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Kitschiges Finale bei DSDS: Pietro Lombardi - der unfreiwillige Komiker siegt

Kitschiges Finale bei DSDS : Pietro Lombardi - der unfreiwillige Komiker siegt

Man hätte es Sarah so sehr gewünscht. Gewonnen hat aber - mal wieder – ein junger Mann: Pietro Lombardi ist Deutschlands Superstar 2011. Mit ganz viel Herz-Schmerz hat er sich den Sieg aber auch verdient. Das Finale drohte zeitweise im Kitsch zu versinken

Man hätte es Sarah so sehr gewünscht. Gewonnen hat aber - mal wieder — ein junger Mann: Pietro Lombardi ist Deutschlands Superstar 2011. Mit ganz viel Herz-Schmerz hat er sich den Sieg aber auch verdient. Das Finale drohte zeitweise im Kitsch zu versinken

Keine Frage, Pietro, sozusagen der Lukas Podolski von DSDS, hatte während der gesamten Staffel wirklich für gute Laune gesorgt. Seine Komik war dabei allerdings immer ein bisschen unfreiwillig. Seine Schwierigkeiten der englischen und deutschen Sprache Herr zu werden, seine bisweilen sehr orientierungslos wirkenden Reaktionen auf Fragen und die damit verbundene charmante Naivität haben ihn zum Gewinner der 8. Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" gemacht. Gönnen kann man es ihm. Fernanda Brandao fasste es treffend zusammen, als sie ihm sagte, er sei ein so guter und ehrlicher Mensch, dass sie ihm den Sieg wünschen würde.

Duett der Herzen und ein bisschen Schmerz

Dabei hat mal wieder nicht die Stimme über den Sieg entschieden. Im direkten Vergleich, als die beiden Finalisten zwei Duette anstimmten, wurde besonders deutlich wer der bessere Sänger von ihnen ist: Erst mit Sarah Engels Einsätzen bekamen die wirklich Farbe.

Im Radio hätte Sarah den größeren Wiedererkennungswert. Schließt man die Augen, wirkt Pietros Stimme deutlich beliebiger als die ihre. Dafür besticht er aber mit Herz: Nach dem zweiten Duett küsste er seine Sarah mehrfach so verliebt auf die Wange, dass man fast sehen konnte, wie die Zuschauerherzen ihm vor lauter Rührung entgegen flogen. Sarah wirkte in der Inszenierung der Beziehung zwischen den beiden deutlich zurückhaltender und unsicherer. Nun war die freilich auch sehr übertrieben. Im Hochzeitsdress sangen sie "We've got tonight", im Original "We've got tonite" von Bob Seger, während RTL im Hintergrund auf den riesigen LED-Wänden weiße Tauben und überdimensionale Eheringe einblendete.

Durch ein ebensolches Paar riesiger Ringe mussten sie dann auf dem Weg zum Jurypult auch noch durchsteigen. Und Dieter Bohlen versprach im Anschluss, würden sie heiraten, würde er Trauzeuge sein und ihnen die Ringe bezahlen. Das war, gelinde gesagt, triefend vor Kitsch, und die arme Sarah wirkte teilweise sehr emotional überfordert. Wäre da nicht Pietro gewesen, der es, der Show zum Trotz, schaffte, seine Gefühle für Sarah glaubhaft und aufrichtig zu zeigen, hätte der Abend wirklich weh getan.

Schlechte Werbung - netter Siegersong

Dieter Bohlens Aufruf, sich für die nächste Staffel zu bewerben, brachte dann echte Schmerzen. Großspurig breitete er aus, was ein Sieger im schlechtesten Fall verdienen würde. Theatralisch wies er darauf hin, dass man in Deutschland zwar nicht über das Geld sprechen würde, er aber jetzt mal das Ganze offen legen wolle. Ganze 500.000 Euro würde man mindestens bekommen! Wow, 500.000 Euro. Den Zuschauer hätte an der Stelle vielleicht mehr interessiert, was RTL und Herr Bohlen eigentlich mit ihren Superstars verdienen. Sei's drum.

Für Pietro, der früher auf 400-Euro-Basis Swarovski-Steine geklebt hat, dürfte das eine ganze Menge Geld sein. Der Siegersong "Call my name" war überraschend angenehm. Von Sarah als erstes gesungen, zeigte sich wie er klingen könnte — wenn man über die Stimmbandbreite verfügt, für die er geschrieben wurde. Bei Pietro wurden die Höhen und Tiefen dann etwas flacher. Dafür gewann der Titel an Tempo und avancierte zum Gute-Laune-Party-Hit. Man kann davon ausgehen, dass er zumindest erfolgreicher sein wird, als der letzte Siegersong von Vorgänger Mherzad Marashi. Ob er reicht, um Pietro dauerhaft zu etablieren sei dahingestellt. Aber wann ist es bei DSDS auch schon mal darum gegangen?

Verdienter Sieg für einen liebevollen Partner

Am Ende kann man sagen, was die Menschlichkeit betrifft hat Pietro zu recht gewonnen. Dass das Paar, wie immer wieder betont wurde, nicht gegeneinander angetreten ist und dass sie jetzt schon beide Sieger seien, hat vor allem er glaubhaft gezeigt. Spätestens als die zwei bei der Verkündung vor Moderator Marco Schreyl standen, wirkte Sarah wie ein kleines Mädchen. In sich gekehrt stand sie da, die Tränen kullerten in Strömen über ihre Wangen. Und spätestens da konnte man sehen, wie rührend Pietro um sie bemüht ist. Immer wieder streichelte er ihr den Rücken. Es schien ihm schon fast nicht mehr wichtig zu sein, wer gewinnt. So kann man nur hoffen, dass den zweien ein anderes Ende als ihren Vorgänger beschert ist.

Ob Pietro seine Sarah halten kann und ob er sich selber halten kann, nämlich in den Charts, das bleibt abzuwarten. Wünschen würde man es ihm. So wie man Sarah den Sieg gewünscht hätte. Schon alleine deshalb weil das Gefühl entstand, dass es Pietro deutlich leichter fallen würde, als zweiter im Bunde, hinter seine Freundin zurückzutreten.

Nun, Pietro kündigte in der Vergangenheit an, dass er gerne mit Sarah ein Duett singen würde. Beim Finale haben sie bereits bewiesen, dass sie damit am stärksten sind. Sollte ihnen das auf dem freien Markt tatsächlich gegönnt sein, hätten sie eine reelle Chance in den Charts ganz oben zu landen. Und dann wären sie auch wirklich beide die Sieger des Abends.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Pietro Lombardi ist der neue "Superstar 2011"

(RPO/felt)