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Robert Habeck bei Sandra Maischberger: Es wird krasser werden

Robert Habeck bei Maischberger : „Es bleibt nicht so, es wird krasser werden“

Die Impfkampagne, die Flutkatastrophe, der Klimaschutz und die Fehler der Kanzlerkandidaten - Sandra Maischberger hatte sich für ihre erste Sendung mit Gästen im Studio einiges vorgenommen. Zum Schluss durfte Hape Kerkeling noch erklären, was Katzen meinen, wenn sie “Murr” sagen.

Darum ging es

Sandra Maischberger hat zum ersten Mal seit langer Zeit wieder Gäste im Studio und freut sich. Es geht um ernste Themen wie das Impftempo, das Klima und die Bundestagswahl - aber dank Hape Kerkeling auch um Katzen und Spiritualität.

Die Gäste

  • Robert Habeck, B’90/Grüne Co-Parteivorsitzender
  • Hape Kerkeling, Entertainer und Bestsellerautor
  • Hubert Aiwanger, Freie Wähler, bayerischer Wirtschaftsminister
  • Amelie Fried, Autorin und Moderatorin
  • Robin Alexander stellvertretender Chefredakteur der "Welt"
  • Wolfram Weimer, Verleger "The European”

Der Talkverlauf

Im Balanceakt zwischen einer Impfpflicht, die keiner will und den Appellen, sich doch immunisieren zu lassen, hatten die Gäste am Abend in der ARD-Sendung „Maischberger. Die Woche“ ihre eigenen Ansichten. Amelie Fried könnte sich vorstellen, die Nadel für bestimmte Berufsgruppen wie Lehrer verbindlich zu machen. „Impfen ist im Fall von Corona mehr als eine private Entscheidung, denn da geht es nicht nur um Selbstverantwortung, sondern auch um Solidarität”, sagt die Autorin. „Welt“-Journalist Robin Alexander hat sich gewundert, „dass die Kanzlerin das Thema so früh vom Tisch genommen hat“ und findet: „Das ist ja keine Entscheidung, die im luftleeren Raum passiert.“ Wolfram Weimer hingegen meint, die Diskussion um eine mögliche Pflicht sei vielleicht gar nicht mehr nötig: Vielleicht befinde sich Deutschland ja schon im „Endstadium der Pandemie“ und müsse daher gar nicht mehr auf Zwang setzen.

Aus Regensburg zugeschaltet ist Hubert Aiwanger, der mit seiner Skepsis zum Impfen dem bayrischen Koalitionspartner und Markus Söder - laut Alexander - „ein Riesenproblem“ beschert. Auch bei Maischberger sagt der Politiker von den Freien Wählern: „Jeder Einzelne hat sein Freiheitsrecht, sich impfen zu lassen oder nicht.“ Er wolle Menschen nicht unter Druck setzen und ärgert sich, dass so viel Gewicht auf seine private Entscheidung gelegt wird. „Ich wundere mich doch, dass die Person Hubert Aiwanger so interessant ist“, sagt er, schließt für die Zukunft nicht aus, sich eines Tages doch impfen zu lassen, und fordert: „Lasst den Leuten die Zeit, sich zu informieren und sich zu entscheiden.“ Robert Habeck Habeck im Studio findet: „Herr Aiwanger irrt gleich dreifach.“ Als Stellvertretender Ministerpräsident sei er „nicht irgendeine Privatperson“ sondern habe eine starke Öffentlichkeitswirkung. Zudem nehme, wer ungeimpft krank werde, die Solidarität des Gesundheitswesens in Anspruch, und Leistungen, die anderen eventuell fehlen. Überdies könne sich Markus Söder (CSU) kaum leisten, dass sein Stellvertreter ihm in einer so wichtigen Frage in den Rücken fällt. „Die Nicht-Geimpften gehen ein hohes Risiko ein zu erkranken, möglicherweise schwer“, sagt Habeck, gerade Long Covid sei extrem ernst zu nehmen, „Das Pokerspiel würde ich nicht eingehen und keinem empfehlen.“

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Maischberger will mit dem Grünen die Fehler der Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock weiter auswalzen, doch Habeck ist dessen müde und verlangt, über die Themen zu sprechen die „Leute wirklich interessieren“, das Klima zum Beispiel und dessen Schutz. Er betont, wie wichtig richtige Finanzpolitik für die richtige Klimapolitik ist. „Wenn man das nicht versteht, kreuzt man gegen den Wind“, sagt Habeck. „Wir glauben, das ein großes Investitionspaket, oder eher ein Investitionsjahrzent die deutsche Wirtschaft und die Klimapolitik versöhnen kann und die Bundesrepublik weit nach vorne bringt.“

Er verteidigt die Idee eines Energiegeldes von 75 Euro, das jeder Bürger und jede Bürgerin bekommen soll, als „Angebot an die Gesellschaft“, das gemeinsam durchzustehen. Zugleich wünscht er sich für die Zukunft ein Klimaschutzministerium, das - ähnlich wie das Finanzministerium - mit einem Vetorecht alle relevanten Entscheidungen mittragen soll. So könnten keine Entscheidungen mehr „am Klimaschutz vorbei“ gemacht werden.

Zu Maischbergers Frage, ob sich Klima oder Wetter wieder zum Besseren verändern würden hat er wenig Hoffnungsvolles zu sagen: „Im Gegenteil: Es bleibt nicht so, es wird krasser werden.“ Das CO2 sei bereits ausgestoßen, es handele sich um träge Systeme, die Meere erwärmten sich langsam. „Wir reden nicht darüber, dass es keinen Klimawandel gibt, das ist ausgeschlossen“, sagt der Parteichef. „Wir reden einzig und allein darüber, dass die Erderwärmung so verlangsamt wird, das wir uns als Menschen anpassen können, das wir in der Lage sind, unser Leben und unsere Städte so zu schützen, dass wir nicht katastrophale Zustände erleben.“

Maischberger diskutiert mit ihren Gästen auch Armin Laschets Wahlkampf und den der Union. Alexander wertet dabei das Auftreten des NRW-Ministerpräsidenten in den Flutgebieten als „fatal“. Auch Fried nimmt an, dass es vor allem die Bilder sind, die bei Menschen hängen bleiben werden, da derzeit das „Interesse an den Köpfen“ so groß sei. Was Weimars Ansicht nach unter anderem daran liegt, dass die Union keinen wirklichen Wahlkampf mache. Slogans wie „besser machen“ vermitteln für den Publizisten einen „absolut inhaltsleeren Wahlkampf“. Er könne sich vorstellen, dass es am Ende sogar eine Ampel-Koalition mit Olaf Scholz als Bundeskanzler geben könne, was vor ein paar Monaten noch undenkbar gewesen wäre.

Hape Kerkeling, für den in seiner Kabarettisten-Laufbahn Angela Merkel lange ein beliebtes Thema war, gibt zu, dass er die Kanzlerin vermissen wird. Zugleich sagt er: „Ich denke, 16 Jahre sind mehr als genug.“ Vielleicht solle man die maximale Kanzlerschaft sogar begrenzen auf zwölf oder acht Jahre. Kerkeling, der sich nach längerer Abwesenheit in den Medien mit einem Buch („Pfoten vom Tisch!“) und TV-Sendungen zurückmeldet, sagt zu den Diskussionen um die Pandemie: „Zu sagen, es gibt diese Pandemie nicht, ist keine alternative Meinung, sondern einfach nur verrückt.“ Kerkeling lobt die Maßnahmen der Regierung als angemessen. Für den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach hat er allerdings einen Tipp: „Wenn ich Lauterbachs Medienberater wäre, würde ich ihm sagen: ‚Weniger ist mehr, alle zwölf Minuten im Fernsehen zu sein, ist zu viel.’“

Zuletzt darf Kerkeling seinen neuen Bestseller, ein Katzenbuch, bewerben und lobt seine Lieblingshaustiere: „Sie helfen uns, bessere Menschen zu werden“ und hätten eine „Feinsensorik“, an der man andocken könne. Für ihn haben Katzen zudem einen „Zugang zu Sphären, der uns nicht so möglich ist“, lobt er die Spiritualität der Vierbeiner, ihren Zugang zur Mystik des Lebens und ihre telepathischen Fähigkeiten. „Katzen gehören zum Leben wie die Liebe“, ist der Autor überzeugt, zudem seien sie sehr kommunikativ: „Man braucht natürlich eine hohe Kommunikationsfähigkeit“, sagt er und klärt auf: „Wenn Katze einen anblinzelt, ist das ein Lächeln und man sollte zurück lächeln. Und wenn eine Katze ‚Murr’ macht, ist das eine Begrüßung.“

(juju)