Interview mit "Bunte"-Chefin: Patricia Riekel: "Wir Menschen brauchen Klatsch"

Interview mit "Bunte"-Chefin: Patricia Riekel: "Wir Menschen brauchen Klatsch"

Dienstagmittag 12 Uhr in ihrem Büro. Großer, runder Besprechungstisch, pistazienfarbene Leder-Stühle, an der Pin-Wand die Seiten der neuesten Ausgaben. Karl Lagerfeld ist auch da - zumindest steht er als Pappmaché-Figur im Smoking zwischen Zeitungsstapeln – natürlich mit dem goldenen Reh in der Hand. Patricia Riekel, die Powerfrau des People-Journalismus, hat gerade die erste Konferenz hinter sich. Drei sind es täglich, schließlich ist sie als Redaktionsdirektorin für "Bunte", "InStyle" und "Amica" verantwortlich, und als Bambi-Beauftragte managt sie die Verleihung des wichtigsten deutschen Medienpreises.

Dienstagmittag 12 Uhr in ihrem Büro. Großer, runder Besprechungstisch, pistazienfarbene Leder-Stühle, an der Pin-Wand die Seiten der neuesten Ausgaben. Karl Lagerfeld ist auch da - zumindest steht er als Pappmaché-Figur im Smoking zwischen Zeitungsstapeln — natürlich mit dem goldenen Reh in der Hand. Patricia Riekel, die Powerfrau des People-Journalismus, hat gerade die erste Konferenz hinter sich. Drei sind es täglich, schließlich ist sie als Redaktionsdirektorin für "Bunte", "InStyle" und "Amica" verantwortlich, und als Bambi-Beauftragte managt sie die Verleihung des wichtigsten deutschen Medienpreises.

Der Countdown für den Bambi läuft, sind Sie im Stress?

Riekel: Nein. Ich finde es beneidenswert, wenn man viel zu tun hat. Es ist doch angenehm, gefragt zu sein, die Dinge gestalten und etwas bewegen zu können. Und: Je weniger Zeit ich habe, umso mehr nutze ich sie, achte allerdings darauf, dass ich kleine Inseln für mich schaffe. (Sie lacht, nascht ein Schoko-Täfelchen nach dem anderen, aber mit schlechtem Gewissen, weil sie ja ins Bambi-Kleid passen muss.)

Haben Sie kein Lampenfieber vor so einem Mega-Ereignis?

Riekel: Oh doch wahnsinnig. Ich träume davon, dass Stars nicht kommen oder Preisträger krank werden. Bis zur letzten Sekunde wird an diesem Live-Event gearbeitet, 1000 Menschen sind monatelang im Einsatz. Aber ich habe gelernt, zu delegieren. Ziel und Strategie kann man vorgeben, aber dann muss man unbedingt den Mut haben, anderen zu vertrauen, sie ihren Job machen zu lassen. Ansonsten wird man verrückt.

Warum haben Sie diesmal Düsseldorf gewählt?

Riekel: Bambi braucht Bewegung, Inspiration, Begeisterung. Es ist ein unruhiges Tier, das liegt in seiner DNA. Ich bin gespannt auf die Optik in Düsseldorf — für mich eine der elegantesten und kreativsten Städte Deutschlands. Die wirtschaftliche Kraft am Rhein ist enorm, auffällig das Zusammenwirken von Medien, Agenturen, Kunstszene und Mode - ein starkes Bild der deutschen Gesellschaft.

Die Gesellschaft ist bei "Bunte" das Lieblingsthema. Wie lebt es sich zwischen den Stars und Sternchen, Schönen und Mächtigen?

Riekel: Zurückgezogen! Die meisten Prominenten treffe ich bei beruflichen Anlässen. Herr Markwort (sie nennt ihn wirklich so) und ich trennen strikt zwischen beruflichem und privatem Leben. Wir sind doch als Journalisten Beobachter. Da sollte man nicht zu viele Leute zu privat kennen. Wie soll man objektiv bleiben, wenn man mit den Leuten, über deren Leben man schreibt, zu verbandelt ist? Gerade in einer Führungsposition darf man nicht den Blick für das Wesentliche verlieren und man sollte sich immer wieder vergegenwärtigen, dass es nur eine geliehene Macht ist. Ich versuche, autark zu bleiben.

Wie haben Sie geschafft, in den vergangenen elf Jahren "Bunte" zu einem der erfolgreichsten People-Magazine zu machen?

Riekel: Das geht nicht im Alleingang. Dazu braucht es ein gutes Team. People-Magazine leben von guten Geschichten und von einwandfreien Fakten. Wir stellen uns jede Woche die Frage, was unsere Leser interessiert. Für mich gibt es nichts Spannenderes als Menschen, und es sind die ständigen Auf und Abs, die mich faszinieren. Wie gehen Menschen mit Applaus um und wie mit Buh-Rufen? Lebt der Politiker auch das, was er predigt? Oder wann und wie hat sich Maybrit Illner in den Telekom-Chef Obermann verliebt? "Bunte" funktioniert jede Woche wie eine Soap Opera. Allerdings sind die Akteure reale Menschen.

Tratsch und Klatsch — warum ist das so interessant?

Riekel: Wir Menschen sind soziale Wesen, brauchen andere um uns herum, müssen uns mit anderen auseinandersetzen, um uns selber zu finden. Die meisten orientieren sich nach oben. Wer möchte nicht schuldenfrei und ohne Sorge leben, geliebt und respektiert werden? Deswegen lesen wir gern von den Reichen und Schönen, die es geschafft haben, und fragen uns, wie die dort hin gekommen und ob sie wirklich glücklich sind. Wenn Sie einen Spaziergang in einer Villengegend machen, alles ist hell erleuchtet, schauen Sie dann nicht zum Fenster rein? Wir leuchten das Leben der Anderen aus, um unser eigenes besser zu erkennen.

Was ist für Sie "Bunte"?

Riekel: Bunte ist für mich Europas spannendstes People-Magazin und vor allem ein Spiegelbild der deutschen Gesellschaft. Ein Barometer für die Wichtigkeit von Prominenten und ein Kultblatt für alle, die sich für gesellschaftliche Rituale interessieren. Bunte ist vor allem emotional und gerade deswegen müssen die Fakten stimmen. Bunte beschäftigt mehr Reporter und Auslandskorrespondenten als die meisten anderen deutschen Gesellschaftsblätter.

Welche Geschichte würde sie nicht bringen?

Riekel: Wenn es um Kinder von Prominenten geht, sind wir sehr vorsichtig. Und keine Geschichten unter der Gürtellinie. Das bedeutet, dass die Bunte auf dem Wohnzimmertisch liegen und von der ganzen Familie gelesen werden kann. Wir halten es da wie Frank Plasberg: Hart, aber fair. Wir sind kein Streichel-Zoo für Prominente, aber wir gehen an jede Geschichte mit journalistischem Verantwortungsgefühl heran.

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Wie sieht die aus?

Riekel: Wenn wir über Menschen berichten, greifen wir in ihr Leben ein. Wir können sie nach oben heben oder auch nach unten bringen. Also müssen wir korrekt sein, denn ein Artikel trifft nicht nur die Person, von der er handelt sondern auch die Familie. Manche junge Journalisten machen sich nicht klar, wie verletzend ein einziges Adjektiv sein kann: Wenn es z.B. heißt, der Schauspieler oder der Politiker geht fremd, ist sexsüchtig - was bedeutet das für seine Kinder, für seine Frau?

Sie sind 58, fast 40 Jahre Journalistin, sind Sie milder geworden?

Riekel: Sensibler. Als ich vor elf Jahren die Bunte übernahm, stand ich plötzlich selbst im Zentrum der Aufmerksamkeit. Da gab es auch den einen oder anderen negativen Artikel, und ich habe selbst erlebt, wie verletzend es ist, wenn man sich falsch dargestellt fühlt.

Lesen Sie alles vorher, was erscheint?

Riekel: Fast alles.

Sind Sie eine strenge Chefin?

Riekel: Das kann ich nicht beurteilen. Allerdings bin ich unnachgiebig, wenn ich glaube, dass eine Geschichte besser recherchiert oder geschrieben werden muss.

Welche Titelbilder verkaufen sich am besten?

Riekel: Ein Mann allein verkauft sich fast nie. Am besten laufen nationale Themen aus dem Showbiz, aus Sport und Society und alle Themen über Königshäuser. Am besten funktionieren Figuren, die unsere Leser kennen, über die sie mehr erfahren wollen. Zwei besonders erfolgreiche Titel der letzten Zeit handelten von der Ehekrise im dänischen Königshaus und von der außerehelichen Affäre von Minister Seehofer. Glück und Glamour müssen sein, denn Alltagsprobleme erleben die meisten im Treppenhaus. Wir kaufen eine Zeitschrift doch nicht, um uns deprimieren zu lassen. Wir wollen verwöhnt, berührt, gerührt werden, und ein bisschen träumen.

Was ist ihr Traum?

Riekel: Er ist in Erfüllung gegangen: Ich wollte immer Geschichten erzählen und habe davon geträumt "Bunte" zu machen. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen (sie strahlt).

Sie haben dreimal persönlich das goldene Kitz verliehen - an Kurt Felix, Johannes B. Kerner, Karl Lagerfeld und dieses Jahr?

Riekel: Als Organisatorin halte ich mich im Hintergrund. Unsere Bambi-Gewinner, die Laudatoren und die Gäste sind die Stars des Abends. Aber worauf ich mich wirklich freue: Bambi ist ein großer Event und eine wunderbare Gelegenheit, sich richtig schön zu machen.

Was tragen Sie?

Riekel: Einen Traum von Rena Lange - mitternachtsblau.

(RP)
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