Netflix-Serie "The Expanse": Game of Thrones im Weltraum

Netflix-Serie "The Expanse" : Game of Thrones im Weltraum

Die US-Science-Fiction-Serie "The Expanse" besticht durch eine komplexe Story und vielschichtige Charaktere. Auf Netflix fesselt sie von der ersten bis zur letzten Folge.

Es ist keine saubere Star-Trek-Welt und kein optimistischer Blick auf die Welt des 23. Jahrhunderts. "The Expanse" (Die Ausdehnung) ist um eine etwas ernüchternde Sichtweise bemüht: Die Vereinten Nationen regieren auf der Erde — mehr oder weniger. Denn Großkonzerne machen ihre eigene Politik. Und der Mars hat sich nach der Kolonialisierung längst unabhängig erklärt und bildet einen eigenen hochgerüsteten Machtblock, der sich im Kalten Krieg mit der Erde befindet.

Beide sind indes abhängig von den Ressourcen des Asteroidengürtels. Die Arbeiter dort haben sich nach mehreren Generationen in der niedrigeren Schwerkraft nicht unbedingt sichtbar, aber dennoch physisch angepasst: ihr Knochenbau, ihre Muskeln, ihr Rückgrat — unter irdischen Verhältnissen würden sie zusammenbrechen.

Diese Veränderungen, ihre eigene Sprache und Gestik hat zu einer neuen Identität als "Gürtler" abseits von Erde und Mars geführt, von denen sie sich zunehmend ausgebeutet und unterdrückt fühlen — was zu einem großen Teil auch stimmt. Längst hat sich mit der OPA (auf Deutsch: Alllianz der äußeren Planeten) eine je nach Sichtweise militärische oder terroristische Organisation gebildet, die für die Unabhängigkeit der Gürtler kämpft.

Es ist eine hochexplosive Gemengelage, die "The Expanse" präsentiert — und die sich langsam entfaltet. Im Hintergrund. Denn zunächst geht es um eine reiche, junge Frau (Florence Faivre), die auf mysteriöse Weise verschwindet. Auf dem Asteroiden Ceres geht der korrupte und desillusionierte Detective Joe Miller (Thomas Jane mit kuriosen Hut und Hipster-Haarschnitt) im Auftrag des milliardenschweren Vaters ihrer Spur nach. Und sie zu finden, entwickelt sich langsam zu einer Obsession.

Zeitgleich stößt eine durch tragische Umstände zusammengewürfelte Crew eines Raumfrachters unter Jim Holden (Steven Strait) auf eine Verschwörung und stolpert von einem Desaster ins nächste. Dass diese "Space-Trucker" sich untereinander kaum ausstehen können, macht es für sie nicht leichter. Und auf der Erde versucht die UN-Sekretärin Chrisjen Avasarala (Shohreh Aghdashloo) einen Krieg zwischen Erde, Mars und dem Asteroidengürtel zu verhindern. Alle drei Handlungsstränge sind am Ende miteinander verwoben und führen zu einer sehr viel bedrohlicheren Wahrheit.

Drei Geschichten sind miteinander verwoben. Foto: Rafy/Syfy

"The Expanse" besticht nicht nur durch die komplexe Geschichte zwischen Politthriller, Road Movie, klassischer Science Fiction und Mystery. Die Charaktere sind vielschichtig, fast alle scheinen dunkle Geheimnisse zu haben und sind weder gut noch böse. Im besten Fall sind sie darum bemüht, das Richtige zu tun, was ihnen aber nicht immer gelingt. Dazu kommt, dass die Serie des Spartensenders Syfy die futuristische Welt mit einigem Aufwand und auf dem Niveau teurer Hollywood-Filme in Szene gesetzt hat.

Dennoch war man um Realismus bemüht: Frachtraumschiffe sind schmutzige Kähne. Schlachtkreuzer dagegen wirken nüchtern, funktional und sauber. Künstliche Gravitation gibt es an Bord der Schiffe nicht. Nur so lange sie beschleunigen, wird eine Besatzung auf dem Boden gehalten. Zudem fliegen die Schiffe nicht wie bei "Krieg der Sterne" oder "Star Trek" höchst wendig umher. Manöver müssen berechnet werden, um die trägen Weltraumkähne zu steuern.

"The Expanse" wirkt durch die Story, die Charakter und die grandiose Umsetzung. Bei Netflix kann man derzeit die erste Staffel sehen. In der USA startet im Februar nächsten Jahres die zweite Staffel der Serie, die sich durchaus auf dem Niveau von "Game of Thrones" bewegt. Schließlich geht auch "The Expanse" wie das Fantasy-Epos auf eine Buchreihe zurück, die mit "Leviathan erwacht" 2011 ihren Anfang genommen hat. Angeblich geschrieben von James Corey. Tatsächlich verbirgt sich dahinter mit Daniel Abraham und Ty Franck ein Autoren-Duo.

(jov)
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