1. Panorama
  2. Fernsehen

Polizeiruf 110: An der Saale hellem Strande: Das passiert im ersten Fall.

Neuer „Polizeiruf 110“ aus Halle : Das Elend hat viele Gesichter

Zum 50. Geburtstag des „Polizeiruf“ schickt der MDR das neue Ermittlerduo Peter Kurth und Peter Schneider in Halle erstmals auf Verbrecherjagd. Ein sehenswerter Krimi und eine gelungene Hommage.

Vor 50 Jahren lief im DDR-Fernsehen der erste „Polizeiruf 110“ und war viele Jahre lang ein Straßenfeger im Osten. An diesem Sonntag feiern MDR und rbb dieses Jubiläum mit einem besonderen Fall.

In „An der Saale hellem Strande“ arbeiten die neuen TV-Kommissare Henry Koitzsch (Peter Kurth, „Babylon Berlin“) und Michael Lehman (Peter Schneider) monatelang an der Aufklärung eines Mordfalls. Ein Kellner wurde spätabends vor seiner Haustüre mit mehreren Messerstichen getötet – offenbar ohne jede Vorwarnung. Das Opfer hatte mit niemandem Streit, Zeugen des Angriffs gibt es keine, die Ermittler stehen vor einem Rätsel. Ihre einzige Chance besteht darin, mithilfe von Handy­daten herauszufinden, wer zur ungefähren Tatzeit in der passenden Funkzelle angemeldet war und dann die entsprechenden Handynutzer einen nach dem anderen zu befragen.

Regisseur Thomas Stuber und Autor Clemens Meyer ist ein spannender Film mit vielen Anspielungen an die lange „Polizeiruf“-Geschichte gelungen, die naturgemäß nicht für alle Zuschauer verständlich sein dürften. Zum Beispiel knüpft der Fall inhaltlich an die Folge „Der Kreuzworträtselfall“ aus dem Jahr 1988 an. Damals suchten die Ermittler einen Triebtäter, der anhand von Schriftproben und der Auswertung von Tausenden ausgefüllten Kreuzworträtsel überführt werden sollte. Der Krimi beruhte auf einer wahren Begebenheit. Der aktuelle Fall liegt ähnlich, nur dass sich die Ermittler heute über ellenlange Listen mit Handynummern beugen, statt in alten Rätselheften zu blättern. Auch Schauspieler Andreas Schmidt-Schaller, der neun Jahre lang als Leutnant Thomas Grawe den DDR-Polizeiruf prägte, ist im neuen Fall zu sehen. Als Schwiegervater des jungen Kommissars Lehman gibt er abends am Küchentisch Tipps für die laufenden Ermittlungen. Dabei wirkt er allerdings seltsam desillusioniert und verbittert.

Die alten „Polizeiruf“-Folgen, das liest man immer wieder, überzeugten vor allem durch ihre ruhige Erzählweise, die sensiblen Schilderungen der DDR-Millieus und die genaue Beschreibung der Polizei­arbeit. Daran will der erste Fall mit den neuen Ermittlern anknüpfen. Er ist eine Montage zahlreicher Porträts von Menschen, die auch mehr als 30 Jahre nach der Wende noch zu den Verlierern zählen.

Da gibt es den ärmlichen Rentner (Hermann Beyer), der nicht darüber hinwegkommt, dass er werktags nicht mehr gebraucht wird. Oder die Trinker-WG, der ständig der Strom abgedreht wird, wenn die Musik mal wieder zu laut ist. Auch das Date des in Liebesdingen unbedarften Ermittlers Koitzsch verläuft maximal trostlos. Dies ist vielleicht ein Kritik­punkt an dieser Jubiliäumsfolge. Der Grundton ist düster und melancholisch, fröhlich geht es kaum zu. Die einzige Ausnahme ist Cordelia Wege, die als lebens- und liebeslustige Ex-Freundin des Opfers etwas frischen Wind in das Hallenser Trübsal bringt.

Dennoch überzeugt „An der Saale hellem Strande“ (übrigens der Titel eines alten Volkslieds aus Sachsen-Anhalt) über weite Strecken, auch weil die realistisch wirkende Darstellung der Polizeiarbeit die Spannung bis zum Ende aufrechterhält. Dass einige der Anspielungen von Zuschauern in Zwickau besser verstanden werden als in Heidelberg, liegt in der Natur der Sache. Dennoch lohnt sich das Einschalten!

Polizeiruf 110: An der Saale hellem Strande“, Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr.