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Null Überraschung, aber ein schlimmer Bösewicht: Der „Tatort: Der böse König“

„Tatort: Der böse König“ : Odenthal und die One-Man-Show

Der inzwischen 74. Fall mit Lena Odenthal bietet keinerlei Überraschung - aber einen faszinierend fiesen Bösewicht. Die Vorschau zum „Tatort: Der böse König“.

„Wen der liebe Gott will strafen“, weiß der Volksmund, „den schickt er nach Ludwigshafen.“ Als Co-Ermittlerin versauert dort, eine Rheinbreite von der vergleichsweisen Weltstadt Mannheim entfernt, die total digitale Fallanalytikerin Johanna Stern schon seit sechseinhalb Jahren - und wird doch ewig die „Neue“ bleiben. Denn hier ermittelt Lena Odenthal mit einem Vierteljahrhundert Vorsprung alles weg. Getreu dem Motto „Keine Experimente“, das gefühlt nur kurz vor ihrem erstem Auftritt, nämlich 1957, der CDU zum größten Wahltriumph der BRD-Geschichte verhalf.

Die wenigen Ausnahmen von der Regel wirkten, als würde der SWR sie absichtlich gegen die Wand fahren: Die Folge „Babbeldasch“ etwa kam 2017 ohne Drehbuch daher, im Gegenzug spielten gleich 25 Laiendarsteller aus einem Mundarttheater sich selbst. Das ging so dermaßen schief, dass man den SWR seitdem einfach wieder nach Schema F machen lässt.

Zum Verdruss der Darstellerin Ulrike Folkerts selbst ist und bleibt Oldie Odenthal eine Ermittlerin der ganz alten Schule. Keinesfalls darf sie mehr sein als ein Gesicht plus Name plus Markenzeichen - hier: Lederjacke - zum Wiedererkennen, ein Vehikel für ihre nun 74 Fälle. Bei Kritikern schwer unbeliebt, werden sie vom Publikum meist gemocht, weil ein Garant für Geradlinigkeit: Ein Mord, zwei oder drei Verdächtige, viele Verhöre, noch mehr hölzerne Erklärungen, und vor der finalen Festnahme noch ein Stück Standard-Verfolgungsjagd, Bitte, Danke. Am Ende ist alles gut, Frau Lederjacke und Frau Laptop sei Dank.

Aber mei, wieso denn auch nicht? Die Gruppe der Krimi-Fans, die nach immer noch mehr Privatproblemen fiktiver Ermittlerfiguren von A wie Alkoholismus bis Z wie zerrütteten Ehen lechzt, dürfte sehr überschaubar sein.

Der neue Fall „Der böse König“ jedenfalls hat die üblichen Schwächen im Übermaß. Zugleich aber trumpft er auf mit einem starken Darsteller für die sehr spezielle Episodenhauptrolle. Mirakulös gelingt es Christopher Schärf, die Spannung hochzuhalten, obwohl die komplette Handlung schon gegen halb neun selbst einem Außerirdischen klar wäre, dem das Konzept Kriminalfilm nur aus, sagen wir, der Wikipedia ein Begriff ist. Seinen Rollennamen verschweigen wir hier, doch schon in seiner ersten echten Szene verbreitet dieser Typ körperliches Unwohlsein. Eine richtige fiese Möpp.

 Nicht halbherzig, sondern eher achtel- oder sechzehntelherzig wird uns leider so ziemlich alles um diese Figur herum hingeknallt wie das Essen in einer schlechten Knastkantine. Kein glaubhafter weiterer Verdächtiger, nirgends.

Doch dies soll kein Aufruf zum Abschalten sein. Wenn Sie wissen wollen, welche Art Mensch einen Späti-Pächter mit einem Baseballschläger totprügelt, an einem warmen Sommerabend gegen zehn Uhr, ohne die geringste Angst vor Entdeckung, also, sehen Sie diesen Film. Auf seine Weise ist er durchaus gelungen. Zwar wird Sie rein gar nichts daran überraschen. Aber just diese bräsige Berechenbarkeit ist doch eine tolle Abwechslung vom tatsächlichen, Volten schlagenden Weltgeschehen.