Böse Schlagzeile nach der Wahl: Presserat rügt "taz" wegen Papst-Überschrift

Böse Schlagzeile nach der Wahl : Presserat rügt "taz" wegen Papst-Überschrift

Die Berliner "taz" ist bekannt für ihre Neigung zur gelegentlich flapsigen Ausdrucksweise. " Zu blöd zum Googeln", titelte sie etwa, nachdem die SPD einen Wahlkampfslogan ausgewählt hatte, den eine Firma für Zeitarbeit seit Jahren verwendet. Aus Sicht des Deutschen Presserats hat sie mit ihrer Überschrift zur Papstwahl jedoch den Bogen überspannt.

Die Berliner "taz" ist bekannt für ihre Neigung zur gelegentlich flapsigen Ausdrucksweise. "Zu blöd zum Googeln", titelte sie etwa, nachdem die SPD einen Wahlkampfslogan ausgewählt hatte, den eine Firma für Zeitarbeit seit Jahren verwendet. Aus Sicht des Deutschen Presserats hat sie mit ihrer Überschrift zur Papstwahl jedoch den Bogen überspannt.

Mit der Zeile "Junta-Kumpel löst Hitlerjunge ab" handelte sich die "tageszeitung" ("taz") eine Rüge ein. Mit dem Titel zu einem Kommentar über die Wahl des Argentiniers Jorge Bergoglio zum Papst Franziskus habe die Zeitung grob gegen das Sorgfaltsgebot verstoßen, teilte der Presserat am Donnerstag in Berlin mit.

Die Überschrift des Beitrags in der gedruckten "taz" am 15. März sei eine unbewiesene Tatsachenbehauptung. Die Erkenntnisse über die Nähe des Papstes zur argentinischen Militärdiktatur reichten nicht aus, um sie mit der Bezeichnung "Junta-Kumpel" als erwiesen darzustellen. Den Papst ohne ausreichende Belege in die Nähe eines Regimes zu rücken, das Zehntausende von Menschen ermordet hat, verletze diesen in seiner Ehre, betonte der Presserat.

"taz"-Chefredakteurin Ines Pohl erklärte am Donnerstag, die Zeile sei unter dem Eindruck eines Interviews mit einem argentinischen Investigativ-Journalisten und weiteren Recherchen entstanden. "Im Nachhinein ist die Zuspitzung in dieser Form nicht gelungen, da die Vorwürfe gegen Bergoglio letztlich nicht eindeutig belegt sind und es auch andere, durchaus glaubwürdige Darstellungen über sein Verhalten während der Diktatur gibt. Damit sind wir in diesem Fall übers Ziel hinaus geschossen", sagte Pohl.

Nicht beanstandet wurden vom Presserat scharfe Bewertungen im Kommentar wie "Alter Sack I. folgt Alter Sack II." oder "esoterischer Klimbim" als Bezeichnung für katholische Dogmen. Die katholische Kirche und ihr Oberhaupt müssten auch deutliche öffentlich Kritik aushalten. Religiöse Gefühle würden dadurch nicht geschmäht, erklärte das Selbstkontrollgremium der Presse weiter. Wegen der "taz"-Überschrift waren fast 50 Beschwerden beim Presserat eingegangen.

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(dpa/pst/das)
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