Plasberg-Gäste nehmen Christian Wulff und Uli Hoeneß in Schutz

"Hart aber fair" in der ARD : Plasberg-Gäste nehmen Wulff und Hoeneß in Schutz

Christian Wulff sitzt auf der Anklagebank, Uli Hoeneß wird es bald – beide Persönlichkeiten stehen im Kreuzfeuer der Justiz. Doch offenbar bewertet die Öffentlichkeit ihre Vergehen unterschiedlich. Bei "Hart aber fair" zeigten die Gäste indes Verständnis für beide.

Christian Wulff sitzt auf der Anklagebank, Uli Hoeneß wird es bald — beide Persönlichkeiten stehen im Kreuzfeuer der Justiz. Doch offenbar bewertet die Öffentlichkeit ihre Vergehen unterschiedlich. Bei "Hart aber fair" zeigten die Gäste indes Verständnis für beide.

Bei "Hart aber Fair" am Montagabend diskutierte ARD-Moderator Frank Plasberg mit seinen Gästen das Thema "Wulff verstoßen, Hoeneß verschont - urteilen wir mit zweierlei Maß?".

Vergangene Woche nämlich stand Christian Wulff erstmals vor Gericht. Das ehemalige Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland kämpft um den Rest seiner Ehre. Die Öffentlichkeit aber hat längst ein Votum gefällt, ein schwerwiegendes: Wulff ist der Sündenbock, sein Rücktritt war folgerichtig.

753,90 Euro vs. 3,2 Millionen Euro

Und wie schaut es mit Uli Hoeneß aus? Der Präsident des FC Bayern München zeigte sich vor Monaten selbst wegen Steuerhinterziehung an. Rücktrittsforderungen wiesen sowohl der mächtige Bayern-Boss als auch der Aufsichtsrat der Bayern München AG zurück. Hoeneß' Tränen auf der Jahreshauptversammlung stimmten viele Deutsche offenbar milde.

Ist das fair? Die Frage scheint zumindest angebracht, warum Wulff von der Öffentlichkeit Häme erhält, Hoeneß aber mildernde Umstände? Gibt es keine verbindlichen Maßstäbe mehr für moralische Vorbilder? Bei Wulff geht es um die relativ geringe Summe von 753,90 Euro. Hoeneß wird vorgeworfen, Steuern in Höhe von 3,2 Millionen Euro hinterzogen zu haben.

Diese Fragen diskutierte Plasberg mit folgenden Gäste: Wolfgang Kubicki (FDP, Fraktionschef in Schleswig-Holstein), Petra Bahr (Ev. Pfarrerin, Kulturbeauftragte des Rates der EKD), Tom Junkersdorf (Chefredakteur des People-Magazins "Closer"), Dirk Roßmann (Gründer und Geschäftsführer der Drogeriemarktkette "Rossmann"), Hans Leyendecker (Leiter Investigativ-Ressort "Süddeutsche Zeitung", Buchautor "Die große Gier").

Roßmann verteidigt Wulff energisch

Zwei Dinge dürfte der Zuschauer als Quintessenz aus der Runde mitnehmen: Zum einen, dass Unternehmer Roßmann ein Freund Wulffs ist, und diese enge Verbindung blitzte in nahezu jedem Satz und Kommentar des Drogerie-Bosses durch. Er verteidigte den Ex-Bundespräsidenten, bisweilen in energischem Ton.

Zum anderen konnte der Zuschauer den Eindruck gewinnen, dass die Gästeschar den nicht anwesenden Protagonisten der Sendung milderne Umstände zukommen lassen wollte. Pfarrerin Bahr sagte über Wulff: "Wenn die Presse schreibt 'Wulff wird der Prozess gemacht‘, klingt das nicht nach Hannover, sondern nach Moskau."

Auch FDP-Mann Kubicki nahm den ehemaligen Bundespräsidenten in Schutz. Der liberale Fraktionschef aus Schleswig-Holstein urteilte, dass er als moralische Instanz zwar komplett versagt habe und auch nicht wiederzubeleben sei. "Aber das macht ihn nicht zum Straftäter".

"Hoeneß soll endlich zurücktreten"

Ähnlich merkwürdig-sanftmütig fiel das Votum für Hoeneß aus. Schließlich habe der Bayern-Präsident immerhin die Selbstanzeige in die Wege geleitet, zudem ist er kein Politiker, sondern eine Privatperson. Journalist Leyendecker erklärte, bei seiner nächtlichen Selbstanzeige habe Hoeneß "einfach zu viel gezockt."

Und Wulffs Chef-Verteidiger Roßmann? Nein, Verständnis habe er nicht dafür, dass ein Großteil der Öffentlichkeit dem schluchzenden Hoeneß offenbar Mitgefühl entgegenbringt. "Herr Hoeneß soll endlich zurücktreten."

(nbe)