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"Neo Magazin Royale" mit Jan Böhmermann: Der Internetkönig wird im ZDF vom Fußboden überstrahlt

"Neo Magazin Royale" mit Jan Böhmermann : Der Internetkönig wird vom eigenen Fußboden überstrahlt

Das "Neo Magazin" kommt heute im ZDF-Hauptprogramm. Mit dem Zusatz "Royale" läuft die Show um 0 Uhr im Zweiten Deutschen Fernsehen, gestern lief sie um 22.15 Uhr schon auf dem Spartenkanal ZDF Neo. Das ist immer noch nicht die große Samstagabendshow, bringt dem Moderator Jan Böhmermann aber ein größeres Publikum, das er leider enttäuscht.

Zugegeben, wer heute Abend das "Neo Magazin Royale" im Fernsehen sieht, könnte versucht sein, sofort wieder umzuschalten. Das liegt nicht so sehr an den Inhalten oder der Moderation, sondern am Vorspann. Man könnte glauben man sei bei Prosieben gelandet. Böhmermann spielt in Personalunion Joko und Klaas von "Circus Halligalli" nach, sein Co-Moderator William Cohn gibt die strenge alte Dame "Violetta" aus der Prosieben-Sendung. Auch schon im alten Format hatte Jan Böhmermann ironische Kommentare gegen die beiden Moderatoren Joko und Klaas losgelassen, so gut produziert wie in diesem Einspieler gab es das aber nocht nicht.

Was folgt ist eine fiktive Konferenz mit den ZDF-Redaktion über den tatsächlichen Vorspann der Show. Das ZDF schlägt vor, es wie bei der "Daily Show" aus den USA zu machen. Was dabei herauskommt sieht nach "heute show" aus und überzeugt Böhmermann wenig. Auch eine Kopie des Einspielers der "Harald Schmidt Show" wird nicht genommen. Böhmermann will Action, einen Kampf gegen einen Shitstorm und einen Dinosaurier. Als Comic-Version kriegt er das auch.

Und auch, wenn Jan Böhmermann keinen Vorspann von Harald Schmidt wollte, hat er sich einiges bei seinem ehemaligen Arbeitgeber abgeschaut. Es gibt eine Band, mit William Cohn hat er seinen eigenen Manuel Andrack und zu Beginn gibt es eine längere Stand-Up-Einlage, bei der er vorm Publikum steht. Hier wirkt er etwas verloren. Der oft gelobte Hochglanz-Boden ("shiny floor") stielt ihm die Show. Ohne Einspieler oder eingeblendete Fotos zünden seine Gags nicht immer. Nur wenn es richtig dreist wird, zieht auch das Publikum mit. Ein Beispiel ist der Hinweis auf Bill Gates' Plan, Kondome zu entwickeln. Diese sollten vor allem "billig und dünn sein. Die Idee dazu kam Bill Gates bei einem Abendessen mit Sylvie Meis".

Mit gleich zwei Hashtags der Woche wird das Publikum aufgerufen, die Sendung bei Twitter zu kommentieren. Unter #ZDFiscool sollen sich "die Zuschauer über 50" engagieren, den zuerst ausgerufenen Hashtag #ungefickt sollten sie lieber nicht nutzen. Dieser Hashtag ist nicht nur vulgär, sondern gleichzeitig eine Anspielung auf den Youtuber "Unge", mit dem Böhmermann in den vergangenen Wochen eine Auseinandersetzung bei Twitter geführt hatte. Auslöser war ein Kommentar Böhmermanns, der nahelegte, dass viele Internetstars mit ihren Inhalten und ihrem Geschäftssinn an der Realität vorbei lebten.

Beide Hashtags der Woche landeten schon während der Ausstrahlung der Sendung im Internet am Donnerstagabend unter den fünf beliebtesten Hashtags in Deutschland. Und auch am Freitagmorgen sind sie noch unter den Trending Topics. Unter den Kommentaren gibt es aber auch einiges an Kritik:

Mal ehrlich, seit der @janboehm im Hauptprogramm läuft, ist die Sendung voll lame geworden. #ZDFiscool

— Tapio Liller (@tapioliller) 5. Februar 2015Auch die Studiogäste von der Band Deichkind können Zuschauer, wie den hier zitierten nicht überzeugen. Sie lümmeln sich auf der Couch, führen nette Gespräche mit Jan Böhmermann und dem musikalischen Leiter der Show, Dendemann. Wer weiß, wie Deichkind bei eigenen Shows auftritt, wird hier enttäuscht.

Die Sendung ist die filmische Version eines Internet-Hypes. Es wird viel angekündigt, es gibt Zitate auf die Popkultur und sarkastische Kommentare. Der Inhalt geht dabei unter.

Das ironische Fazit von ZDF-Intendant Thomas Bellut am Ende der Sendung kann man auch ernst nehmen. "Und wegen sowas machen die so einen Presse-Rummel? Versteh' ich nicht", sagt Bellut im Abspann der Sendung.

Das "Neo Magazin Royal" können Sie schon jetzt in der Mediathek des ZDF ansehen.

(ac)