Nachlese zum "Tatort: Die Musik stirbt zuletzt"

„Tatort“-Nachlese: „Warum bist du so dumm?“

Der „Tatort: Die Musik stirbt zuletzt“ aus der Schweiz ist ein „Onetake“, ein Film ohne Schnitte. Geholfen hat das der Geschichte nicht unbedingt.

Worum geht es? Bei dem Benefizkonzert eines jüdischen Orchesters wird der Klarinettist vergiftet. Nach und nach kommen immer mehr Personen mit dem Gift in Kontakt. Es soll verhindert werden, dass ein dunkles Geheimnis des Mäzens Werner Loving ans Licht kommt. Er hat im Zweiten Weltkrieg Juden für Geld Hilfe bei der Flucht angeboten, aber nicht alle tatsächlich gerettet. So auch die Großeltern der Musiker Miriam und Vincent Goldstein (der vergiftete Klarinettist), die beim Benefizkonzert auftreten. Die Mutter der Goldsteins hatte sich das Leben genommen, als sie gegen Loving vor Gericht verlor.

Worum geht es wirklich? Um ein Experiment des Schweizer Fernsehens. Es wollte testen, ob die Kommissare aus Luzern eine gute Episode abliefern, wenn sie in Gestalt eines „Onetakes“, also eines Films ohne Schnitt, daherkommt. Ergebnis: Nein, tun sie nicht.

Woran erkennt man den „Onetake“? Nun, um ehrlich zu sein, das ist schwierig. Man kann es jedenfalls schnell vergessen, wenn die Konzentration von der Kameraführung abweicht. Ansonsten erinnert Lovings Sohn Franky daran, wenn er zum Publikum sagt, dass er gerade eigentlich nur den Weg überbrücken will. War das nötig? Jedenfalls hat es nicht geschadet.

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Der beste Dialog? Ist recht kurz und findet selbstverständlich zwischen Loving Senior und Loving Junior statt. Senior: „Warum bist du so dumm?“ Junior: „Dumm sind immer die Anderen.“

Der richtige Zeitpunkt für den Gang zur Toilette Da bieten sich freilich die Wege der Kamera an, die Franky Loving mit leeren Worthülsen zu überbrücken versucht. Ansonsten verpasst der Zuschauer auch nicht zu viel von der Handlung, wenn er die Auftritte der Kommissarin Liz Ritschard (Delia Mayer) meidet.

Die gute Nachricht Dass der „Tatort“ aus Luzern 2019 abgesetzt wird, ist wirklich eine positive Nachricht. Man kann sich beim besten Willen an keinen einzigen guten Film erinnern, der dort produziert wurde. Zu wünschen wäre, dass das Schweizer Fernsehen beim neuen Team, das dann in Zürich ermittelt, mehr Glück hat.

(her)
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