Oliver Sanne: TV-Kritik zum Bachelor

TV-Kritik zu "Der Bachelor" : Los, Mädchen, liefer' mir was!

Rosafarbene Outfits und südliche Hitze – in dieser Woche wurde es in der RTL-Kuppelshow "Der Bachelor" prickelnd, romantisch und hinterhältig. Alle Mädels verstehen sich natürlich weiterhin super. Aber nur, bis eine von ihnen nicht mehr vor Ort ist.

Rosafarbene Outfits und südliche Hitze — in dieser Woche wurde es in der RTL-Kuppelshow "Der Bachelor" prickelnd, romantisch und hinterhältig. Alle Mädels verstehen sich natürlich weiterhin super. Aber nur, bis eine von ihnen nicht mehr vor Ort ist.

In der dritten Sendung der aktuellen Staffel wurde zum ersten Mal richtig geknutscht. Endlich! Wurde ja auch Zeit. Bevor die Zuschauer stiften gehen, kommt in dieser Folge die pure Liebe ins Spiel. Oder das pure Austesten. Gut, ist ja fast dasselbe. Fakt ist: Es passiert etwas. Dafür sorgt (zuerst) die hübsche Wahl-Blondine Liz. Aber: eins nach dem anderen. Und das scheint auch das Motto des "Bachelors" Oliver Sanne zu sein, den alle nur Oli nennen. Eine nach der anderen.

Es dreht sich um Oli, worum auch sonst?

Der Tag beginnt scheinbar langweilig. Die 13 Mädels warten in der Villa im malerischen Los Angeles und fragen sich, was wohl passieren wird. Ein kleiner Tipp: Dates mit dem "Bachelor". Was für eine Überraschung! Worum sollte sich das Leben auch sonst drehen? Es dreht sich alles um Oli. Oli, der zum Einzeldate aufruft, Oli, der sich mit sieben Blondinen gleichzeitig verabredet und Oli, der entscheidet, wen er jetzt weiter treffen möchte oder nicht. Und Oli verkündet: Ich will Liz kennenlernen. Der "Bachelor" hat gesprochen, so sei es.

Liz hat zuvor noch gelangweilt auf der Terrasse gelegen und sich mit ihren Freindinnen über spröde Nägel unterhalten. Was man halt so macht als studierte, emanzipierte Frau. Wenn nur der "Bachelor" das nicht sieht. Während die 22-jährige Blondine Liz "vielleicht passiert auch gar nüscht" in den Raum wirft, denkt sich die versammelte RTL-Zuschauer-Schar: ja klar, Liz, ich zieh mir zwei Stunden "Bachelor" rein für "gar nüscht". Los Mädchen, liefer' mir was! Und Liz bedient das Publikum.

Die bequeme Opferrolle

Es ist so klischeehaft einfältig, dass es fast schon wieder schön ist. In rosafarbener Hose korrigiert der "Bachelor" höchstpersönlich die von RTL dekorierten Tisch-Arrangements. Was man eben so macht als "Bachelor". Denn Liz ist die erste (und vermutlich auch nicht die letzte), die Oli in seiner Villa besuchen darf.

Während sie sich noch in der Mädels-Villa in ein vielfach für süß befundenes und dennoch heimlich verspottetes Leder-Outfit zwängt, können die Zuschauer einen Blick auf die restlichen Kandidatinnen werfen. Und der Blick fällt natürlich auf die mit dem Intimpiercing. Man weiß zwar nicht mehr genau, wie sie heißt, aber an dieses schamlose Detail aus der ersten Folge erinnern wir uns. Leider. Denn jetzt liefert die Dame, deren Frisur, wie wir später noch erfahren, es laut "Bachelor" definitiv ins Finale schaffen kann, erneut die Situation, in der man als Mensch mit halbwegs gesundem Menschenverstand nur staunen kann.

Annamaria (so heißt sie), macht Fitness. Gehört sich so für eine moderne Frau. Und: den Personal Trainer muss man ja irgendwie beeindrucken, und das in irgendetwas, das aussieht wie ein Schwangerschaftskleid mit Palmenmuster. Darin schwingt sie halb-motiviert in Highheels Gewichte, während sie Lebensweisheiten vom Stapel lässt. Zum Beispiel: "Der Bachelor macht die Regeln, nicht wir." Das, liebe Annamaria, ist natürlich sehr bequem. Denn wer braucht sich schon für das eigene Handeln rechtfertigen, wenn man doch eigentlich das arme Opfer in der Geschichte ist? Die junge Dame muss die Sendung später leider verlassen, ihre Weisheiten sitzen aber tief.

Nur du und ich — und ein Kamerateam

Liz sitzt unterdessen erst mit dem "Bachelor" im Pool und isst Gurken und Tomaten, anschließend geht es auf den Jahrmarkt. Achterbahn fahren, Kuscheltiere schießen; fast passend zu Liz' jugendlichem Alter. Letztlich ergattert die glückliche Kandidatin einen pinkfarbenen Flamingo, wiederum passend zur Hose des "Bachelors". Ein sehr ästhetisches Format, diese Sendung. Liz und Oli nehmen natürlich auch ganz romantisch in der Gondel des Riesenrads Platz. Es wird intim. Niemand weit und breit zu sehen, außer Oli und Liz vor sowie vermutlich einem RTL-Redakteur, einem Kameramann und einem Tonassistenten hinter der Kamera. Und dann wird geknutscht, geflirtet, mit den Augen geklimpert. Und so schnell das Ganze ging, so schnell ist alles auch schon wieder vorbei.

Aber nur für den Moment, denn geht zum ersten Gruppendate. Und das mit Oli, der im pinkfarbenen Hemd (warum immer pink?) zum Pferde-Ausritt aufruft. Mögen schließlich alle Frauen. Aha, lassen wir mal so stehen. Mit einer interessanten Kamera-Einstellung, die jede Brustgröße der Kandidatinnen genau definiert, endet der Ausritt. Und dann legt die ehemalige Spielerfrau Lisa richtig los. Um es mit den Worten der Kandidatin Nicola zu sagen: "Südlich geht es ziemlich ab."

Gemeint ist, natürlich, Händchen-Halten. Nahezu skandalös, sitzen doch drei andere Kandidatinnen daneben. Und genau das wird auch beim zweiten Gruppendate am Strand alias "Ich-guck-mir-die-alle-mal-im-Bikini-an-Date" thematisiert. Das Resultat der Diskussion: Manchmal tut man Sachen, die unüberlegt sind. Händchen halten beispielsweise. Andauernd pinke Klamotten anziehen. Oder am "Bachelor" teilnehmen?

Wie dem auch sei. Fakt ist: Ob jetzt Lisas Hand berührt wurde, oder sie berührt hat, die anwesenden Damen präsentieren sich echauffiert und in der Opferrolle. Bis auf Petra, die in der Nacht der Rosen zwar freiwillig geht, aber sonst eigentlich gar nicht auffällt. Die anderen beschweren sich, beginnend damit, dass der "Bachelor" bestimmt, wann am Tag angerufen wird, wer mit auf das Date kommt und was gemacht wird, bis hin zu "wer jetzt wessen Hand genommen hat". Nicht zu vergessen, wer letztlich die Rose bekommt. Und da macht sich Unzufriedenheit breit.

Die Teilnehmerinnen der Show scheinen über all den Gratis-Getränken und der horizontalen Los-Angeles-Sonneneinstrahlung nur eines vergessen zu haben: dass man sein Leben im 21. Jahrhundert doch eigentlich selbst in der Hand hat. Und zwar beginnend von der Teilnahme an der Staffel, bis hin zum Annehmen der Rose.

Aber — es ist halt bequem, den "Bachelor" "einfach mal so machen zu lassen". Anscheinend denken die anwesenden Frauen genauso halbherzig über ihre Showteilnahme nach, wie sie im grün-pinken Kleidchen ihren Bizeps trainieren. Und natürlich nehmen sie die Rosen an. Alle. Bis auf Petra. Die verlässt die Sendung nach gründlicher Überlegung. Vielleicht war ihr Bizeps aber auch einfach schon genug trainiert.

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Hier geht es zur Bilderstrecke: "Der Bachelor" verteilt erste Küsse und zeigt sich oben ohne