1. Panorama
  2. Fernsehen

Polizeiruf 110: Dünnes Eis - Altenpflegerin mit dem Münchhausen-Syndrom

Nachlese zum "Polizeiruf 110: Dünnes Eis" : Mensch, hat die immer eine Laune

Eine junge Frau verliert einen Finger, ihre Mutter erfindet eine Lüge nach der anderen, Claudia Michelsen fährt schlecht gelaunt auf dem Motorrad durch Magdeburger Brachland. Der "Polizeiruf 110" im Schnellcheck.

Worum ging es?

Eine junge Verkäuferin wird auf dem Weg zur Arbeit entführt. Ihre Mutter, die kürzlich 100.000 Euro geerbt haben will, soll Lösegeld bezahlen. Als die erste Übergabe scheitert, bekommt sie einen abgetrennten Finger mit der Post zugeschickt. Die Kommissare Doreen Brasch (Claudia Michelsen) und Dirk Köhler (Matthias Matschke) nehmen den Stiefvater des Mädchens ins Visier, müssen aber bald feststellen: Die zunehmend seltsam wirkende Mutter lügt, wenn sie den Mund aufmacht.

Was war mit der Mutter los?

Die Altenpflegerin entpuppte sich als zwanghafte Lügnerin. Umgangssprachlich wird dies als Münchhausen-Syndrom bezeichnet. Psychiater bevorzugen indes den altgriechischen Ausdruck Pseudologia Phantastica. Klingt auch irgendwie besser. Krankhafte Lügner leiden meist an einem gestörten Selbstwertgefühl. Sie steigern sich oft dermaßen in die erfundenen Geschichten hinein, dass sie sie selbst glauben. Werden sie beim Lügen erwischt, geben sie dies sofort und anscheinend ohne schlechtes Gewissen zu — so als wäre nichts gewesen.

Lohnte sich das Einschalten?

Dem MDR gelang ein solider Krimi mit einer überschaubaren Handlung, der bis zum Schluss die Spannung hält. Auf tagespolitische Einwürfe wurde völlig verzichtet. Auch das Privatleben der Kommissare kam so gut wie gar nicht vor. Die eher einfache Handlung versuchte Regisseur Jochen Alexander Freydank mit dramaturgischen Kniffen aufzupeppen. Da wären ein großer Zeitsprung gleich zu Beginn des Films sowie regelmäßige Einblendungen wie "Noch drei Stunden bis zur Geldübergabe". Letzteres sollte wahrscheinlich Thriller-Momente im Stil der Erfolgsserie "24" erzeugen, wirkte allerdings leicht bieder.

Was noch gesagt werden muss

Langsam anstrengend wird zudem die übertrieben unterkühlte und barsche Art von Kommissarin Brasch. Mit einer so versierten Schauspielerin wie Claudia Michelsen könnte man sicherlich einen spannenderen Charakter erschaffen. Ein altes Motorrad und schlechte Laune reichen da leider nicht.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Szenen aus dem "Polizeiruf: Dünnes Eis"

(csi)