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Nora Tschirner: Tatort-Rolle ist wie ein Ehering

Interview mit Nora Tschirner : "Die Tatort-Rolle ist wie ein Ehering"

Seit ihrer Hauptrolle in "Keinohrhasen" läuft es blendend für die 33-jährige Schauspielerin. An Neujahr ist Nora Tschirner an der Seite von Christian Ulmen im zweiten Weimar-"Tatort" zu sehen. Ein Gespräch über besondere Drehbücher, persönliche Grenzen und magische Momente.

Der "Tatort" ist so eine Art Ritterschlag im deutschen Fernsehen. Hat sich dadurch etwas für Sie verändert?

Nora Tschirner Nein. Es war vorher schon alles gut. Spürbarer war das bei "Keinohrhasen". Aber beim "Tatort" war vorher alles super und hinterher auch.

Ihnen sind also nicht plötzlich mehr Krimirollen angeboten worden?

Tschirner Komischerweise nicht. Das war vor dem "Tatort" anders, da gab es Angebote für Krimireihen. Aber mit der Rolle hatte ich sozusagen meinen Krimi gefunden. Vielleicht verstehen die Leute das wie einen Ehering und graben einen deshalb nicht mehr an.

Können Sie sich anfreunden mit der Idee, eine Serienheldin zu sein?

Tschirner Ich habe überhaupt kein Problem mit dem Etikett Seriendarsteller. Vom Weimarer "Tatort" ist zum Beispiel eine dritte Folge fest geplant. Wenn etwas fortgesetzt wird, was mir schon beim ersten Mal große Freude bereitet hat und was ein hohes Qualitätslevel hält, dann ist das eine wunderbare Nachricht, dass es weitergeht. Alle Beteiligten lassen sich aber offen, das von Mal zu Mal zu prüfen.

Haben Sie früher "Tatort" geschaut?

Tschirner Nicht besonders viel. Ich weiß, dass meine Eltern viel von Schimanski geschwärmt haben und von Manfred Krug, aber es gab da keine Familien-Tradition des "Tatort"-Schauens. Auch jetzt gucke ich nur punktuell mal rein.

Der Weimarer "Tatort" fällt ja ein wenig aus der Reihe - die Autoren sprechen vom "Weimarer Wahnsinn". Wie reagieren Sie aufs Drehbuch?

Tschirner Ich fühle mich davon schön durchgerüttelt und sehr gut unterhalten. Und ich mache beim Lesen drei Kreuze, dass ich so schlau war, das damals zuzusagen.

Haben Sie Einfluss auf die Entwicklung Ihrer Figur?

Tschirner Wir stecken da schon noch Arbeit hinein, geben unseren Senf dazu, schauen, dass die Figuren echt bleiben, in bestimmten Situationen nicht in eine Gagparade verfallen zum Beispiel. Das ist dann die Feinarbeit von unserer Seite - aber dafür muss natürlich erstmal ein Knaller-Buch da sein. Die Autoren machen da einen grandiosen Job. Ich freue mich schon auf das Buch für die dritte Folge.

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Ist es hilfreich, dass Christian Ulmen und Sie ein eingespieltes Team sind?

Tschirner Na klar. Dazu ist es hilfreich, dass Christian und ich früher sehr regiemäßig auf die Sachen geguckt haben. Wir sind sehr diskussionsfreudig in der Arbeit und sehr genau. Wir müssen uns mit bestimmten Sachen nicht lange aufhalten, können direkt höher einsteigen. Das war auch der Grund, warum ich das zugesagt habe. Christian kannte die Autoren und hat gesagt, er findet sie gut, und ich habe ihm vertraut.

Ist diese berufliche Verbundenheit mit Christian Ulmen - sie haben auch "Alles ist Liebe" mit ihm gedreht - nur befruchtend oder geht man sich auch auf die Nerven?

Tschirner Das ist wie in jeder engen Zusammenarbeit so, dass wir uns auch ab und zu auf den Keks gehen. Aber trotzdem ist das einer meiner absoluten Lieblingsmenschen. Wir können sehr herzhaft diskutieren. All das hat zu einer noch engeren Beziehung geführt. Ich genieße das sehr, mit jemandem so gut streiten und diskutieren zu können. Das ist eine Freundschaft, der man auch als Beteiligter beim Wachsen zugucken kann. Ich fühle mich da sehr beschenkt, dass wir uns so früh kennengelernt haben.

Planen Sie auch gezielt gemeinsame Projekte? Einen Film oder eine Show?

Tschirner Das geht jetzt tatsächlich zum ersten Mal los, dass es solche Tendenzen gibt, ja. Früher gab es immer so einen Gag von Christian, dass er gesagt hat, er möchte eine Show mit mir machen. Wobei ich gar nicht weiß, ob das wirklich ein Gag war, vielleicht meinte er das auch ernst. Wir fangen jetzt an, dass er auch Stoffe rüberschickt. Durch den "Tatort" sind wir auch in einem ständigen Austausch, das ist schon toll.

Die Stoffe, die Sie auswählen, sind ja eher heiter. Haben Sie auch mal Lust auf Abgründigeres?

Tschirner Es geht. Mich zieht es schauspielerisch jetzt nicht dahin, dass ich sage, ich muss mich jetzt spüren oder finden. Ich mache ja auch noch anderes, Dokumentarisches und Musik. Es ist eher so, dass ich bestimmte Sachen absage, als dass ich sie nicht angeboten bekomme. Und ich habe das Gefühl, in der Komödie schauspielerisch schon sehr viel zu bedienen, so dass ich nicht denke, da entsteht ein Defizit.

Ist ja auch gut zu wissen, was man will und was man nicht will.

Tschirner Genau. Auch was man kann und was man nicht kann, oder was man am besten kann. Sicher, ich traue mir zu, alles zu lernen und in allem besser zu werden. Aber das weiterzuentwickeln, worin ich gut bin und am leidenschaftlichsten, halte ich für sinnvoller.

Derzeit kommt man im Kino und im TV kaum an Ihnen vorbei ...

Tschirner Sorry.

... dabei hadern Sie ja öffentlich mit den Folgen Ihrer Popularität. Wo ziehen Sie die Grenzen?

Tschirner Bei den Themen, die besprochen werden. Wichtig ist auch, von welcher Seite aus die Grenzen gezogen werden. Dazu gibt es oft einen Konsens, dass andere Leute meine Grenzen ziehen, und das finde ich schwierig. Schon alleine weil meine Grenzen flexibel sind. An einem Tag ist es kein Problem für mich, wenn ich beim Bäcker wegen eines Fotos angesprochen werde, am nächsten Tag schon. Dann muss das total cool sein, dass ich einfach Nein sagen darf. Es geht nicht darum, dass mich niemand ansprechen darf, die Leute müssen nur das Echo vertragen können. Manche sind ja schon verschreckt, wenn ich ganz freundlich Nein sage.

Kann man heutzutage überhaupt noch Grenzen ziehen? Ist das schwer?

Tschirner Ob man's kann oder ob's schwer fällt, das ist ja eine unterschiedliche Frage. Je weniger man es will, desto schwerer fällt es. Der Aufwand ist vielleicht groß, aber weil es mir wichtig ist, kommt er mir nicht so groß vor.

Der Tatort läuft ja am 1. Januar ...

Tschirner Für die Numerologen: Am 1.1. 2015 um 20.15 Uhr im Ersten - das ist ja wohl der Hammer.

...und wenn das Jahr so gut losgeht, fasst man da gute Vorsätze?

Tschirner Ich möchte eher Sachen im alten Jahr noch zu Ende bringen, als neue Vorsätze zu fassen. Das hat für mich nie eine Bedeutung gehabt.

Wer hat sich "Element of Crime" für die Schlussszene gewünscht?

Tschirner Nachdem ich die Fassung des Drehbuchs gelesen hatte, in der die Band vorkommt, dachte ich erst, das sei ein Platzhalter, ein Gag. Als es dann hieß, nein, das ist ernst, hatte ich erstmal eine Viertelstunde Schnappatmung. Es ist ganz selten so, dass etwas am Set eine emotionale Dichte erreicht, die man als Zuschauer wahrnimmt. Der romantische Moment, den wir da geschaffen haben, ist von der Realität eingeholt worden. Das Team war unfassbar glücklich. Wir haben uns dann noch mal eine Wiederholung ohne Kamera gewünscht und standen da zu 40igst Arm in Arm vor dieser Bühne, mitten in der Nacht. Das war ein berührender Moment.

Jörg Isringhaus führte das Gespräch.

Hier geht es zur Bilderstrecke: "Tatort": Nora Tschirner, Christian Ulmen und der "irre Iwan"

(ing)