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"Polizeiruf - Kindeswohl": Mit der Dating-App auf Verfolgungsjagd

„Polizeiruf“-Nachlese : Mit der Dating-App auf Verfolgungsjagd

Der „Polizeiruf“ aus Rostock ist für Krimi-Fans immer eine Bank. Der Fall „Kindeswohl“ hatte aber einige Schwachpunkte. Und Ermittlerin König verhielt sich völlig seltsam.

Worum es ging Ein Jugendlicher tötet seinen Betreuer in einer Wohngruppe. Danach flieht Keno (Junis Marlon) mit seinem Kumpel Samuel. Das ist keine gute Idee, denn Samuel ist der Sohn von Ermittler Bukow (Charly Hübner). Und der dreht natürlich durch und setzt alles daran, seinen Sohn wiederzufinden.

Worum es wirklich ging Kenos Kumpel und Halbbruder werden in Polen betreut, Abenteuerpädagogik könnte man das nennen. Sie leben bei Familien, die kein Deutsch sprechen, die Jungen sprechen kein Polnisch. Sie sollen durch Feldarbeit zu sich finden, den Kontakt zu alten Milieus abbrechen. Private Träger verdienen damit Geld, am Ende des Films wird eingeblendet, dass sich mehr als 800 Kinder in einer Betreuung im Ausland befinden.

Wie war’s Der Rostocker „Polizeiruf“ ist bekannt für seine gesellschaftlichen Debatten. Das Thema war interessant, die Umsetzung aber sehr eindimensional. Emotional trug Bukows Suche nach seinem Sohn den Film. Eher ein schwächerer Fall des Teams.

Wie ist es um die Jugendhilfe im Ausland bestellt? Holger Wendelin, Professur für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik an der Evangelischen Hochschule in Bochum, hat laut Norddeutschem Rundfunk für eine Untersuchung 80 solcher Betreuungen in 13 Ländern angeschaut. Ein Drittel der Fälle lebe demnach bei Betreuungsfamilien in Kirgisien, Rumänien oder Polen. Ein Drittel wird von deutschen oder deutschsprachigen Sozialpädagogen in Süd- oder Nordeuropa betreut. Für das letzte Drittel gebe es viele bunte Mischkonzepte. Im Deutschland kontrollieren die Landesjugendämter die Heimunterbringung, im Ausland ist das nicht möglich. Dann obliegt diese Aufgabe den kommunalen Jugendämtern.

Musste das sein? Ermittlerin König (Anneke Kim Sarnau) ist auf Männersuche mit einer Dating-App. Das Liebesglück sei ihr von ganzem Herzen gegönnt, aber selbst in Besprechungen und auf der Suche nach den Jungen wischt sie Männer nach links oder rechts oder bekommt Botschaften. Dass sie darauf reagiert, passt gar nicht zu ihrem sonstigen Engagement im Job.

Den kennt man doch In einer Nebenrolle spielt Jan „Monchi“ Gorkow, Sänger der linken Punkband Feine Sahne Fischfilet, einen vorwiegend brüllenden Kinderheim-Mitarbeiter in Jogginghose. Gorkow stammt aus Rostock und kennt Charly Hübner unter anderem, weil der einen Dokumentarfilm über ihn gemacht hat.

Was man lernen konnte Wie sinnbefreit der erzieherische Satz „Damit er was lernt“ ist, macht König mit einem kleinen Exkurs über ihren Wellensittich deutlich. Der knallte im Freiflug immer gegen das Küchenfenster. Weil er es nicht lernen wollte oder konnte, öffnete sie ihm irgendwann das Fenster. Bleibt die Frage, wer das was gelernt hat.