettung der Entführten ohnehin Vorrang genoss. Aber wäre die gute Martina O. den Ermittlern tatsächlich so wichtig gewesen, hätten sie die Hinweise über das Geheimversteck aus dem allgegenwärtigen Kamerabild wohl systematisch ausgewertet – und nicht bloß mithilfe eines freundlichen Nachbarn (!), der sich ein wenig mit Betonbau auskennt.

Mehr von RP ONLINE