Empörung über "Schimanski"-Krimi: Rheinhausen protestiert: "So nicht, Schimmi!"

Empörung über "Schimanski"-Krimi: Rheinhausen protestiert: "So nicht, Schimmi!"

Duisburg (RP). Die Rheinhauser sind ein stolzes Völkchen. Auf Duisburg, die Stadt, in die sie vor 33 Jahren eingemeindet wurden, schauen viele immer noch mit Misstrauen. Vor allem sind die Rheinhauser stolz darauf, die Schließung des Krupp-Hüttenwerks vor fast 20 Jahren bestens bewältigt zu haben. Auf dem ehemaligen Hüttenareal ist ein florierendes Logistikgebiet, der Logport, entstanden. Die Arbeitslosenzahlen im Bezirk liegen weit unter denen der Gesamtstadt.

Umso größer ist zurzeit die Empörung über den neuen "Schimanski"-Krimi, "Schicht im Schacht", der gerade im Auftrag des WDR gedreht wird und der in Rheinhausen spielen soll. In einer Pressemitteilung zum Film wurde Rheinhausen zu einer "ehemaligen Bergmannssiedlung unweit von Duisburg" degradiert, zudem war von einem "vom Niedergang bedrohten Ort" die Rede.

Nun ist für die Rheinhauser Schicht im Schacht. Nicht nur an den Theken wettern sie gegen "Schimmi", auch ganz offiziell wird protestiert. So befand der Chef des örtlichen Werberings, Karsten Vüllings: "Die spinnen, die Kölner." Er schrieb eine geharnischte E-Mail an den WDR, dem er vorwarf, das "Tothausen"-Image aus den Zeiten des Krupp-Arbeitskampfs wieder aufzukochen.

Auch Rheinhausens Bezirksvorsteherin Katharina Gottschling wandte sich mit einem Protestbrief an den WDR. Und CDU-Bezirksfraktionschef Ferdi Seidelt erklärte sich bereit, persönlich den Drehbuchschreibern den ihnen gebührenden "Tritt in den Hintern" zu verpassen. Irritationen auch aus dem Logport, dem Hauptarbeitgeber Rheinhausens: Dort habe das Produktionsteam ursprünglich Interesse an Dreharbeiten bekundet, die Anfrage später aber zurückgezogen. Für die Rheinhauser ist der Fall klar: Der Logport habe den Filmleuten wohl nicht ins negative Klischee gepasst, mutmaßen sie.

Der WDR zeigt sich angesichts des Sturms der Entrüstung zerknirscht. Er spricht von einem redaktionellen Fehler in der Pressemeldung. Man habe eigentlich von einem "ehemals" vom Niedergang bedrohten Ort sprechen wollen. Im Internet hat der WDR seinen Text inzwischen entsprechend geändert.

Zudem bat der Sender um Verständnis: Es handle sich schließlich um einen Spielfilm, also um Fiktion. Doch das sind für Karsten Vüllings und andere stolze Rheinhauser Ausflüchte. "Rheinhausen ist keine Fiktion", sagt er, "hier findet wahres Leben statt."

Mit der neuen Folge wird die Schimanski-Krimi-Reihe von der Vergangenheit eingeholt. Hauptdarsteller Götz George kann sich vielleicht an die Anfänge der Serie erinnern. Nach Ausstrahlung des ersten Films "Duisburg-Ruhrort" im Juni 1981, kochte in Duisburg ebenfalls der Volkszorn: Die Stadt und ihre Menschen würden viel zu negativ dargestellt, hieß es damals.

(RP)