Nachlese zum „Tatort“ aus Frankfurt: Zwischen Faszination und Abscheu - Monster aus Kassel

Nachlese zum „Tatort“ aus Frankfurt : Faszination und Abscheu

Im Frankfurter „Tatort“ weiß der Zuschauer schnell, wer der Täter ist, der Qualität tut das aber keinen Abbruch. Der Niederländer Barry Atsma und die Frankfurter Ermittler liefern stark ab.

Worum geht’s? Der prominente Kasseler Talkshow-Moderator Maarten Jansen (Barry Atsma) tötet seinen 17-jährigen Stiefsohn. Den Leichnam zerstückelt er mit einer Axt, die Extremitäten verpackt er in Müllsäcke. Die einzelnen Pakete, das muss man leider so nennen, verteilt er in Frankfurt und Kassel. Der Sohn war bei einer geheimen Party und ist des Nachts nicht mehr zurückgekommen. Der Täter steht sofort fest. Der Film befasst sich mit der Frage, wie einer den leidenden Vater, der sich fragt, wie ein Mensch zu so etwas fähig ist, spielen kann – und gleichzeitig selbst genau dieser Mensch ist.

Worum geht’s wirklich? Um das Überlegenheitsgefühl von Großstädtern gegenüber der vermeintlichen Provinz. Um nicht ausgelebte Träume. Um blanken Hass. Um Liebe. Und um die Erkenntnis, dass die Normalität eine dünne Schicht aus Eis ist. Man bricht schnell ein.

Was nervt? Scherze über die besagte Provinz. Wenn ein Pubertierender aus Kassel Frankfurt als „Kapitalistenmetropole“ brandmarkt, darf man das als jugendliche Naivität verzeihen. Wenn erwachsene Polizeikommissare sich über Kassel lustig machen, dann ist das auf Dauer etwas simpel. Das Drehbuch hätte sich den einen oder anderen vermeintlichen Kalauer verkneifen können.

Der beste Moment für den Gang zur Toilette Nun, spannend ist dieser „Tatort“ aus Frankfurt nicht gerade. Die Dramatik ergibt sich aus der Mischung von Faszination und Abscheu dem Täter gegenüber. Wer also nebenbei Kreuzworträtsel lösen mag oder die Zeitung durchblättert, wird wahrscheinlich nichts verpassen.

Der beste Schauspieler Der Niederländer Barry Atsma spielt den Moderator Jansen wirklich besonders überzeugend. Er ist bekannt als brutaler Investment-Banker aus der famosen ZDF-Serie „Bad Banks“, in der im Übrigen sanft der Kapitalismus hinterfragt wird. Aber auch die Frankfurter „Tatort“-Kommissare liefern eine gewohnt starke Leistung.

(her)
Mehr von RP ONLINE