Filmausflug: Ratgeber fürs Kino mit Kind

Filmausflug: Ratgeber fürs Kino mit Kind

Damit der Filmausflug die Kleinen nicht überfordert, müssen Eltern vorher genau hinschauen. Dafür gibt es Hilfe.

Viele Filme im Nachmittagsprogramm der Kinos sind ohne Altersbegrenzung freigegeben. Aber bedeutet das wirklich, dass ein Film schon für den vierjährigen Sprössling geeignet ist? "Wenn man das mit Lebensmitteln vergleicht, ist die Altersfreigabe so etwas wie ein Schadensgrenzwert", erklärt Christian Exner vom Deutschen Kinder- und Jugendfilmzentrum (KJF). Es gehe darum, den Film zum Beispiel daraufhin abzuklopfen, ob er bei Kindern der jeweiligen Altersgruppe Entwicklungsstörungen verursachen könne. Das heißt: Eine pädagogische Empfehlung ist die Begrenzung nicht.

Die Angabe "FSK" steht für "Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft". Sie markiert eine gesetzliche Grenze, an die sich Kinobetreiber sowie die Verleiher und Händler von DVDs und Blu-rays halten müssen. Denn nach dem Jugendschutzgesetz dürfen Filme nicht für Kinder oder Jugendliche freigegeben werden, wenn sie geeignet sind, deren Entwicklung "oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu beeinträchtigen", so der etwas sperrige Gesetzestext.

Auf ihrer Website veröffentlicht die FSK kurze Begründungen zur Altersfreigabe der geprüften Filme. Dabei weist die Organisation ausdrücklich darauf hin, dass es sich nicht um pädagogische Empfehlungen handelt. Was für Kinder der jeweiligen Altersgruppe sinnvoll oder interessant ist, lässt sich aus der Freigabe nicht ableiten.

Online-Portale wie "www.kinofenster.de" helfen hier weiter. Das Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung stellt monatlich einen pädagogisch besonders empfehlenswerten Film vor. Die ausführliche Filmbesprechung enthält auch eine Altersempfehlung. Wenn es um Kinder- und Jugendfilme geht, ist auch "www.kinderfilmwelt.de" eine gute Adresse. Hier gibt es regelmäßig Besprechungen zu neuen Kinofilmen, die sich speziell an Kinder und Jugendliche richten. Das Portal des Deutschen Kinder- und Jugendfilmzentrums stellt die Filme in kindgerechter Sprache vor und bewertet die Qualität mit einem Filmklappen-Symbol. Ausgestreckte Finger zeigen an, ab welchem Alter der Rezensent den Film empfiehlt. Bei vielen Filmen liegt die Empfehlung deutlich über der FSK-Altersfreigabe.

Was dem eigenen Sprössling Spaß macht, müssen Eltern trotzdem selbst herausfinden. Denn jedes Kind ist nun einmal anders. Während das eine spannende Szenen genießt, können sie bei anderen Angst auslösen. Hinzu kommt, dass eine Spielfilmlänge von 90 Minuten jüngere Kinder schnell überfordert. Besser geeignet sind Kurzfilme oder episodisch erzählte Filme. "Wenn Eltern sich vor Augen führen, dass es einen großen Unterschied gibt zwischen einem Kinoerlebnis und dem Filmanschauen zu Hause, dann können sie leichter entscheiden, wann sie mit ihrem Kind einen Kinobesuch wagen", sagt Kristin Langer, Mediencoach bei der Initiative "Schau hin! Was dein Kind mit Medien macht".

Ein Filmnachmittag im Wohnzimmer ist für Kinoneulinge jedenfalls ein guter Einstieg. Wenn das Kind ängstlich oder angestrengt wirkt, drücken die Eltern einfach auf Pause und fragen genauer nach. "Eltern, die ihr Kind hierbei gut begleiten, können abschätzen, worauf es empfindlich reagiert und woran es interessiert ist", sagt Exner.

Und wenn das Kind trotzdem Angst bekommt, obwohl die Eltern sich bei der Filmauswahl alle Mühe gegeben haben? "Das heißt nicht, dass etwas falsch gelaufen ist", sagt Stephan Dreyer, der am Hamburger Hans-Bredow-Institut im Bereich Jugendmedienschutz forscht. Es gehöre auch zur kindlichen Entwicklung, sich mit Ängsten und Bedrohungen auseinanderzusetzen.

Wichtig ist dann, dass die Eltern da sind, nachfragen und mit dem Kind über den Film sprechen. "Um eine Brücke zu bauen, können Eltern zum Beispiel selbst erzählen, was sie toll fanden oder wann sie sich erschreckt haben", empfiehlt Langer. Das Kind kann seine Ängste äußern, aber auch Ideen aus dem Film kreativ weiterentwickeln - beispielsweise, wenn es sich nach einem Hexenfilm selbst Zaubersprüche ausdenkt.

(dpa)